Verrücktes, Beklopptes und andere Erheiterungen

24. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

Schöne bunte Nachrichtenwelt: Schlagzeilen, Schlagstöcke und Schlagringe sind wahrscheinlich doch miteinander verwandt. Und Nachrichten hießen früher so, weil man sich danach richten konnte. Aber heute? Immer mehr werden von einer Art von Bespaßungsindustrie produziert. Unsere kommentierte Presseschau…

DIW-Studie: Die ab 2010 eingeleiteten Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen haben in Spanien, Portugal und Italien nicht wie erhofft die Staatsverschuldung gesenkt, sondern dazu beigetragen, dass die drei Volkswirtschaften zurück in die Rezession getrieben wurden.

Ach was! Nein, nicht doch! Die Anwesenheit von gutem Willen, der schlecht umgesetzt wurde in Abwesenheit von Fachwissen oder Kenntnissen in Wirtschaft und Finanzen kann schon mal dazu führen, dass die Grund-Guten irren. Aber gut, dass wir es 2017 erfahren, was 2010 schon absehbar war. Die Kritiker dieser Friedenspolitik wurden damals Euro-Skeptiker oder Euro-Feinde genannt – im Kontext von Euro und Frieden künftig als Kriegs-Hetzer?

Die Rendite für zwei-jährige Bundesanleihen ist am Mittwoch mit -0,89 % auf ein neues Rekordtief gefallen.

Aber sowas! Woher kommt das bloß? Richtig müsste es heißen: Die Rendite wurde auf -0,89 Prozent gefallen, denn freiwillig würde sie das nie tun. So gut geht’s uns nicht, dass dieses Renditeniveau gerechtfertigt wäre. Aber freie Märkte sind schon was Schönes. Das packen wir in die Rubrik „Gottes Werk und Teufels Beitrag“.

Nach Meinung von ESM-Chef Klaus Regling braucht Griechenland kein neues Hilfsprogramm. Regling rechnet damit, dass Griechenland von Mitte 2018 an „auf eigenen Beinen steht und sich selbst Geld am Markt besorgen kann“

Es muss sich dabei zweifelsfrei um eine aus dem Jahr 2013 oder 2014 schon versendete Nachricht handeln, denn, welches Datum schreiben wir? Richtig! Immer wieder um die Faschingszeit herum, wird diese alte Nachricht nochmals versendet, vorher noch etwas aufgehübscht oder ge-remixed. Wenn der Geber von Krediten (ESM) mit so etwas rechnet, ist mehr Hoffnung als Realität im Spiel. Vermutlich wird es auch 2018 heißen, dass Griechenland ab dem Jahr 2020 auf eigenen Füßen steht, wenn nichts dazwischen kommen wird. Oder die Schulden erlassen worden sind – vom ESM.

FED Williams: Weltweite Zinsen werden hartnäckig niedrig bleiben.

Das erheitert uns sehr, denn die Zinsen werden garantiert und weiter so hartnäckig niedrig bleiben, wenn man sie so hartnäckig nicht erhöht. Worüber wundert sich Herr Williams? Wir hier wundern uns über gar nichts mehr. Aber es ist ja Karneval. Bei der FED wahrscheinlich 367 Tage im Jahr, hedonisch berechnet. Helau!

Patrick Harker von der Philadelphia Fed hält drei Zinsanhebungen im laufenden Jahr für angemessen.

Ja, das sieht ein übergewichtiger Mann mit einem festen Diätplan im Kopf auch so, wenn er sich in einem Laden einen Anzug in der Größe 154 zur Anprobe kommen lässt, obwohl schon die 158 sehr knapp ist. Irgendwann gegen Ende des Jahres wird Herr Harker eine Prognose korrigieren, so kurz vor Mitternacht am 31.12.2017 – und spricht sich dann für 13 – 23 Zinsanhebungen im Jahr 2018 aus.

