Verrückte Bewertungen

15. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

An den Märkten geht es unheimlich ruhig zu. Angesichts einer derart angespannten Lage, hätten wir uns ein wenig mehr Spannung erwartet. Allem Anschein nach ist der große Ausverkauf zu Beginn des Jahres noch nicht komplett beendet – das war nur ein Vorspiel ohne die wirklich brutalen Schläge eines echten Bärenmarkts…

Was machen wir daraus? Eines ist sicher: Es gibt noch keine reale Erholung.

Zunächst fällt auch, dass die Gewinnschätzungen für das erste Quartal schneller als je zuvor in der Geschichte fallen. Beim S&P 500 liegen wir bereits um 8 % tiefer gegenüber dem Vorjahr. Welche Art von „Erholung“ macht Unternehmen weniger profitabel?

Nun, da gibt es eine Möglichkeit. Aber daran liegt es nicht. Eine echte Erholung erhöht die Nachfrage nach Arbeit …, die zu höheren Löhnen führt. Dies führt dazu, dass die Unternehmen mehr Umsatz machen, aber kleinere Margen aufweisen. Aber das ist nicht der Fall heute. Die Umsätze steigen nicht. Sie sind schwach oder fallen. Wie auch die Löhne.

Wie Sie wissen sind die Arbeitsmarktdaten aus Washington weitgehend betrügerisch; die Bundesbeamten nehmen saisonale und andere Anpassungen vor und fügen Jobs hinzu, die gar nicht existieren. Die Lohndaten sind da zuverlässiger. Sie basieren ja auf tatsächlich geflossenen Steuer-Rückerstattungen. Und sie messen das Geld, dass die Arbeiter tatsächlich in ihrer Lohntüte haben.

Bloomberg berichtet:

„Die Arbeitgeber haben im Februar mehr Jobs als erwartet geschaffen; im Februar sind aber die Löhne unerwartet zurückgegangen; damit schwinden die Hoffnungen, dass von einer Verbesserung am Arbeitsmarkt alle Amerikaner profitieren.

242.000 neue Stellen gab es im Februar. Dies waren war mehr als erwartet. Im Januar lag die Zahl nach einer Revision nach oben bei 172.000, so der Bericht des US-Arbeitsministeriums. Die Arbeitslosenrate konnte auf dem Niveau von 4,9 Prozent gehalten werden, da mehr Menschen in den Arbeitsmarkt kamen und auch Arbeit fanden. Die durchschnittlichen Stundenlöhne fielen aber; dies war der erste monatliche Rückgang seit mehr als einem Jahr. Gleichzeitig sank die von den Arbeitern geleistete Zahl an Arbeitsstunden.“

Rumms.

Wir werden immer mehr wie Indien oder China und weniger wie Schweden oder Deutschland: mehr Menschen arbeiten (zumindest nach den offiziellen Statistiken), aber verdienen wenier Geld! Schon bald werden für die Aufhübschung der Job-Statistik neue Berufe entsprechend der neuen Wirtschaft kreiert werden wie etwa „Wasserträger“ oder „Holzhauer“.

Verrückte Bewertungen

Wir glauben immer noch nicht daran, dass wahrer Reichtum auf der Grundlage von gefälschten Geld aufgebaut werden kann. Und jetzt, bei fallenden Unternehmensgewinnen und drohender Rezession scheint der Tag der Abrechnung näher zu kommen. Schließlich werden wir erhobenen Hauptes sagen können: „Seht, wir hatten Recht!“

Und wenn das geschieht – und das wird wohl eher früher als später der Fall sein – wird ein höllischer Preis dafür zu zahlen sein. Einige der beliebtesten Aktien in den USA werden immer noch mit den abartigsten, irrsinnigsten und verrücktesten Bewertungen in der Marktgeschichte gehandelt.

Denken Sie daran, unser Ziel im Tagebuch ist es nicht schlauer als andere Investoren zu sein. Es liegt – bescheiden gesagt – darin, nur nicht ganz so dumm zu sein. Wir müssen nicht die besten Investments mit dem besten Einstiegszeitpunkt finden. Wir wollen nur die schlimmsten Investments zum ungünstigsten Zeitpunkt vermeiden.

Der Online Film- und TV-Streaming-Dienst Netflix ist wohl eines der letzteren. Die Aktie wird mit einem KGV von 317 bewertet. Mit anderen Worten, Anleger zahlen $ 317 für jeden lausigen Dollar des Jahresgewinns. Beim Online-Retail-Riesen Amazon – den wir vor langer Zeit „River of No Returns“ nannten- ist es noch schlimmer.

Auf geht`s. Kaufen Sie eine Aktie. Wenn die Dinge so bleiben und sich so fortsetzen, wie sie jetzt sind, und die Firma ihre Gewinne komplett als Dividende ausschüttet, müssen sie 450 Jahre warten, um das investierte Kapital wieder zurückzuerhalten. Anders ausgedrückt, der Amazon-Gewinn müsste auf über 26 Milliarden Dollar steigen, um den aktuellen Aktienkurs zu rechtfertigen. Wahrscheinlicher ist, dass Sie 95% bis 100% Ihres Geldes verlieren werden, da das Aktienkursniveau wieder auf ein vernünftigeres Niveau nach unten gehen wird.

Flirt mit dem Wahnsinn

Das ist keinesfalls der erste Flirt des Aktienmarkts mit dem Wahnsinn. In den 1960er und 1970er Jahren gab es die sogenannte „Nifty Fifty-Ära.“ Damals waren Aktien wie Xerox und Avon die Favoriten. Der breite Markt war nicht so gut. Doch die Anleger glaubten, sie könnten nur eine Handvoll der 50 größten Aktien an der New Yorker Börse kaufen, sich zurücklehnen Sie sich zurück und die Gewinne einfahren.

