Völlig losgelöst von der Erde … doch „Major Musk“ macht einen Scherz

4. April 2018 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Eine alte Tradition will es, dass am 1. April selbst jene Zeitgenossen ihr näheres und weiteres Umfeld „in den April schicken“, die ansonsten eher als humorbefreit gelten. Kein Lokalradio und keine Tageszeitung in der nicht der obligatorische Aprilscherz im Redaktionsplan stünde…

Wir bitten uns nachzusehen, dass wir Sie dieses Jahr nicht mit derlei Schabernack traktiert haben. Andere sind da weniger rücksichtsvoll, etwa Tesla-Chef Elon Musk, der sich am 1. April ebenfalls im humoristischen Fach versuchte – mit mäßigem Erfolg. Doch der Reihe nach…

Vor weniger als zwei Monaten ließ der umtriebige Musk schon einen Tesla Roadster ins All schießen. Was manch einer schon damals für einen verfrühten Aprilscherz oder ein neues Entsorgungskonzept für die Produkte des Hauses hielt, war tatsächlich eine PR-Kampagne für die Schwerlastrakete Falcon Heavy des ebenfalls von Musk kontrollierten Weltraumunternehmens SpaceX. Man kann nur hoffen, dass es da draußen tatsächlich keine Aliens gibt, denn die hätten vermutlich ziemliche Schwierigkeiten, die Botschaft dieses „UFOs“ zu entschlüsseln. Auch als Aushängeschild für den Planeten Erde taugt das Objekt angesichts der immer wieder thematisierten Qualitätsprobleme bei Tesla nur bedingt. Bestenfalls würden die Erdbewohner wohl als etwas schrullig aber harmlos eingestuft werden.

Doch Musk wäre nicht Musk, wenn ihn das irritieren würde. Denn die Welt ist nicht genug für einen wie ihn, und so kommt es nicht von ungefähr, dass sich der Pionier und Visionär offenbar nur ungern mit höchst irdischen Dingen wie fallenden Aktienkursen, Finanzierungen, dem Zusammenhang zwischen beidem oder gar rechtlichen Fragestellungen auseinandersetzen mag.

Am 1. April versuchte er sich dann als echter „Bruder Lustig“ mit einem Aprilscherz der besonderen Art: Der Tesla-Chef bezeichnete das Unternehmen als „vollkommen bankrott“ und die Aktie reagierte mit einem zwischenzeitlichen Minus von 8%. Offenbar fanden die Marktteilnehmer den Tweet nicht ganz so lustig, hielten ihn aber doch für plausibel genug, um darauf zu reagieren. Denn Tesla war schon zuvor massiv gefallen und die Probleme des Unternehmens lassen sich beim besten Willen nicht mehr leugnen: Dazu ist die Aktie noch immer außerordentlich gut bezahlt, zumindest für ein Unternehmen, das trotz aller Ankündigungen stets rote Zahlen geschrieben hat.

Was die Aktionäre verschreckte, ist kaum, dass der Chef kein begnadeter Komödiant ist, sondern wohl eher, dass er sich in einer ohnehin prekären Situation als ein solcher versucht.

Der Gärtner ist immer der Russe

Wenn wir schon über schlechte Scherze reden, dann muss man mittlerweile auch größere Teile der Politik hier einsortieren. Der Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Skribal und dessen Tochter hat eine scharfe internationale Krise zwischen London bzw. mittlerweile „dem Westen“ auf der einen Seite und Moskau auf der anderen Seite ausgelöst. Beweise für die Täterschaft der Russen wurden ebenso wenig geliefert, wie ein Motiv. Dennoch wurden diplomatische Maßnahmen in Gang gesetzt, die von den Russen naturgemäß nicht unbeantwortet blieben. Dass auch die neue deutsche Regierung beim fröhlichen Diplomaten-Ausweisen mitmachte, versteht sich von selbst.

Im Gegensatz dazu fährt die Republik Österreich unter ihrem neuen Kanzler Sebastian Kurz eine erfrischend eigenständige und nachdenkliche Linie, musste sich aber prompt von EU-Fossil Elmar Brok rüffeln lasen. Geschenkt. Dass sich rechtstaatliche Verfahren in internationalen Beziehungen oft den Machtinteressen unterordnen, ist zwar nicht wirklich überraschend, aber ein wenig mehr hätte man schon gerne darüber gewusst, warum sich London so sicher ist, dass der Befehl zum Anschlag direkt aus dem Kreml kam.

Bisher wurde der Öffentlichkeit dazu exakt gar nichts geliefert, was der Glaubwürdigkeit der westlichen Linie nicht unbedingt gut tut. Im Gegenteil: Im heutigen Handelsblatt wird Gary Aitkenhead, Chef eines Laboratoriums der Forschungsanlage Porton Down zitiert, wonach die „präzise Quelle“ für die eingesetzte Substanz unklar sei.

Bislang haben die britischen Forscher keinen Beweis für die Herkunft des Giftes aus Russland vorlegen können. Selbst wenn dies gelänge, wäre damit aber denklogisch noch keine Befehlskette impliziert, die zwangsläufig im Kreml enden muss. Gerade weil der Fall – zumindest für die Öffentlichkeit! – noch immer vollkommen dubios ist, verwundert die Eile, mit der London Maßnahmen gegen Moskau vorantreibt, umso mehr. Wäre es nicht so traurig, wie hier das Miteinander im „gemeinsamen Haus“ Europa mutwillig sabotiert wird und wäre es nicht so ein brandgefährliches Spiel, das hier gespielt wird, dann könnte man es noch als einen ziemlich grimmigen Scherz ansehen. Lesen Sie hierzu bitte auch die Rubrik „Zu guter Letzt“ im neuen Smart Investor 4/2018, die diesmal der frühere parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und ehemalige Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, Willy Wimmer, verfasst hat.

