Viel Freizeit für Europas Jugend

12. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands wirft seine Schatten voraus. Die Anleihen einiger britischer Banken reagierten mit nervösem Flattern und auch das britische Pfund erlitt einen leichten Schwächeanfall. In den aktuellen Umfragen sprechen sich vor allem jüngere Menschen für mehr Eigenständigkeit aus…

Die Verteilung der Zustimmung für eine politische Trennung Schottlands vom Rest der Insel legt die Vermutung nahe, auch im Falle eines Scheiterns mit anhaltender Unruhe rechnen zu müssen. Die älteren Bürger sprechen sich mehrheitlich für den Erhalt des status quo aus, viele jüngere Menschen sehen das anders.

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Der Unterschied ist beachtlich, was angesichts der nicht eben rosigen Situation auf den Arbeitsmärkten Europas nicht verwundern kann. Die griffige Formel „wer nichts hat, hat nichts zu verlieren“ ist zwar simpel, beinhaltet jedoch einen wahren Kern. Schwülstige Versprechungen einer „Friedensmacht Europa“, die von vielen halb-anonymen Politikern im Brüsseler Vakuum verwaltet wird, vermitteln immer mehr den Eindruck einer von der Realität vollends abgekoppelten Selbstverwaltung, die sich der eigenen Unglaubwürdigkeit nicht mehr bewusst ist.

Eine „Republik Europa“, entworfen auf dem Reißbrett von Bürokraten, mit der die Menschen keinerlei Gründungsmoment verbinden, kann und wird nicht funktionieren. Daran wird eine Politik, deren Merkmale sich von einer hilflosen Transferpolitik bis zu einem bizarren Postenschacher (oh, toll, für jedes Land ein paar Pöstchen!) erstrecken, nichts ändern.

Für die jüngeren Menschen in Europa resultiert die Entwicklung der letzten Jahre zum einen in weniger Geld, zum anderen in mehr Freizeit. Diese Zeit, man kann es der oben abgebildeten Grafik und den Wahlergebnissen in vielen Ländern entnehmen, nutzen viele Menschen zum Nachdenken. Während die Arbeitslosigkeit der Jungen schon lange über der älterer Menschen liegt, hat der Abstand in den letzten Jahren zugenommen.

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Die Finanzagenda, die ihr Heil sei es aus Verwirrung oder Verzweiflung ausgerechnet in der Inflation und mehr Schulden sucht wird konjunkturell nichts bringen. Auch wenn Mario Draghi Weihnachten persönlich in Frankfurt den DAX und in Paris den CAC komplett aufkaufen sollte, ändert dies nichts an vorhandenen strukturellen Problemen.

Man hört nur die Worte, die unter anderem aus Frankreich von alten, zurückgetretenen und neuen Regierungsvertretern zu hören sind. Die Zinsen müssten weiter runter, um die Konjunktur anzukurbeln.

Ja, sicher, die Zinsen sind wirklich viel zu hoch. Am kurzen Ende und sogar im Interbankenmarkt sind die Raten nur leicht negativ, die 4 Jahrespapiere des Bundes wabern um die Null Prozent herum und selbst die Bonds halbtoter Junk-Firmen gehen zu rekordniedrigen Renditen über die Theke, aber das ist alles noch viel zu hoch. Wie tief darf denn der Zins sein, Monsieur, um ein paar Fabriken zu bauen, in der dann Dinge hergestellt werden, die niemand kaufen will?

Vielleicht wäre dem einen oder anderen Absolventen einer École polytechnique ein sechswöchiges Praktikum in einem Unternehmen außerhalb der französischen Großkonzerne zu empfehlen um den Realitätssinn zu schärfen. Unabhängig vom Ausgang des schottischen Referndums wirkt alleine die Debatte um mehr Souveränität bereits erfrischend… (Seite 2)

 

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9 Kommentare auf "Viel Freizeit für Europas Jugend"

  1. bluestar sagt:

    Diese sozialistische Kasperpuppe aus Frankreich ist doch mittlerweile so beliebt wie Durchfall.
    Dagegen war der geputschte Janukowitsch ein angebeteter Halbgott. Das Geld anderer Leute verheizen und große Töne von sich geben sowie sich niemals festlegen ist das Wesen dieser Sozis, die nicht einmal diesen Namen verdienen. Das so etwas überhaupt noch in Deutschland gewählt wird spricht auch nicht gerade für menschliche Intelligenz.
    Danke liebes Bankhaus für die Infos zu Schottland. Wenigstens die jungen Leute haben noch Veränderungen im Focus, das lässt hoffen. Ich glaube auch bei uns wählen vor allem Rentner die CDU. Bei einer zunehmend vergreisenden Gesellschaft müssen sich also Mutti & Co auch zukünftig keine Gedanken machen, die jungen Leute schon. Schließlich wird aktuell gerade von den GROKO-Verrätern die Zukunft Deutschlands verscherbelt. Macht aber nichts, das deutsche, satte und verblödete Wahlvolk wird auch weiterhin brav ein Kreuzchen bei den Blockparteien machen. Dumm wie 1933 und nichts dazugelernt.