Es machte nichts aus dass viele der Nifty Fifty mit irren KGVs bewertet waren. Die Erwartung war, dass diese „einmaligen“ Aktien die Wirtschaft über Jahrzehnte hinweg dominieren würden.

Was geschah mit Avon und Xerox? Xerox lag bei $ 25 pro Aktie im Jahr 1972. Aktuell notiert die Aktie bei 10 Dollar. Die Avon-Aktie kostete $ 9 im Jahr 1972. Nun liegt sie bei $ 4. Wie kann man sich nur auf eine solche Entwicklung freuen? Amazon bei 280 $ im Jahr 2060!



Chinas Ponzi-Krise
von Bill Bonner

Die Chinesen setzen alles auf eine Karte… Die Preise für Eisenerz schiessen in die Höhe. Bloomberg berichtet:

„Eisenerz vollzog den stärksten Anstieg in der Geschichte, nachdem die politischen Entscheidungsträger in China ihre Bereitschaft signalisiert hatten, das Wirtschaftswachstum zu stützen; ein verbesserter Ausblick für den Stahlverbrauch entzündete die Spekulation, dass einige Investoren, die gegen den Markt gewettet haben, nun gefangen seien…

„Die Eisenerz- und Stahlmärkte haben eine Amokfahrt hinter sich – mit Fundamentaldaten hat das nichts mehr zu tun. Alles ist stark von der Stimmung getrieben, so Zhao Chaoyue, Analyst bei China Merchants Futures Co. in Shenzhen.

Die Anleger erwarten weitere Lockerung der Geldpolitik durch die chinesische Regierung. Das dürfte die Stahlnachfrage steigern.“

Die Märkte haben einen Amoklauf hinter sich, weil die chinesischen Behörden Amok liefen und die Summe an ausstehenden Krediten auf irrsinnige Weise erhöhten.

Chinas Ponzi-Krise

Hier kommt ein Update, bei dem jeder nüchterne Beobachter taumeln muss … In den ersten beiden Monaten des Jahres explodierten die Schulden in China – einschließlich des „Schattenbanken“ Systems – um etwa eine Billion Dollar. Die chinesischen Schulden expandierten mit rekordvedächtigen 5% des BIP- pro Monat!

OH MEIN GOTT!

Warum erhöhen sich die Schulden so extrem … auch wenn die Weltwirtschaft sich verlangsamt?

Warum sollte die Nachfrage nach Eisenerz und Stahl steigen, wenn die Nachfrage nach Fertigprodukten mau ist und weiter fällt? Denn es steht schon irgendwo in der Bibel, dass man mit einer Amok-Geldpolitik Amok-Preise bekommt, die schlechte Investitionen, Überkapazitäten, und schlechte Verteilung der Ressourcen zur Folge haben …

… man bekommt Booms und Krisen, die noch mehr Amok-Geldpolitik erzeugen. Und jetzt ist China im Griff einer scheußlichen Ponzi-Krise.

Mehr als ein Viertel seiner Schulden können nicht aus der Realwirtschaft bedient werden. Stattdessen müssen sie refinanziert werden – neue Schulden werden gemacht, um die alten Schulden bedienen zu können. Die Chinesen brauchen 7,7 Billionen Dollar – eine wahnsinnig hohe Summe, die nicht mit einer realwirtschaftlichen Leistungssteigerung einhergeht. Was passiert als nächstes?

Wie immer, wissen wir das nicht. Aber wahrscheinlich werden wir wilde Achterbahnfahrten in den Märkten sehen … und einen geringeren Gegenwert für den Renminbi im Vergleich zu anderen großen Weltwährungen. Da der Preis der chinesischen Einfuhren fällt, werden die Tagestiefst-Preise bei Walmart jeden Tag noch tiefer werden. Gewinnmargen der Unternehmen, die bereits jetzt fallen, werden weiter sinken. Die Aktienkurse werden kollabieren. Und die Stille der Deflation wird sich auf der Welt niederlassen – wie ein Kissen, das vom Gesicht einer reichen, alten Frau nach unten gedrückt wird…
Quelle: Kapitalschutz Akte
Verrückte Bewertungen (von Bill Bonner)
Chinas Ponzi-Krise (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Ein Kommentar auf "Verrückte Bewertungen"

  1. Skyjumper sagt:

    „Wir werden immer mehr wie Indien oder China und weniger wie Schweden oder Deutschland: mehr Menschen arbeiten (zumindest nach den offiziellen Statistiken), aber verdienen wenier Geld!“

    Ich weiß zwar nicht wie es in Schweden aussieht, aber zumindest Deutschland wird hier auf einen nicht verdienten Sockel gestellt.
    Gem. Destatis kann man für DE folgende Eckdaten auslesen:
    Jahres-Arbeitsstunden gesamt Jahr 2000 = 48,8 Mrd.
    Jahres-Arbeitsstunden gesamt Jahr 2015 = 50,5 Mrd. —> = plus 3,5 %
    Beschäftigtenzahl Jahr 2000 = 39,8 Mio.
    Beschäftigtenzahl Jahr 2015 = 42,9 Mio. —> = plus 7,8 %

    Die Beschäftigtenzahl stieg also gut doppelt so stark wie das Arbeitsvolumen. Das Ergebnis im Detail (das ich jetzt nicht nachvollzogen habe) ist ein überproportionaler Anstieg der (wohl nicht immer gewollten) Teilzeitbeschäftigung von der man nicht leben kann. Es geht uns in DE also vermutlich besser als den Beschäftigten in den USA („vermutlich“ deshalb weil ich nicht ausschließen möchte das hierzulande nur geschickter geschummelt wird), aber gut im Sinne von vorbildlich würde ich das nun auch nicht nennen wollen.

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