Bundesgerichtshof: Kündigung eines alten Bausparvertrags mit hohen Zinsen durch Bausparkassen rechtens…

Na endlich! Dieser zinsgierigen Brut gehört der Riegel vorgeschoben! Das hätte man damals aber auch in die Verträge reinschreiben können, dass Bausparkassen nach zehn Jahren kündigen können, wenn der Vertrag nicht abgerufen wird. So aber hat man diese Verträge auch noch als Geldanlage beworben und will oder kann jetzt die Zinsen nicht mehr zahlen. Zumindest wissen die Bausparkassen das Recht jetzt auf ihrer Seite. Verträge sind einzuhalten, sind postfaktische News.

Schäuble rechnet mit baldigem guten Ende für Griechenland

Ente gut, Ende vielleicht weniger gut. Die Hauptsache, der Optimismus stirbt so spät wie möglich…

Der Risikoaufschlag für französische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren ist auf den höchsten Stand seit 2012 gestiegen.

Dann sollte doch die EZB den Weg frei machen für eine Änderung des Kapitalschlüssels für den Aufkauf von Staatspapieren, so dass die französische Zentralbank endlich vermehrt französische Anleihen aufkaufen darf. Dann klappt das auch mit den Renditen – und alles ist bestens – zumindest bestens angestrichen.

Eurostat: Der Energieverbrauch in der EU lag 2015 rund 2,5 % unter dem Wert von 1990.

Hoppla! Ist das die Energiewende? Und das bei einem Boom, der sich von selbst überholt hat. Wenn es mit dem Energieverbrauch nicht aufwärts geht, warum auch immer, dann wenigstens doch bei den Strompreisen. Ein dreifaches Helau! Denn was haben wir davon, wenn wir weniger Strom verbrauchen und mehr dafür bezahlen?

EU -Kommission: Die Verschuldung Italiens und Frankreichs steht kurz davor ein grenzübergreifendes Problem darzustellen.

Hallo? Wir haben doch gar keine Grenzen mehr! Und nein, damit hätten wir gar nicht gerechnet. Gut, dass wir eine EU-Kommission haben! Vermutlich funktionierte die Kaffeemaschine oder der Taschenrechner. Das „grenzübergreifend“ verwirrt uns doch sehr.

EU -Kommission: Italien muss Maßnahmen ergreifen, um die Verschuldungsregeln einzuhalten

Diese Meldung wiederholt sich seit … dem 17. Jahrhundert? Auch in den kommenden Jahrhunderten wird diese packende Nachricht unser Begleiter sein und uns erheitern.

EZB-Ratsmitglied Ardo Hansson: „Der Anstieg der Inflation ist eine gute Nachricht aus Sicht der Notenbank, aber es ist wichtig, genau hinzuschauen.“ Derzeit fehle die Bestätigung, dass die Inflation wirklich zurückgekehrt sei.

Soso… eine gute Nachricht, wobei gar nicht sicher ist, dass sie gut ist, denn es sei nicht sicher, dass die Inflation wirklich zurückgekehrt sei. Vielleicht hat sie es nicht bis in die höchsten Etagen des EZB-Turms geschafft. Klar, sie ist ja auch so schwach, bis da hoch zu kommen. Aber wir können helfen und beruhigen. Sie war nie wirklich weg. Das was den Leuten da unten an Kaufkraft fehlt, das wird oben im Turm über Gehälter und Pensionen drauf gepackt. Und unten auf der Straße, wo die Inflation sich um die Ecken schleicht, da geht ja nur das Fußvolk einkaufen, was die Lasten von denen da oben zu tragen hat. Ja, Experten, es ist schon wichtig, genau hinzuschauen. Jeder sieht eben nur das, was er sehen will.

Weitere Späße und andere Ungereimtheiten entnehmen Sie bitte der örtlichen Presse… Oder lassen Sie das ganz einfach.

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Ein Kommentar auf "Verrücktes, Beklopptes und andere Erheiterungen"

  1. JayJay sagt:

    Sehr schön aufgelesen und ein dreifaches Alaaf & Helau den Narren in der EZB, Brüssel und den anderen politischen Narren in den Hauptstädten des alternativlosen Friedensprojekts EU bzw. Euro.

    Konfetti 🙂

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