Völlig losgelöst

26. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

So zynisch es klingt, dem DAX war das Geschehen in Brüssel ziemlich egal, auch wenn es hieß, die Börse würde dem Terror trotzen. Wenn dem so wäre, müsste es ja bedeuten, dass jemand Geld in die Hand nimmt…

… und kauft aus Solidarität die Kurse nach oben. Kennen Sie jemanden, der so etwas macht? Unsinn!

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Die Börsen bewegen viel mächtigere Kräfte als Sprengsätze. Hier werden Zahlen, Bilanzen und Gewinne gehandelt, ganz egal, wie diese zustande gekommen sind. Die größte Kraft ist inzwischen die der Zentralbanken und wie schnell diese frisches Geld drucken. Dann verwechselt man den DAX mit einem Wohlstandsindex und die Welt ist plötzlich wieder in Ordnung.

Mancher verwechselt dieses Spektakel auch mit einem Streichelzoo im Kampf der Plus – und Minuszeichen. Es geht um Krieg und um das Geld der anderen.

Nach den Geschehnissen in Paris und Brüssel fragen sich vermeintlich verängstigte Investoren inzwischen schon, wie sie davon profitieren können. Ich beobachte mit Argwohn den Höhenflug der Rüstungsaktien. Überwachungs-Technik dürfte künftig auch viel höher im Kurs stehen und auch Unternehmen, die im künftigen Kampf gegen das Bargeld mit ihrer Technologie behilflich sein werden. Ich warte noch auf die Erkenntnis, dass das Bargeld als die Wurzel des Terrors herhalten muss. Aber man ist schon dabei… Schritt für Schritt.

Der richtig große Finanzkrieg kommt erst noch. Die EZB hat die Zinsen auf die Schlachtbank geführt. Jede Zentralbank klopft inzwischen ihre Währung weich wie die Schnitzel in der Küche. In dieser Woche hieß es, die EZB könne für noch mehr monetären Sprengstoff sorgen und die Börsen damit anzünden.

Der DAX steigt nun sechs Wochen in Folge. Nein, es ist ein Finanzkrieg, an dessen Ende es keine Gewinner geben wird, aber viele Verrücktheiten und Einladungen verschickt werden, da mitzumachen. Manche werden das alles mit einem Silvesterfeuerwerk verwechseln. Erst kommt hier das Fressen, dann die Moral, wenn dafür überhaupt noch Platz ist.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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