Volkswagen und andere Akzente…

25. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose – Antizyklicher Börsenbrief

Flüchtlingsflut, Staatsschuldenkrise – und jetzt auch noch Probleme bei Deutschlands Autokonzernen. Man hat fast den Eindruck, das Fass läuft allmählich über. Und das könnte sogar stimmen…

In dieser Woche kommt man nicht umhin, den Ereignissen bei Volkswagen gewisse Priorität einzuräumen. Doch anders als man vielleicht erwarten würde, zeigt sich hier nur ein weiterer Baustein, der uns deutlich macht, dass wir vor einer Zäsur stehen. Doch dazu später.

Vor einiger Zeit hatten wir uns im Antizyklischen Börsenbrief einmal sehr ausführlich dem Thema „Geplante Obsoleszenz“ gewidmet. Der Begriff bezeichnet eine vom Hersteller geplante, und somit gewissermaßen „absichtlich eingebaute“ Verringerung der Lebensdauer von Produkten.

Angefangen hatte alles mit der Erfindung der harmlosen Glühbirne. Weil die Leuchtmittel anfangs viel zu lange brannten, wurden sie kurzerhand durch Modelle ersetzt, die schneller den Geist aufgaben. Denn schließlich muss ja was verdient werden. Nur darum geht es, und um nichts anderes.

Heute ist dieses Phänomen allgegenwärtig. Viel zitiertes Beispiel sind Drucker, die viel schneller auf der Müllhalde landen, als das eigentlich notwendig wäre. Gleiches gilt selbstredend für TV-Geräte, Videorecorder, Handys, Computer und all die anderen „Zeichen unseres Wohlstandes“. Welche Folgen das in anderen Teilen der Welt hat, das lässt sich hier und hier bestaunen.

Mit dem jüngsten Skandal bei Volkswagen hat das alles mehr zu tun als man auf den ersten Blick vermuten würde. Hier wie dort wird sichtbar, dass unsere Form des Wirtschaftens mit Nachhaltigkeit nicht das Geringste zu tun hat. Nicht die Erhaltung des Planeten für nachfolgende Generation ist unser Ziel, sondern der kurzfristige monetäre Gewinn.

Denn auch die Ingenieure bei Volkswagen haben die Abgaswerte ihrer Autos nur deshalb manipuliert, um sich damit einen „Wettbewerbsvorteil“ zu sichern. Am Ende sollte daraus „Profit“ werden.

Im Ergebnis führt dies nun dazu, dass eine ganze Branche zusehen muss, wie sie das angeschlagene Image des Dieselmotors wieder kitten kann. Ob das noch möglich ist, darf nach dieser Woche bezweifelt werden. Deshalb sind jüngst nicht nur die Aktien von Volkswagen unter die Räder gekommen, sondern die Papiere von BMW und Daimler gleich mit dazu. Und weil in Deutschland jeder dritte Arbeitsplatz direkt oder indirekt an der Automobilindustrie hängt, wird uns das Thema noch eine ganze Weile beschäftigen…

Auch auf anderen Ebenen wird das Problem unser gewinnzentrierten Wirtschaftsordnung überdeutlich. Und damit sind wir leider doch wieder beim Thema dieser Tage angekommen:

Weil wir glauben, uns mit der Rüstungsindustrie einen Wirtschaftszweig leisten zu müssen, dessen oberstes Ziel „Zerstörung“ lautet, und weil dieser Industriezweig in unseren Gesellschaften, insbesondere in den USA, eine immense Gewichtung erfährt, führt dies in einem auf Zwangswachstum basierenden Wirtschaftssystem notwendigerweise dazu, dass überall auf der Welt Kriege geführt werden „müssen“. Denn nur so wird Wachstum erzeugt – und damit Gewinn.

Ist das pervers? Ja, das ist es. Denn mit den fast 1.800 Milliarden US-Dollar, die in jedem Jahr für Bomben und anderes Kriegspielzeug ausgegeben werden, ließe sich eine Menge Sinnvolles anstellen.

