Von Analogien und Schulden (vom Smart Investor)

17. Mai 2011 | Kategorie: RottMeyer

Donnerwetter – ganz schön was los, die letzten Tage. Angesichts der mannigfaltigen Ereignisse und Meldungen, weiß man gar nicht so genau, wo zu beginnen.

Schuld(en)?

Als erstes bietet sich natürlich die Festnahme des obersten IWF-Direktors Dominique Strauss-Kahn (DSK) an. Der Franzose wurde wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt und zwar von einem Zimmermädchen eines New Yorker Luxushotels. Nun könnten wir natürlich Analogien in der Art „Wie im Großen, so im Kleinen“ aufziehen. Schließlich gibt es genug Menschen, die die Auffassung vertreten, dass der IWF, der stets als großzügiger und hilfreicher Onkel auftritt, in Wirklichkeit die ihm ausgelieferten Staaten und deren Volkswirtschaft vergewaltigt. Da aber in beiden Fällen, also im Großen wie im Kleinen bisher kein endgültiges Urteil gefällt wurde, wollen auch wir uns vornehm zurückhalten.

Ist ja auch ansonsten genug passiert: gestern beispielsweise erreichten die USA endgültig ihr Schuldenlimit, d.h. es dürfen keine neuen Gelder mehr aufgenommen werden. Zwar kann der Kongress jederzeit eine neue Schuldenobergrenze festlegen (wie praktisch), aber so ganz einig sind sich die Republikaner und Demokraten dabei bisher noch nicht geworden. Das ist natürlich eine etwas doofe Situation für Gottes eigenes Land, schließlich müssen bei einem Haushaltsdefizit von 1.500 Mrd. USD ungefähr 4. Mrd. USD pro Tag (!) neu aufgenommen werden….naja, bis zum August können sie sich noch irgendwie durchwurschteln, mittels Griffen in die Rentenkassen (sind die nicht auch schon längst leer?) oder dem Heben stiller Reserven.

Eine Insel mit zwei Bergen?

Apropos stille Reserven: Die wurden plötzlich auch bei den Griechen entdeckt. Sage und schreibe 300 Mrd. EUR soll der hellenische Staatsschatz wert sein. Mittels eines Verkaufs desselben ließe sich die Verschuldung auf mickrige 20% des BIP reduzieren. Hatte nicht der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler ganz zu Beginn der Krise vorgeschlagen, dass die Griechen halt die eine oder andere Insel verkaufen sollten? Ja, hatte er, aber dann hätte es in Brüssel (oder sonst wo) weitaus weniger Treffen und Konferenzen gegeben, auf welchen mit gewichtigen Mienen „alternativlose“ Rettungspakete verkündet worden wären. Ohne all diese Konferenzen, Meetings und Geschäftsessen wäre jedoch die (angebliche) Stabilisierung der Wirtschaft nicht so gelungen. Schließlich wurde dort von den Unterhändlern und ihrer Entourage kräftig konsumiert und – wie wir alle wissen – fördert der Konsum die Wirtschaft.

Wie dem auch sei, der griechische Ministerpräsident Papandreou ist gegen jeden Ausverkauf seines Lands und will von „Notverkäufen“ nichts wissen – Recht hat er! Wo kämen wir denn hin, wenn ein Bankrotteur auch noch mit seinem Vermögen haften soll. Dem Erfinder der „ehrlichen“ Lüge, Jean-Claude Juncker, scheint nicht zuletzt deshalb so langsam zu dämmern, dass eine Umschuldung doch nicht ganz auszuschließen ist. Auch wenn er genau dies letzte Woche noch tat. Nun jedenfalls könnte er sich selbige vorstellen, aber nur in ganz sanfter (???) Form. Vielleicht aber handelt es sich dabei auch nur um ein Lippenbekenntnis, damit die störrischen Deutschen zumindest ein bisschen das Gefühl haben, es würde von der Brüssler Technokratie auf ihre Befindlichkeiten Rücksicht genommen. Auf jeden Fall darf man auf den nächsten Akt im griechischen Schuldendrama gespannt sein.

Ein ziemlich heißes Thema ging derweil etwas unter: Die (lange geleugnete) Kernschmelze in Fukushima hatte wohl bereits kurz nach dem Tsunami eingesetzt. Hier böte sich wieder eine Analogie an – nämlich zu unserem Finanzsystem. Das befindet sich ebenfalls seit geraumer Zeit im Zustand einer „Kernschmelze“ und ähnlich wie in Fukushima wird dies so lange als möglich verheimlicht, vertuscht und beschönigt. Anders als im Falle von DSK allerdings handelt es sich hierbei jedoch nicht um reine Mutmaßungen. Damit zu den Märkten… (—> Seite 2)

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3 Kommentare auf "Von Analogien und Schulden (vom Smart Investor)"

  1. rolandus sagt:

    Hallo Herr Flierl

    Vielen Dank mal wieder für das allwöchentliche Statement. Überhaupt sollte das analoge Denken auf andere Bereiche ausgeweitet werden, da es ja das einseitig analytische wunderbar ergänzt. (So würde die Welt dann auch wieder rund anstatt linear erscheinen)

    Auf einen neuen SI freut sich grüßend nach München
    rolandus

  2. Stuelpner sagt:

    Das Griechenland ständig irgendwelche Inseln und andere staatl. Besitztümer verkaufen soll, um seine „Schulden“ zubezahlen finde ich, soft ausgedrückt, nicht richtig. Diese s.g. Schulden wurden ihnen doch über Kredite von Geldgebern gewährt die mehrere niederträchtige Ziele damit verfolgten z.B. Profitmaximierung der dt. Wirtschaft, Maximierung der Zinseinnahmen usw. obwohl diese Geldgeber wußten die GR sind in der Höhe nicht mehr kreditwürdig, nennt man sowas nicht sittenwidrig!? Wenn ich einem Mittellosen Zeug auf Pump verkaufe, brauch ich hinterher nicht überrascht tun, wenn er nichts bezahlen kann. Ihm dann noch seine Unterhosen zunehmen halte ich für kriminell, …
    Zum Glück haben wir das Problem im achso reichen Deutschland, entschuldigung BRD, nicht da bereits alles verkloppt (privatisiert) wurde, eigentlich sind wir mittelloser als GR, herzlichen Glückwunsch.
    Außerdem gehört den Chinesen doch schon halb GR.

    Die Einschätzung über Soros deckt sich mit mancher Vermutung.
    Das er nur das Papier abstößt ist extrem wahrscheinlich, anderseits ist dies nicht auch ein untrüglicher Hinweis, das dieses Papier-EM bald nichts mehr wert ist!?
    Er wäre ohne sein „zusätzliches“ Wissen niemals so reich geworden.

  3. p.koslowski sagt:

    Richtigstellung:
    „Der unbemerkte GAU – Eine Analyse des Energiekonzerns Tepco kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Die Kernschmelze im AKW Fukushima-1 begann direkt nach dem Erdbeben. Damit ist eine wichtige Schutzbehauptung der Atomlobby endgültig widerlegt.“ Quelle: SZ 17.05.2011

    Und nicht erst nach dem Zsunami… meiner Meinung nach ein entscheidender Unterschied!

    Netter Artikel ansonsten 😉

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