Vom Charme eines rotierenden Wegweisers

21. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer  Es ist unerträglich! Nein, nicht nur das heiße Wetter, sondern vor allem die Auftritte des US-Notenbankchefs Ben Bernanke. An der Börse wirkt er wie Ozon bei 30 Grad. Wird er weiter Geld drucken? Nichts interessiert die Kurse mehr…

Klare Antwort: Jein! Er tapert… Er tapert nicht… Er tapert… Er tapert nicht… Als Kinder haben wir den Blumen die Blütenblätter heraus gerissen, um Klarheit über eine etwaige Liebe zu erhalten. Nicht anders ist es heute, bloß in einem anderen Kontext.

Dabei wissen alle zu genau, dass die FED mit Anleiheaufkäufen die Zinsen am Boden halten muss, im Markt der Staatsanleihen oder viel wichtiger noch, im Immobilienmarkt. Ein Prozent mehr oder weniger für Immobilienkredite entscheiden heute schon über Aufstieg oder Absturz des Marktes. Und es sieht entgegen aller Expertenmeinung alles andere als rosig aus, schaut man auf die Entwicklung der Market Vectors Mortgage REIT ETF…

Market Vectors Mortgage REIT

Bernanke ist eine Zumutung für alle mit einem gewissen Hang zu Klarheit. Wer das aber erwartet, erwartet auch, dass Nachtfalter die Nacht falten. Es gehört zum Geschäft, den Märkten verschiedene Möhrchen abwechselnd hinzuhalten. Nicht, dass wir Börsenreporter und die Experten etwa Langeweile verspüren.

Wie viel Sendezeit und Papier wurden in dieser Woche wieder verplempert für den obersten US-Währungshüter? Was sagte er? Nichts! Er fährt mit seiner Geldpolitik Vollgas und tritt zugleich verbal auf die Bremse, dass es raucht und quietscht, während er rechts und links die Blinker setzt, hupt und Schlangenlinien fährt. Beobachter müssen meinen, er kämpft am Steuer mit einer Whiskeyflasche.

Man sollte ihn und seine Kollegen ignorieren, wohl wissend, dass die FED auch weiterhin Schuldenpapiere aufkaufen müssen, es aber niemals offen zugeben werden. Dabei schickt Ben die ach so armen Investoren quer durch die Küche und von der Bratpfanne in die Friteuse. Ich vermute, Bernanke glaubt am meisten an die sprichwörtlich „freien Märkte“.

Die Märkte sind gereizt und genervt. Ich als Börsenreporter auch. Nein, Bernanke ist verbal schlimmer als Blaualgen im Badeteich. Ich vermute, sein Job hat weniger mit Geldstabilität zu tun als mit dem Stiften von Verwirrung. Erstaunlich, dass sich die Finanzbeobachter vor ihm in Demut permanent im Staub wälzen. Man sollte ihn ignorieren. Überhaupt sollte man derzeit seine Zeit besser verbringen, statt sich um verbale Nullnummern zu kümmern. Eigentlich tut er mir leid.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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5 Kommentare auf "Vom Charme eines rotierenden Wegweisers"

  1. FDominicus sagt:

    Warum schreiben Sie nicht einfach der Herr Bernanke ist eine Zumutung?

  2. samy sagt:

    N’Abend …

    er tut dir leid? Warte mal ab, bis einer erklären muss, wieso Gold brennt?

    http://www.zerohedge.com/news/2013-07-21/did-raging-fire-burn-down-jpmorgans-gold-vault

    Angeblich brennt ein Goldspeicher bei JP Morgan. Papiergold?

    🙂 😉 🙂

  3. Lickneeson sagt:

    „Man sollte ihn und seine Kollegen ignorieren.“

    Danke, das ist der wichtigste Satz des Jahrzehnts!Wie so vieles in der modernen Medienwelt sind Bernanke & Co. rhetorische Blendgranaten, die nach Abzug von Licht, Krach und Nebel immer noch denselben Müllhaufen wiedererstrahlen lassen, der schon seit Jahren auf den Märkten liegt.

    Mitleid? Nein, das geht zu weit.Wäre sein Job ehrenamtlich sähe die Sache anders aus.

    MfG

  4. Michael sagt:

    Ja, ja die Möhrchen. Hoffentlich hängt er sie sich nicht selbst mal vor und läuft ihnen nach unser Benji B.

    http://www.amazon.de/dp/B0000BSWNI

    Er sendet Signale an die Märkte und nicht an uns … Rendlesham Forest.

    Es gibt ein paar Banker denen das ganze nicht mehr wirklich schmeckt und auch anderen Managern aus der Finanzindustrie. Die wollen sich von der Zentralbank, es gibt ja deren mehrere, nicht mehr wirklich etwas sagen lassen, respektive sind mittlerweile müde.

    Was sagt da die Elster, es glitzert und schon ists im Nest.

  5. mfabian sagt:

    Er tapert… Er tapert nicht… Er tapert…

    Es geht doch nichts über einen Lachkrampf an einem heissen Dienstag Nachmittag!
    Ich schmeiss mich weg … 😀
    Danke Frank!

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