Militärausgaben global

Statt dessen werden neben Chaos und menschlichem Leid weitere Kosten verursacht, was wiederum, nun ja, „Wirtschaftswachstum“ erzeugt. Nicht zu übersehen ist dabei, dass die „Kollateralschäden“ dieser Vorgehensweise in Form von Millionen Flüchtlingen jetzt an den europäischen Grenzen anklopfen.

Und die Ereignisse an dieser „Flüchtlingsfront“ treiben allmählich Blüten hervor, die sich die meisten von uns noch vor ein paar Monaten wohl nicht einmal in ihren schlimmsten Alpträumen ausgemalt hätten.

Wenn etwa Soldaten der Bundeswehr jetzt voll funktionsfähige Kasernen für Tausende Flüchtlinge räumen und in Zelte umziehen müssen, dann wird sich mancher nicht nur ungläubig die Augen reiben, sondern sich auch die berechtigte Frage stellen, ob dies der inneren Sicherheit in diesem Land dienlich sein kann.

Doch es kommt noch besser:

Falls Sie im Oktober noch nichts vorhaben sollten. Wie wäre es denn einmal mit dem Besuch einer wegweisenden Info-Veranstaltung für professionelle Schlepper und Schleuser? Nein, das ist kein Scherz:

Vom 16. bis 18. Oktober 2015 findet in der Kongresshalle der Münchner Kammerspiele die 2. Internationale Schlepper- und Schleusertagung (ISS) statt.

Nach eigenen Angaben handelt es sich dabei um „DIE relevante Fachtagung der weltweit agierenden Fluchthilfe-Unternehmen. Wichtigstes Tagungsziel 2015 ist die Image-Aufwertung sowie die damit einhergehende Neubewertung der Dienstleistungen Schleppen und Schleusen“.

Gesponsert wird die Veranstaltung, wen wundert´s, unter anderem von der Europäischen Union.

Träumen wir das eigentlich bloß oder geschieht das alles wirklich? Und warum steht davon nichts in der Zeitung?

„Black Oktober“: Bargeld vom Konto holen…

Nicht aus der Zeitung werden Sie auch von einer Initiative erfahren, die jüngst in den USA gestartet wurde: Unter dem Motto „Black Oktober“ rufen die Initiatoren der Occupy Wall Street-Bewegung die Menschen jetzt auf, ihr Geld von den Bankkonten zu holen und ihre Kreditkarten nicht mehr zu verwenden. Die Kampagne soll den ganzen Oktober andauern. Ziel ist es, den Banken die Stirn zu bieten.

Der Appell klingt harmloser als er ist. Denn wer sich in unserem Geldsystem ein wenig auskennt, der wird wissen, dass schon ein geringer Prozentsatz an Bargeldabhebern genügt, um unser Finanzsystem in ernste Schwierigkeiten zu bringen. Schätzungen gehen davon aus, dass selbst große Bankhäuser in die Pleite rutschen, wenn nur fünf bis zehn Prozent der Menschen ihr Geld vom Konto holen.

Ganz hervorragend passt hierzu die Beobachtung, dass die Bank von England neuerdings auffallend vehement für die Abschaffung von Bargeld trommelt. Man hat es offenkundig eilig, spricht gar davon, die Bargeldabschaffung sei „zwingend erforderlich“. Das klingt nach alternativlos.

Die Überlegung dahinter ist naheliegend: Können die Menschen ihr Geld nicht mehr von der Bank holen, weil es kein Bargeld mehr gibt, dann könnte man die Sparer mit Negativ-Zinsen zum Geldausgeben „zwingen“. Dies soll dann womöglich die Konjunktur „retten“, die auch in Großbritannien trotz eines Zinsniveaus nahe null Prozent seit sechs Jahren nicht mehr auf die Beine kommt.