  2. Skyjumper sagt:

    Natürlich (erschreckend, dass man das so formulieren muss) weiß ich nicht wie zuverlässig eine gestern gehörte Reportage wirklich ist.

    Aber Thema war unter anderem auch die altersbezogene Aufteilung der „Yes“ und „No“ Fraktonen in Schottland. Ergebnis: Je jünger die Befragten waren, um so höher die Zustimmung zur Abspaltung. Also ganz wie in der Grafik von Bankhaus Rott. Interessant war jedoch die Begründung: Je jünger die Befragten waren, um so höher war auch die Ablehnung der eu-kritischen Politik Grossbritanniens. Man wolle sich also von Grossbritannien abspalten damit man von England endlich nicht mehr darin behindert werde vollens in der EU aufzugehen.

    Allen Befürwortern der diversen Separationsbewegungen in Europa, die sich gleichzeitig als EU-Skeptiker sehen, sei zudem mal folgender Gedanke zur eigenen Reflexion an´s Herz gelegt:

    In welcher Konstellation hat Brüssel wohl mehr Macht und Einfluß?
    a) Brüssel versus Großbritannien, oder
    b1) Brüssel versus England,
    b2) Brüssel versus Schottland,
    b3) Brüssel versus Irland …… etc. pp.

    Ich habe zwar eigentlich gar nichts dagegen wenn sich Regionen abspalten, von mir aus darf sich auf DE verkleinern, aber die EU würde durch diese Aufsplitterung tendenziell immer „stärker“.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo skyjumper,

      immerhin könnten man so an eine zusätzliche Stimme im EZB Rat gelangen 😉

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Skyjumper sagt:

        Ein fröhliches Hallo zurück.

        Nur was nützt diese zusätzliche Stimme? In absoluten Zahlen verdoppelt sich dann zwar die Zahl der an einer Abstimmung beteiligten Gehirnzellen, jedoch steht zu befürchten dass die beteiligte Intelligenz mit 0 + 0 = 0 davon völlig unberührt bleibt.

        ein schönes Wochenende wünscht
        Skyjumper

  3. MFK sagt:

    Abspaltungstendenzen haben nichts mit Anti EU Kurs zu tun. Im Gegenteil. Es wollen sich in erster Linie die wirtschaftlich starken Regionen abspalten und diese haben durchaus ein Interesse in der EU zu bleiben. So auch in Schottland.

    • Avantgarde sagt:

      So ist es.

      Und es gibt nicht unerheblich viele Waliser, die die Englaender auch nicht sehr prikelnd finden.

      Die Wahl in Scotland als Fanal gegen die EU zu sehen waere ein ganz und gar grundlegender Fehler.

      • Lickneeson sagt:

        „Die Wahl in Scotland als Fanal gegen die EU zu sehen waere ein ganz und gar grundlegender Fehler.“

        Ein beliebtes Spiel in der EU und auch bei uns, jedwede Kritik oder Alternative zur EU(Euro) als Kataastrophe(Finanzcrash/Arbeitslosigkeit etc.) hinzustellen. Wer die Geschichte Schottlands kennt kann sicher den Wunsch verstehen eigenständig zu sein, bzw. nicht unter der Fuchtel der Briten zu bleiben. Das United Kingdom ist spätestens mit der Unabhängikeit Indiens dem Zerfall preisgegeben. Der Rohstoffreichtum der Schotten kommt den Briten als beinahe reiner Finanz-u. Dienstleistungsgesellschaft natürlich sehr gelegen. Bei einer Abspaltung Schottlands droht hier ziemliches Ungemach.

        Das junge Menschen immer Veränderungen offener und positiver gegenüberstehen liegt zum einen in der Natur des Menschen, bzw. an mangelnder Weitsicht.Ältere Menschen nehmen lieber den Spatz in der Hand, wie abgemagert und flugunfähig er auch sein mag. Wer weiss, was die Taube auf dem Dach so kann? Was ein derartiger Schritt langfristig für Schottland bedeutet kann heute wohl kaum jemand vorhersagen.