Inquisition statt Information

Ebenfalls ein schlechter Scherz ist die hiesige Berichterstattung des Medien-Mainstreams über US-Präsident Trump. Man mag den Mann nicht, und deshalb ist jeder Dreck recht, den man auf ihn werfen kann. Es wird schon etwas hängen bleiben.

Mit einer Mischung aus Verwunderung und Enttäuschung staunte etwa bild.de, dass aus der mit großem Bemühen aufgebauschten Affäre um einen Porno-Star so gar kein politisches Kapital zu schlagen war: „Trotz Porno-Star und Personal-Chaos: Trump hat plötzlich ein Hoch“. Wenn man dem deutschen Medien-Mainstream folgt, der seine Aufgabe in Bezug auf die Person Trump weniger in der Information als in der Inquisition zu sehen scheint, wird man wohl nicht einmal ansatzweise erfassen können, worin die aktuelle US-Politik eigentlich besteht.

Dass Bild, das vermittelt wird, ist das eines aggressiven, narzisstischen und chaotischen Hinterwäldlers und falls so einer in der Wählergunst dennoch wieder ansteigt, dann sind die Amis halt auch Hinterwäldler. So einfach, so falsch. Denn während die einen ihre Buchstaben in die Seiten des politischen Feuilletons verklappen, macht der andere Weltpolitik. Natürlich, böse Russland-Kontakte waren dafür verantwortlich, dass der Rüpel statt des demokratischen Hochadels in Form von Lady Hillary ins Weiße Haus einziehen konnte.

Mit dieser Legende wurde nicht nur der Mann, sondern auch das Amt von Anfang an beschädigt, und die amerikanischen Wähler gleich noch dazu. Heute lesen wir auf handelsblatt.com jedenfalls das Folgende: „Trump hat sich laut Sonderermittler Mueller wohl nicht strafbar gemacht“ Dieser Satz floss erkennbar schwer aus der Feder. Der sonst so lautstarke Boulevard hüllt sich derweil lieber gleich in Schweigen – „lokale Bedeutung“, oder wie das heute heißt.

Aktuelles Hauptaufregerthema ist die US-Handelspolitik, in der sich Trump – wiederum nach der Interpretation hiesiger Medien – wie ein Elefant im Porzellanladen bewegt. Das war dem wohl angesehensten deutschsprachigen Ökonomen, dem ehemaligen Präsidenten des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, dann doch ein wenig zu viel: „Total verdreht und verfälscht“ lautete sein Diktum über die hiesige Berichterstattung, denn es sei die EU, die wesentlich protektionistischer agiere als die USA. Auch dazu mehr im neuen Smart Investor 4/2018 ab. S. 36.


Zu den Märkten

Es scheint, als sei die nicht enden wollende Party bei den Tech-Giganten nun doch erst einmal vorbei. Die Chartbilder von Facebook, Alphabet (Markenname: Google), Amazon (vgl. Abb.) und der eingangs erwähnten Tesla-Aktie sind mehr oder weniger stark angeschlagen. Einige dieser Unternehmen haben derzeit auch noch ganz eigene Probleme: Etwa der Datenskandal bei Facebook, oder die Tiraden Trumps gegen Amazon, dessen Chef Jeff Bezos auch die Washington Post gehört, die im Austeilen gegen Trump nicht gerade zimperlich ist, und schon deswegen hierzulande gerne zitiert wird. Während Amazon vielen als ein vollkommen rücksichtsloser Konzern gilt, ändert sich interessanterweise die Wahrnehmung, seit nun ausgerechnet Trump den Online-Händler angeht. Ist der alte Feind Amazon nun mein Freund, weil er zum Feind meines Feindes Trumps wurde?

All diese Unternehmen sind zudem keine Leichtgewichte, sondern gehören zu den führenden und wertvollsten der Welt. Leider auch zu den teuersten. Wenn aber die marktschweren und lange Zeit führenden Aktien abkippen, dann spricht einiges dafür, dass das betreffende Marktsegment, möglicherweise auch der Markt insgesamt ein Problem entwickelt. Das lässt sich anhand des Anlageverhaltens der beiden großen Anlageschulen – Value und Momentum – auch ganz gut nachvollziehen. Trotz der bereits erfolgten Kursrückgänge sind die betroffenen Aktien nämlich noch lange nicht wirklich preiswert. Es ist also nicht so, dass die echten Schnäppchenjäger schon an der Seitenlinie darauf warten würden, nun schnellstmöglich ein paar Stücke auf dem aktuellen Preisniveau einzusacken.

Nun gut, der hohe Preis hat bislang auch niemanden gestört. Jedenfalls nicht die Anleger, die primär durch das Aufwärtsmomentum der Titel zum Einstieg motiviert wurden. In den kurzen und mittleren Zeitebenen ist dieses aber bereits verschwunden. Von daher haben auch die Momentumspieler derzeit keine Eile mit Käufen. Die einzige echte, aber eher kurzfristige Nachfrage dürfte aus Eindeckungen von Short-Spekulationen kommen. In diese sogenannten „Short-Squeezes“ mag auch der einen oder andere Momentumspieler hineingezogen werden. Derartige Kurseruptionen sind aber letztlich typisch für einen Abwärtstrend und narren die Marktteilnehmer regelmäßig nur für kurze Zeit.

Fazit

Viele der aktuellen Entwicklungen kann man fast nur noch als einigermaßen grimmige Scherze begreifen. Während sich Tesla-Chef Elon Musk in die Albernheit flüchtet, will die britische Regierung mit ihrem harten Anti-Russland-Kurs ernstgenommen werden – US-Präsident Trump sowieso.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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