Ob das klappen kann, ist allerdings fraglich. Es wäre nämlich auch das genaue Gegenteil möglich:

Um den Reigen an Unerfreulichkeiten voll zumachen, sei an dieser Stelle an eine Prognose von Martin Armstrong erinnert. Bekanntlich erwartet der Zyklenforscher im Oktober dieses Jahres den Beginn einer weltweiten Vertrauenskrise in das internationale Papiergeldsystem. Armstrong zufolge werden wir dann den Beginn des Zusammenbruchs der historischen Staatsanleihenblase erleben.

Bargeldabhebungen im großen Stil verbunden mit Bankenpleiten könnten eine solche tiefgreifende Vertrauenskrise auslösen…

Man sieht also auch in dieser Woche: Wir stehen erst ganz am Anfang sehr turbulenter Entwicklungen. Der Volkswagen-Skandal ist da nur ein weiterer winziger Baustein…

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5 Kommentare auf "Volkswagen und andere Akzente…"

  1. bluestar sagt:

    „Ist das pervers? Ja, das ist es. Denn mit den fast 1.800 Milliarden US-Dollar, die in jedem Jahr für Bomben und anderes Kriegspielzeug ausgegeben werden, ließe sich eine Menge Sinnvolles anstellen.“
    Danke Herr Hoose.
    Die Produktion von Rüstung, Tod, Vernichtung, Armut, Müll, sind die lukrativsten Geschäftsmodelle dieses angeblich vernunftbegabten Wesens.
    Aber es besteht sehr große Hoffnung für die Erde zur Befreiung von dieser Plage.
    Immerhin stehen die Chancen aktuell wieder sehr gut, dass sich dieses Wesen atomar selbst ausrottet.

  2. astroman sagt:

    Im Endeffekt finde ich das, was „oben“ passiert, aber gut nachvollziehbar.

    So honorieren Konsumenten im Mittel ja auch die geplante Obsoleszenz, die einen steten Umsatz und Gewinn zur Folge hat. Natürlich wären Menschen alle inkl. Mutter Erde besser dran, wenn die Dinge länger halten würden: Wir müssten alle (kaum zu glauben, aber tatsächlich wahr) weniger arbeiten bei gleichem Wohlstandsniveau und die Ressourcen würden länger halten, was uns mehr Zeit gäbe ein perfektes Recycling auf die Beine zu stellen.

    Was Rüstung betrifft, so übertreiben es die Amis sicherlich und schaden damit vor allem anderen, aber auch sich selbst (wirtschaftlich und gesellschaftlich). Nur so ganz ohne Keule geht es ja leider auch nicht. Es wird immer Staaten und Organisationen geben, gegen die man sich als Staat mit physischer Gewalt oder doch zumindest der Möglichkeit dieser wehren muss.

    Internationale Schlepper- und Schleusertagung in München: Ist das wirklich ernst? Ich kann’s kaum glauben… Also da fällt einem wirklich nichts mehr ein. Das würde ich auf der Verwerflichkeit sogar noch weit unterhalb von geplanter Obsoleszenz und offener Kriegsführung einordnen. Ware: Mensch. Es gibt manche Dinge, die sollte man nun wirklich nicht auch noch mit Marketing aufbessern und durch öffentliche Stellen legitimieren, so dass daraus eine neue Branche wird.

    • astroman sagt:

      Bevor gleich die ersten schon auswandern ob der neuen Skurrilitäten 😉

      „Bei der 2. Internationalen Schlepper- und Schleusertagung 2015 (2. ISS), die im Rahmen des OPEN BORDER KONGRESS an den Münchner Kammerspielen stattfindet, handelt es sich um ein Kunst- und Diskursprojekt der Aktivisten und Künstler Ralf Homann, Harald Glöde, Bernd Kasparek, Matthias Weinzierl und Katarzyna Winiecka.

