Vo-RWE-ggehen in Richtung E.OFF?

19. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Finanzmarktkrise ist offiziell vorbei. Die Schulden Griechenlands werden bald auch Geschichte sein. Die Banken haben zig Milliarden bekommen. Was kommt als Nächstes? Wahrscheinlich ein weiterer Betrug am Steuerzahler…

Ich tippe ja, dass die deutschen Energieversorger bald Hilfe brauchen. In Zeiten, in denen CO2 häufig als Giftgas deklariert wird, stehen Kohle – und Gaskraftwerke immer häufiger ungenutzt herum. Nicht anders geht es den Atommeilern. Etliche davon wurden abgeschaltet. Aber wer zahlt die Verschrottung? Und warum sollten das die Energieversorger selbst tun, wenn es ihnen schon nicht gut geht?

Angeblich gibt es von ihnen schon Rückstellungen in Höhe von 38 Milliarden Euro. Ob das ausreichen wird? Dieses Geld soll in einen Fonds eingezahlt werden, statt dass es in den Unternehmen bleibt. Sigmar Gabriel plant einen Stresstest für diese Rücklagen. Wenn das mal nicht zu richtigem Stress führt! Es könnte ja sein, dass das Geld eigentlich noch erwirtschaftet werden muss. So ähnlich hat man RWE-Chef Peter Terium verstanden, als ihn ein n-tv-Kollege fragte. Aber womit bitte, wenn 70 Prozent des Stroms aus RWE-Anlagen kommt? Zudem muss es nicht heißen, dass 38 Milliarden Euro für den Abriss der AKWs ausreichen. Der BUND gibt in einer in Auftrag gegebenen Studie mit Erfahrungen aus dem Ausland 48 Milliarden Euro an. Dafür bekommt man ja bald nicht mal mehr einen Flughafen in Berlin!

Es heißt, wer eine Party bestellt, soll diese auch zahlen. Bestellt hat die Bundesregierung. Es zahlt der Stromverbraucher direkt. Vielleicht zahlt er auch bald indirekt, wenn die Kosten der Verschrottung der Atommeiler explodieren sollten oder das Geld fehlt, was die Energieversorger nicht mehr verdienen können. Dazu kommen noch milliardenschweren Verbindlichkeiten. E.ON und RWE sind mit jeweils rund 30 Milliarden Euro verschuldet.

RWE wiegt an der Börse nur noch 11,2 Milliarden Euro und damit ein Drittel der Gesamtverschuldung. E.ON wird mit 25 Milliarden Euro bewertet und scheint im Gegensatz zu RWE etwas besser dazustehen.

EON_Chart

Woher soll das Geld nun kommen? Wir wissen es nicht, vermuten aber, beide Versorger sind systemrelevant genug wie damals die Banken. Nein, das ist heute völlig undenkbar, dass der Steuerzahler zahlt – so wie eine Pleite einer Bank damals auch undenkbar gewesen ist.

Neulich hat die FAZ darüber spekuliert, ob RWE die Verstaatlichung droht. Angesichts der Bilanz, der Schulden und der Altlasten wäre ja gar so abwegig. Dafür wird sicherlich ein passender Begriff gefunden, wenn Bürger als Bürgende ihre Grundversorgung wieder selbst übernehmen, denn Abende im Kerzenschein statt vor der Flimmerkiste bedeuten eine weitere schwere Krise.
Die einstigen Witwen – und Waisenpapiere haben die besten Zeiten an der Börse hinter sich und befinden sich im permanenten Krisenmodus. Die früheren Dividendenkühe leiden an Schwindsucht, als ob man Kühe zu stark ausgemelkt hat. Dabei sei erinnert, dass diese Aktien risikoscheuen Anlegern wegen ihrer Stabilität immer wärmstens ans Herz gelegt wurden.
Um den Einstand an der Börse bei den vermeintlich mündelsicheren Papieren von damals wieder zu erreichen bei gleichbleibenden Dividenden, die gar nicht sicher ist, dauert es bei RWE 35 Jahre und bei E.ON bis zum Jahr 2089.

Der Börsenwert von RWE liegt mit 11,2 Milliarden Euro etwas höher als die 10 Milliarden an angeblich vorhandenen Reserven für die Atomverschrottung.