        Grundsätzlich sind sämtliche Abspaltungstendenzen in Europa( Basken, Katalanen, Norditalien, Südtirol, Ostukraine etc.) eher ein deutlicher Schritt zurück. Wenn es Nationalstaaten nicht gelingt innerhalb ihrer Grenzen zwischen Volksgruppen und wirtschaftlich sehr unterschiedlichen Regionen zu vermitteln, bzw. Einigkeit und Ausgleich zu schaffen – wie soll es dann einer EU gelingen, die aus einen Flickenteppich von Nationalstaaten bestünde(besteht).

        Negativ zu sehen sind die Abspaltungen auch, da sie vor allem im Zuge der Finanzkredit/EZB/ Fiatmoneykrise deutlich an Schwung und Lautstärke zugenommen haben. Hieraus entsteht eine Abschottung, eine Renationalisierung bzw. „Wut und Ohnmacht“ gegen die reicheren Staaten, bzw. gegen die Willkür und dem Diktat der EZB. Da eine Lösung mit den bekannten Mitteln aus Expertensicht nicht funktionieren wird, dürfte sich an den o.g. Tendenzen nichts ändern, bzw. sie werden sich noch verschärfen.

        Wenn die EU/EZB so weitermacht wie bisher, wird sie sich selbst abschaffen. Wer nur mantramässig und mittels bunten Flyern den Bürgern Europa und den Euro schmackhaft machen will anstatt Gesetze, Steuern und Löhne in der EU anzugleichen um wirklich EIN Europa unter Gleichen zu schaffen wird scheitern. Und mit Angleichen meine ich nicht Eurobonds.

        Zum Schluss noch ein schottisches Sprichwort:

        „Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.“

        MfG

  4. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo zusammen,

    naturgemäß haben Nettoempfänger weniger für einen Wandel übrig als Nettozahler. Das gilt für heimische Transfersysteme wie für Finanzströme zwischen Staaten.

    Wir fragen uns generell, was an Nationalstaaten so schlimm sein soll. Wenn man an einige der nicht gewachsenen sondern zusammengezwungenen Vielvölkerstaaten zurückdenkt, so fällt uns weder zu deren Gründung, noch zu ihrer Existenz, noch zum anschließenden Zerfall etwas besonders Erquickendes ein. Die Schuld dann auf finstere Externe Einflüsse zu schieben (Imperialisten, „den Markt“, Saboteure …) ist leider eine, wenn nicht die einzige Kompetenz der Schönredner derartiger Modelle.

    Warum man den bürokratischen Überbau in Brüssel und die damit verbundenen ökonomischen Reibungs- und generellen Demokratieverluste für einen freien Handel oder den Erhalt des Friedens benötigen sollte bleibt nebulös …

    Zu den Unternehmens-und sonstigen Steuern und der aktuellen Debatte um Irland darf man die Frage, warum die Steuern da so unfassbar niedrig sind wohl kontern: Warum sind die Steuern hierzulande und in anderen Teilen der EU so unfassbar hoch? Dummerweise werden viele unter Angleichung auch in Zukunft die Erhöhung von Steuern verstehen.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  5. bluestar sagt:

    Die EU ist ein künstlich erzwungenes Konglomerat zu Gunsten der Multis, Finanzoligarchie, Bürokraten und Politiker auf Kosten der Freiheit, Demokratie, Selbstbestimmung und der des Geldes der Nettozahler. Das die EU kein souveränes Gebilde ist wie viele hofften, ist spätestens seit der aktuellen Unterwerfung zugunsten von US-Interessen klar.
    Manche Leute wollen alles bürokratisch angleichen, dabei liegt gerade in der Vielfalt und den Unterschieden der Reiz des Lebens, die Freiheit und der Antrieb für den Fortschritt.
    Was mit Zwang erzeugt wurde kann auch nur mit Zwang aufrecht erhalten werden, so auch die EU und der Euro. Dabei werden die verschwendeten Kräfte zur Aufrechterhaltung des unnatürlichen Zustandes immer größer.
    Kein Bauer würde auf die absurde Idee kommen ein Pferd und eine Kuh in ein Gespann einzuzwängen und ein beschleunigtes Tempo mit Harmonie unter den beiden zu erwarten. Auf diese Idee können nur vom normalen Leben abgeschnittene Bürokraten und bezahlte Lobbyisten kommen und unterschiedliche Volkswirtschaften vergewaltigen.
    Am Ende werden Pferd und Kuh überfordert und erschöpft auf der Straße liegen….

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