      Die performative Inszenierung als Tagung dient als Mittel der Zuspitzung im Kontext des politischen und gesellschaftlichen Diskurses. In Diskussionsrunden und Präsentationen werden sich KünstlerInnen, AktivistInnen, JournalistInnen und AnwältInnen verschiedenen Aspekten des Themas Fluchthilfe, bzw. Schleppen und Schleusen annähern: Historie der Fluchthilfe, Kriminalisierung von Fluchthilfe, Fluchthilfeprozesse, Kunst- und Kampagnenstrategien.“

      • Ralf sagt:

        2.ISS: keine Satire, kein Kunstprojekt, sondern politische Realität:
        Georg Wege schreibt für COMPACT-Online:
        Der ehemalige CDU-Politiker und Autor Willy Wimmer musste feststellen, dass es sich bei dieser Ankündigung keineswegs um Satire handelte! Mehr noch: „Es nehmen unter diesem Deckmantel alle einschlägig bekannten NGOs der Szene teil und pflegen fröhlichen Informationsaustausch. Gefördert wird dies noch von – jetzt kommt’s – EU, Goethe-Institut und der Stadt München.“ Die Kammerspiele selbst nennen als Förderer: „Europäische Union, Goethe Institut, Kurt Eisner Verein, Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Paul Grüninger Stiftung, Rosa Luxemburg Stiftung, Pro Asyl“
        Zitat Ende

        Ende

  3. Sandra (andere) sagt:

    Ich habe viele Berichte und einige Kommentare zu der VW-Krise in den letzten Tagen gelesen, jedoch vermisse ich den Hinweis, dass diese Krise von Piech selbst ausgelöst wurde, weil er den Machtkampft vor etwa einem halben Jahr gegen Winterkorn verloren hatte. Daher gehe ich von einer Rache von Piech aus, weil ein Mann mit dem Ego eines Piech kann sich nach meiner Einschätzung nicht mit der damals erlittenen Schmach arrangieren.

    In Bezug auf die Automobilindustrie sollte auch die seit vielen Jahren offen diskutierte Überkapazitäten nicht vergessen. Hinzu kommt, dass ohne den B2B-Geschäftszweig die Überkapazitäten und die Fahrzeuge auf Halde noch viel größer wären, weil sich die meisten Privatverbraucher deutsche Fabrikate (diese Hersteller produzieren seit mindestens 20 Jahren am Markt vorbei, ist den meisten nur nicht aufgefallen, weil die sich auf den Export fokussiert haben) gar nicht mehr leisten können und wollen [bei mir treffen beide Effekte zu => gar kein Auto mehr, weil ich keine Lust habe wie eine Blöde in einem Hamsterrad zu rennen, damit ich die fixen und variablen Kosten finanzieren kann]. Dies konnte jeder eindrücklich bei der Umweltprämie (Abwrackprämie) erkennen. Von dieser haben in der Regel nur ausländische Herrsteller mit Kleinfahrzeugen profitiert. Von der hierdurch hervorgerufenen Schwächung der Kfz-Reparatur- und Instandsetzungsindustrie möchte ich erst gar nicht anfangen.

    Dementsprechend ist das Problem viel grundlegender Natur als die Manipulation von irgendwelchen Abgaswerten (was wird heute nicht manipuliert?). Für mich ist das nur reine Volksverdummung um von den wahren Ursachen abzulenken. Dies hat auch mit dem Geldsystem zu tun und mit der Tatsache, dass unabhängig vom Bedarf in immer kürzen Zeitabständen bei rückgehender Liquidität der Wirtschaftssubjekte immer mehr Autos gekauft werden müssen, obwohl der Markt nur eine rückläufige Gesamtkapazität aufweist.

    In Bezug auf den Zins (gilt auch für den Zinses-Zins) im obigen Artikel möchte ich anmerken, dass dieser nur unter der Prämisse gezahlt werden kann, wenn Dritte eine unentgeltliche Leistung erbringen. Ähnlich verhält es sich doch auch beim Gewinn. Dieser entsteht nur dann, wenn man eine Dienstleistung oder ein Gut teurer verkaufen kann als es eingekauft wurde (vereinfacht dargestellt). Oder anderes formuliert: Die permanente Suche der Dummen nach noch Dümmeren. 😀

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