Während E.ON voRWEGgeht und seine muffigen und strahlenden Reste des Unternehmens samt der 14,5 Milliarden Euro Rücklage in eine Bad-E.On ausgliedert, hinkt RWE hinterher. So eine Bad-Bank für Stromerzeuger (Bad-E.ON) lässt sich, einmal abgespaltet, recht einfach dem Steuerzahler übereignen mit dem Argument „Oder wollen Sie abends im Dunkeln sitzen?“

Die Aktionäre der Versorger wurden früher mit steten Kursgewinnen und hohen Dividenden überschüttet. Selbst als die Gewinne nicht mehr sprudelten. Schließlich Städte und Kommunen gehören zu den RWE- Aktionären und haben die Dividenden für alle künftige Zeit im Haushalt fest verplant und vermutlich auch längst schon ausgegeben.

Tja, die Versorger haben Löcher gebuddelt, Kohle in Strom umgewandelt und die Energie aus Kernbrennstäben für teures Geld verhökert. Es gab Zeiten, da konnten sie vor Gewinnen nicht mehr laufen. Dass das nicht so auffiel, hat man an Stromkunden Schreiben verschickt mit Tipps zum Energiesparen. Das war so, als gäbe ein Gefängniswärter Tipps zum Ausbrechen. Sollte das Konzept von Politik und Versorgern nicht aufgehen, blutet am Ende ohnehin der Steuerzahler. Für irgendetwas muss er ja gut sein.


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8 Kommentare auf "Vo-RWE-ggehen in Richtung E.OFF?"

  1. Reiner sagt:

    Die öffentlichen Anteilseigner der Versorger, insbesondere die Kommunen an Rhein und Ruhr, deren Stadtkämmerer ja bekanntlich keineswegs im Geld schwimmen, machen jetzt die für sie offensichtlich neue Erfahrung, daß man eine Kuh nicht gleichzeitig schlachten und melken kann. Das hat ja niemand vorhersehen können!

    Jahre- und jahrzehntelang haben sie im Komplizenschaft mit ihren Parteifreunden in Bundes- und Landesregierungen immer neue Schikanen ersonnen, die die Kosten der Kernkraftwerke immer weiter in die Höhe trieben. Zuletzt ist ihnen die Brennelementesteuer eingefallen. Und dann haben sie noch das Aus für die Kernkraftwerke verfügt. Sie haben die Versorger in großem Maßstab enteignet. Damit haben sie den Versorgern die Chance genommen, durch die Gewinne aus dem Betrieb der Kernkraftwerke die Entsorgungskosten zu verdienen.

    An und für sich ist es daher nur recht und billig, wenn der Staat, der die Versorger enteignet hat, jetzt auf den Entsorgungskosten sitzen bleibt. Hier gilt das Verursacherprinzip. Da der Staat aber immer dafür sorgt, daß er sich auf Kosten Dritter aus der Affäre ziehen kann, sind die Perspektiven für die Aktien der Versorger dennoch m.E. nicht sehr gut.

    • Skyjumper sagt:

      Unterstellt man einmal dass die großen Versorger ihren Verpflichtungen aus Schulden und/oder Rückbau der Strahlenschleudern mangels Masse nicht nachkommen kann (und die Chancen dafür sind nicht schlecht), dann ist das eigentlich tragische ja, dass es lediglich 4 Varianten gibt:

      1) Die Versorger gehen pleite, Strom aus der Steckdose fällt zukünftig aus, die Gläubiger gehen leer aus (Riesterverträge und LV-Verträge lassen grüßen) und die Ruinen strahlen so fröhlich vor sich hin. An diese Variante glaubt wohl keiner.

      2) Die Aktionäre werden enteignet, die 36,2 Mrd.€ Anteilswert reichen aus, Schulden werden bedient, Kraftwerke zurückgebaut und das Mysterium Strom fließt weiter aus der Wand. Kostenträger bei dieser Variante wären? Die Steuerzahler! Denn enteignet würden ja im großen Maßstab Länder und Kommunen.

      3) Der Bund springt ein und saniert die Versorger. Kostenträger in dieser Variante? Die Steuerzahler!

