Verzapft!

11. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Über die wahre Inflation erfährt man mehr auf dem Oktoberfest als aus der offiziellen Statistik. So steigen in München dieses Jahr die Bierpreise um drei Prozent – Traumwerte für die EZB.

Eine Maß kostet zwischen 10,40 und 10,70 Euro oder 20 Mark! Die Frankfurter wundern sich nicht, kostet hier doch ein halber Liter fast überall mehr als fünf Euro. Nur trinkt man in München den Gerstensaft diesmal umzäunt – in einer Art Reservat. Hat schon was!

Man muss sich die Wiesn schon leisten können, auch wenn man heute für eine Maß nur eine halbe Stunde arbeiten muss. Früher waren es anderthalb Stunden! Bier ist also billiger geworden. Billiglöhner brauchen etwas länger, Investmentbanker nur Millisekunden. Das erklärt auch die Besucherstruktur dieses öffentlichen Besäufnisses.

Ein Liter Limo kostet 9,04 Euro. Wem das zu teuer ist, greift zum Wasser für 8,27 Euro pro Liter. So gesehen, ist der Inhalt des Starnberger See in diesen Tagen Billionen wert. Vergleicht man Bier mit Rohöl, kostet ein Barrel 1.710 Euro, ist also 41mal teurer. Bei Öl kommt nur kaum Stimmung auf.

Ja mei, in Gold gerechnet, gab es 1971 für eine Unze 52 Maß. Als Gold 1980 auf Rekord stand, könnte man für eine Unze 300 kaufen. Heute gibt es für eine Unze 110 Maß Bier. Dass man wie damals 300 Liter Bier kaufen kann, müsste Gold auf 3.600 Euro steigen oder der Bierpreis auf 3,20 Euro fallen. Was ist wohl wahrscheinlicher?

Die Bierpreise sind übrigens so schnell gestiegen wie die Diäten im Bundestag. Während sich der Durchschnittslohn seit 1980 auf 32.643 Euro nahezu verdoppelt hat, bekommen die Abgeordneten fast das Dreifache – bei einer Verzehnfachung der Aufwandspauschale. Es ist zwar das gleiche Bier wie damals was man vom Inhalt der Politik nicht behaupten sollte.

Auch wenn zumindest in München das Maß nicht ganz voll ist, zahlt man den Schaum mit. Den Schaum aus der Politik gibt es dagegen meist kostenlos, er kostet in der Konsequenz allerdings ein Vielfaches. Vergelt`s Gott!
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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2 Kommentare auf "Verzapft!"

  1. Avantgarde sagt:

    Ich hätte noch eine Variante für den Bierpreis anzubieten:
    Der Preis könnte auch auf 3 DM und 20 Pfennige steigen – steigen deshalb weil wir dann nicht wissen welche Anzahl von Pesetas der Michel dann in Malle auf den Tisch legen muß.
    Na denn: Prost!

  2. Argonautiker sagt:

    32.5K, das ist natürlich schon knapp bemessen. Aber was soll man machen, wenn man auf Diät gesetzt wurde. Wir sollen sammeln gehen. Oder spenden. Vielleicht sollte jeder Bürger denen eine Maß spenden, mit der Option sie auch trinken zu müssen, vielleicht wird dann alles wieder gut.

    80Mio Maß Bier verteilt auf 600 durch Diäten nahezu verhungerte Politiker. Manch einer säuft sich irgendwas schön, wir könnten die Regierung so lang saufen lassen, bis unser Leben wieder schön wird. Was denn? Man muß auch mal unkonventionelle Wege gehen.

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