Verzweifelte Weise: Wenn ökonomischer Sachverstand auf unfruchtbaren Boden fällt

14. November 2013 | Kategorie: Gäste

vom Smart Investor

Es sind zwar nur Bruchstücke, die aus dem Verhandlungspoker zwischen den künftigen Koalitionspartnern CDU/CSU auf der einen und SPD auf der anderen Seite an die Öffentlichkeit dringen, aber sie sind besorgniserregend…

…zumindest für die sogenannten „Wirtschaftsweisen“ bzw. offiziell den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Heute präsentierten die Professoren ihr Jahresgutachten „Gegen eine rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik“. Das Werk wird wohl eher nicht dazu beitragen, das seit der Eurokrise tief zerrüttete Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik zu kitten. Im Gegenteil: Geradezu mit Engelszungen versuchen die Professoren auch diesmal wieder bei den mehr oder weniger verantwortlich agierenden Politikern wenigstens ein Grundverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge zu fördern. Aber wo man sich routiniert hinter den wehenden Mänteln der Geschichte versteckt oder einfach nur Klientelpolitik betreibt, ist ein solches Unterfangen natürlich vergebliche Liebesmüh‘.

Zudem dürften sich selbst einfache ökonomische Fragestellungen in einer Sphäre abspielen, zu der das Gros der aktuellen und künftigen Machthaber schon intellektuell gar keinen Zugang hat. Man lese nur ein paar Lebensläufe derjenigen, die schon bald darüber entscheiden, in welche Richtung die Milliardenströme künftiger Bundeshaushalte gelenkt werden.

Das Urteil der Wirtschaftsweisen über den Stand der Koalitionsverhandlungen – da sind sich sogar Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche einig – es fällt vernichtend aus. „Rückwärtsgewandt“ sei etwa der flächendeckende Mindestlohn, wobei „rückwärts“ immerhin noch eine eindeutige Richtung wäre. Nicht einmal das mag man den Beteiligten so recht zutrauen.

Ob Mütterrente, Mietpreisbremse oder Ökostromförderung, der ganze planwirtschaftliche Instrumentenkasten der Möchtegern-Regierer findet vor den Augen der Professoren keine Gnade – zu Recht. Natürlich wird niemand auf die Wissenschaftler hören und so wird die Berliner Laienspielerschar munter weiter den Wohlstand vernichten, den andere erarbeitet haben – wir nennen das Kontinuität.

Dabei spielt es noch nicht einmal eine Rolle, ob letztlich Lobbyisten, Ideologen oder ganz gewöhnliche Dummköpfe die Feder beim Koalitionsvertrag führen. Von Lobbyisten diktierte Gesetzte haben zumindest den Vorteil, dass wenigstens einige wenige davon profitieren. Schwacher Trost.

Hässlicher deutscher Exporteur

Auch der EU-Kommission konnte man bislang nicht vorwerfen, ein Hort des wirtschaftlichen Sachverstands zu sein. Bislang.

Nun glaubte „Währungskommissar“ Olli Rehn – die Bezeichnung Kommissar führt er vermutlich, weil er so eine besonders gute Spürnase hat – das Grundübel der volkswirtschaftlichen Verspannungen innerhalb der Eurozone identifiziert zu haben – es ist der hässliche deutsche Exporteur. Oberkommissar Barroso pflichtete bei.

Dieses Mal haben die Deutschen den Kontinent auf besonders perfide Weise ins Unglück gestürzt – mit ihrer Exportwalze machten sie ganze Länder platt. Was wurde beispielsweise aus der griechischen Autoindustrie?! Alles klar, Herr Kommissar. Während deutsche Panzer bei der letzten großen Offensive noch vor Moskau stecken blieben, schaffen es BMWs, Audis und Daimlers mühelos bis nach Shanghai – so verdreht, so unterschwellig und vor allem so nützlich werden da Zusammenhänge konstruiert, wo keine sind.

Wenn die Deutschen nämlich so uneinsichtig und unbelehrbar fleißig sind, dann dürfen sie nicht auch noch die Früchte ihrer Halsstarrigkeit ernten. Milliardenschwere Strafen drohen und die fließen natürlich erst einmal an das Brüsseler Kommissariat.

Als nächstes könnten die Kommissare Barroso/Rehn einmal der Frage nachspüren, in welchem Land und in welchem Wirtschaftszweig eigentlich ein großer Teil der Gelder erwirtschaftet wird, mit denen sie so üppig ausgestattet werden. Nach den neuen EU-Verträgen wären solche Milliardenstrafen „wegen zu großer Exporterfolge“ sogar „rechtens“. Es wäre weder der erste noch der letzte Vertrag, den unsere Politiker abgenickt hätten, ohne ihn gelesen geschweige denn verstanden zu haben… (Seite 2)

 

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4 Kommentare auf "Verzweifelte Weise: Wenn ökonomischer Sachverstand auf unfruchtbaren Boden fällt"

  1. wolfswurt sagt:

    Sachverstand ist allerdings auch bei Professoren Mangelware.
    Die Forderung an die Banken den Unternehmen nun endlich mehr Kapital zur Verfügung zu stellen, verwechselt doch Kapital mit Kredit.

    Na ja, ist eben schwer bei den ganzen Theorien noch den Durchblick zu behalten.

    Weiß jemand was mit Gaertnersblog los ist?
    Seit Tagen error.

    • bluestar sagt:

      Mietpreisbremse – solch ein planwirtschaftlicher Schwachsinn kann wirklich nur Leuten von der SPD einfallen. Völlig überflüssig aber populistisch.
      Die Wirkungen werden sein:
      1. Schnellere Anhebung der Mieten im vermieteten Zustand
      2. Geringere Investitionen bei Leerstand vor Neuvermietung und
      Verschlechterung des Wohnungsbestandes in Ballungszentren
      3. Bei Wiedereinführung der degressiven Afa für Neubau Fehlallokationen
      und Verschleuderung von Steuergeldern
      Dieser ganze Regulierungswahn ist nicht mehr zu ertragen. Die Zahl der Beamten, Regulierer, Überwacher, Kontrolleure, Belehrer und Bestrafer wird unweigerlich zunehmen. Offensichtlich ist die Masse schon so infantil, verblödet und korrumpiert,
      dass solche Maßnahmen sogar noch begrüßt werden.

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