Verwirrung allerorten

10. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Es gibt Tage, da traut man sich kaum, den Computer anzuwerfen. Als Erstes prüft man morgens die Funktion der Heizung, als nächstes, ob eine Wanderdüne vor dem Haus vorbeizieht. Nach dem ersten Kaffee ist es dann Zeit, sich die neuen Meldungen anzuschauen. Manchmal lacht man so lange, bis der Schmerz nachlässt…

Diese Finanzkrise hat auch etwas Gutes. Man lacht öfters, wenn man die Meldungen liest. Die US-Pornoindustrie ruft nach dem Staat, weil alle es tun. Man hat zwar noch keine gravierenden Schwierigkeiten, aber in Bezug auf die Rettung der Nation spielt dieser Industriezweig eine nicht unerhebliche Rolle. Die US-Nation hängt durch. Der Konsum schleift, die Bilanzen werden es gerade. Doch die Kraft der Lenden könnten Abhilfe bringen, so könnte man Harry Flint, der Herausgeber des Hustlers verstehen

Die Bushs scheinen irgendwie das Amt des Präsidenten gepachtet zu haben. Wie schaffen sie das nur? Kaum geht der zweite Präsident, droht Papa Bush (84) dem Volk mit einer Nummer Drei. Schließlich gilt es doch, die Welt weiter besser zu machen. Ein paar Söhne hat er ja noch – zum Beispiel Jeb Bush. Bei Fox News sagte Papa Bush:

„Ich würde mich freuen, wenn er kandidieren würde. Ich möchte, dass er eines Tages Präsident ist.“, räumte aber ein, dass die Bevölkerung vermutlich der Ansicht sei, es habe schon genug Bushs im Weißen Haus gegeben. Vermutlich hat es das.

Und da wäre notfalls noch einer, der sich von den anderen darin unterscheidet, dass er heinreißend gut aussehen soll – George Prescott Bush. Jedenfalls fanden das die Medien und nannten ihn „Georgeous George“, den „hinreißenden George.“ Man hätte zumindest ein Unterscheidungsmerkmal. Wie tröstlich!

In der Bild-Zeitung stehen seltsame Schlagzeilen:

„1. Ekelprüfung im Dschungelcamp.“ „Giulia Siegel knutscht Lorenzo.“

„Frauchen stillt Hund“

„Deutschlandfahne mit Banane erlaubt“

Das hat doch mal was! Gell? Unterdessen dreht uns der Russe den Gashahn zu. Die Regierungen in Rumänien und der Slowakei riefen den Notstand aus. In 10 Wochen sollen auch die deutschen Speicher leer sein. Mit Schröder wäre das nicht passiert! Ende März geht uns im schlechtesten Fall der Allerwerteste auf Grundeis, ergibt die Rechnung. Also Leute, kauft Autos! Pumpt das Ozonloch auf! Helft der Autoindustrie! Notfalls kann man ja im Hybrid-Auto mit Standheizung campieren, sollte der Sommer bis dahin nicht zustande gekommen sein.

An den Börsen sehen wir einen Boom der Gewinnwarnungen.

Angela Merkel diskutiert in Paris mit Tony Blair und anderen Experten über die Zukunft des Kapitalismus. Die SPD will die Kosten des zweiten deutschen Konjunkturpaketes zum Teil durch Steuererhöhungen finanzieren. Und der deutsche Bankenverband wünscht sich eine staatliche Einrichtung, die den Geldhäusern toxische Wertpapiere abnimmt.

Was für ein Tag! Und es ist erst kurz vor zwölf!

Nachtrag um 17.40 Uhr

Die Commerzbank muss zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen staatliche Kapitalhilfen in Milliardenhöhe in Anspruch nehmen. Der Bund schießt der zweitgrößten deutschen Bank weitere zehn Milliarden Euro zu und beteiligt sich dadurch mit rund 25 Prozent an dem Institut. Wie die Commerzbank am Donnerstag mitteilte, steigt so die Kernkapitalquote der Commerzbank nach der anstehenden Übernahme der Dresdner Bank auf etwa zehn Prozent. Darüber hinaus stärke die Allianz die Kapitalausstattung ihrer Noch-Tochter Dresdner Bank mit 1,45 Milliarden Euro durch eine stille Einlage und die Übernahme von Risikopapieren.

Die Commerzbank hatte Ende vergangenen Jahres bereits eine Kapitalhilfe des staatlichen Rettungsfonds von 8,2 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Weitere Belastungen bei dem Institut und bei der Dresdner Bank machten Finanzkreisen zufolge nun die neue Unterstützung nötig. Nach Angaben der Allianz wird der Verkauf der Dresdner Bank in den nächsten Tagen vollzogen.

Das Bundesfinanzministerium (BMF) bewertet die geplante staatliche Beteiligung an der Commerzbank als Hilfe für eine künftig erfolgreiche Arbeit der zweitgrößten Bank Deutschlands.

Die Bereitschaft der SoFFin, die Commerzbank mit zusätzlichem Eigenkapital zu stärken, und die vorgesehene Beteiligung des Bundes mit 25% plus eine Aktie sind ein starkes Signal für eine starke Commerzbank

erklärte Torsten Albig, Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, am Donnerstag in Berlin kurz nach Veröffentlichung der entsprechenden Details in einer Adhoc-Mitteilung der Commerzbank.

Damit ist das Feld bereitet für eine erfolgreiche Zukunft der künftigen neuen und größeren Commerzbank, die nun die Übernahme der Dresdner Bank bald zum Abschluss bringen wird

erklärte Albig weiter.

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