      4) Die Versorger erhöhen mit dem Segen der staatlichen Obrigkeit die Tarife für Strom. Stromlieferung und, nicht zu vergessen, für die Erlaubnis eigenen Strom zu produzieren, um bescheidene 100 bis 200 %. Kostenträger dieser Variante? Die Steuerzahler in Personalunion als Verbraucher.

      Genaugenommen gibt es also die Wahl zwischen Steuerzahler, Steuerzahler und Steuerzahler. Mahlzeit!

  2. Habnix sagt:

    Also bei mir nicht im Kerzenschein. Licht und Radio zumindest über Solarzelle und Batterie.

    Die beste Demo gegen Kernkraft ist,wenn man sich den Strom mit Solar oder/und Wind oder Bachlauf,wenn möglich selbst macht.Der beste Widerstand gegen eine Diktatur ist, wenn man sich so viel wie möglich das nötige zum Leben selbst macht.

    Ja was haben wir denn gedacht, einfach auf die Straße laufen und gegen Kernkraft(Atomkraftwerke) demonstrieren ?Die Veranstallter hätten schon damals auf die Idee kommen müssen dem Volk das auf Demos will, zu sagen das es möglichkeiten gibt den Strom selbst zu machen.

    Wer damals mit dem Fahrrad gefahren ist, hätte es im Dunkeln sehen können,den ohne Licht lässt es sich schlecht mit dem Fahrrad fahren. Das kleine Ding da am Vorderrad bei den meisten Fahrräder vorhanden, nennt sich Dynamo(Strom Generator) das zur Lichterzeugung gebraucht wird und das man mittels tritt in die Pedale am Fahrrad, selbst betreibt und so selbst den Strom für’s Fahrradlicht produziert.

    • Habnix sagt:

      Da wäre es vielleicht ganz gut gewesen, man hätte damals eine Demo im Dunkeln mit Fahrräder gemacht.Als kleiner Hinweis das man sich auch einschränken kann und das jeder Teilnehmer auch bereit ist den Strom selber zu machen.

    • Dave sagt:

      Bei 2 Wochen Dunkelflaute im Winter muss ihre Batterie aber ziemlich groß sein und/oder ihr Bedarf sehr klein (man bedenke, auch die im Winter relativ wichtige Heizung funktioniert nicht ohne Strom). Oder greifen Sie dann an den wenigen Tagen doch wieder auf das von allen über die verbrauchten kWh bezahlte Netz mitsammt der daran hängengenden (bösen) Großkraftwerke zurück? Einfach mal drüber nachdenken, ob man wirklich autark ist oder nur andere für seine gefühlte Autarkie bezahlen lässt.

  3. Sundance sagt:

    Erst steigen die Mieten, damit erhöht sich der Immo-wert, damit Kreditnehmer die Banken weiter füttern können! Dann kommen die Zwangshypotheken von 25%. Im Zuge des Verkaufsdruck, dem manche Häuslebauer unterworfen sein werden, verfallen die Immo-Werte, die Hypothek bleibt. Am Schluss gehört alles den Banken, die euch mit ihrem Fiat-Geld, genau in diese Falle gelockt haben, um euch rückwirkend das zu nehmen, was ihr glaubtet Eures zu sein !

    Schönes Spiel. Wenn ihr mit den Regeln einverstanden wart und seit, dann hat es Niemand anders verdient.
    Oder ihr, die heute noch was besitzen, greift jetzt ein, schätze dazu wird es nicht kommen, weil die Einheit des Fischschwarmes im Netz verloren geht und jeder nur an sich selber denkt.
    Nur die Kleinen schlüpfen durch die Maschen.

  4. Ulrich sagt:

    Sagen wir es doch wie es ist: „Rückstellungen“(Passivseite der Bilanz) bedeutet ja nicht, dass es liquide Mittel in gleicher Höhe gibt. Was passiert nun, wenn die auf der Vermögenswerte auf der Passivseite an Wert verlieren, dann sind die 38 Milliarden ganz schnell eine Luftnummer. Ohne die Bilanzen angeschaut zu habe, ich bin sicher, dass sich diese Zahl heute schon ganz gewaltig eingedampft hat..*gggg** Tja, was nun????

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