Verwählt?!

29. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Wenig spektakuläres Wahlergebnis mit überraschenden Folgen… Realitätsverweigerung bis zum Schluss. Man musste schon ein geübter Realitätsverweigerer oder eben Politiker sein, um vom Ergebnis der Europawahl überrascht zu sein…

Seit Jahren gärt es in den Ländern Europas und eine wachsende Anzahl von Bürgern hat die Zumutungen aus Brüssel schlicht und einfach satt. Da spielt es fast keine Rolle, ob ganz weit links, ganz weit rechts, oder gleich eine Spaßpartei gewählt wurde.

Das herausragende Wahlthema war also Protest. Ein berechtigter und längst überfälliger Protest des Souveräns gegen sein politisches Personal, das den Wählerwillen seit Jahren routiniert mit Füßen tritt.

Die zweite Tendenz bestand darin, dass dieser Protest europaweit vor allem „rechte“ Parteien stark begünstigte. Unter den großen EU-Ländern war diese Tendenz übrigens in Deutschland am wenigsten(!) ausgeprägt. Auch wäre manche Position der AfD noch vor Jahren weder in CDU, CSU oder FDP und noch nicht einmal in der SPD beanstandet worden.

Möglicherweise erscheint die AfD den Etablierten heute nur deshalb als „rechtspopulistisch“ weil sich erstens die eigenen Koordinaten weit nach links verschoben haben und man zweitens vollkommen verlernt hat, auf Volkes Stimme zu hören. Das Verhältnis zwischen dem Wähler als Souverän und der Politik als Ausführenden des Wählerwillens hat sich in der Praxis längst auf den Kopf gestellt. Da fühlt sich mancher Parteibonze als Souverän und handelt, als seien die Bürger seine Erfüllungsgehilfen. So war das nie gedacht.

Hollande abgewatscht

Besonders weit rechts wurde in Frankreich gewählt – ausgerechnet in jenem Land, in dem sich die Sozialisten unter François Hollande seit zwei Jahren redlich abmühen, das irdische Paradies ultimativer Gleichheit und maximaler Besteuerung zu erschaffen.

Spannend sind die Reaktionen – vor allem auch aus Deutschland: Unsere Parteipolitiker sind es so gewohnt die Wähler zu maßregeln, zu bevormunden und umzuerziehen, dass man diese Aufgabe praktischerweise auch gleich für die Franzosen übernimmt … und für die Engländer, die Finnen, die Österreicher, etc.. Ein Siegeszug deutscher Betroffenheit, vor dem man auch im hintersten Winkel des Kontinents nicht sicher ist.

Weiter so!

Was wird also das Ergebnis dieser Wahl sein? Natürlich wird sich die Politik vom Wähler nicht beirren lassen. In den Raumschiffen Brüssel und Berlin weiß man grundsätzlich einfach besser was für die Menschen wichtig und richtig ist als diese selbst. Sollten diese Menschen dagegen aufbegehren, dann ist das natürlich kein Anzeichen für Schwarmintelligenz, sondern blanker Populismus.

Da trifft es sich gut, dass das europäische Parlament schwach ist und selbst amoklaufende Wutwähler dem Projekt „EU“ keinen ernsthaften Schaden zufügen können. Die Brüsseler Bunkermentalität wird sich durch das Wahlergebnis sogar noch verstärken. Der Helm wird fester geschnallt: „Weiter so! Mehr Europa!“ – was in der Praxis natürlich mehr EU heißt… (Seite 2)

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