Verpackungen machen doof. Oder krank. Oder beides

26. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(Glosse von Frank Meyer) Erdöl in Schokolade? Das erklärt doch Einiges. Ist das nicht herrlich? So kurz vor dem Aufreißen des ersten Adventstürchens hat die Stiftung Warentest Mineralöle in Adventskalendern gefunden und schlägt Alarm. Alles scheint verseucht zu sein. Frohes Fest!

Inmitten der Eurokrise jetzt auch das noch. Dabei hatte ich mich immer schon gewundert, ob die vielen Verpackungen aus dem Alltag nicht irgend ein Risiko bergen könnten. Mit Sicherheit! Auf manchen Verpackungen steht ja, man solle sie nicht einatmen oder verschlucken. Dass man jetzt aber nicht mal mehr den Inhalt essen oder inhalieren darf, ist mir neu. Na Super! Oder E10!

Das Öl und andere Schmiermittel in der Schokolade sind aromatische Schmiermittel. Das klingt doch gar nicht so schlimm. Leider bin ich aus dem Alter heraus, wo ich nur eine Tür am Tag zwischen dem 1. und 24. Dezember öffne. Ich gebe zu, auch schon mal einen halben Kalender auf einmal verspeist zu haben oder 50 Gramm Schokolade binnen weniger Minuten. Niemand hat mich gewarnt. Wenn dem so gewesen wäre, hätte ich die ölhaltigen Stücke doch als Briketts benutzt. Gibt es auch bald eine Mineralölsteuer auf Adventskalender? Noch ist es nicht soweit. Auch das Tanken von Adventskalendern ist noch verboten.

In Zeiten steigender Preise für Rohstoffe ist Substitution von Kakaobutter doch verständlich. Der Kostendruck wirkt überall. Moment. Das Zeug kommt aus der Verpackung und dadurch erst in die Schokolade. Schuld ist veröltes Recyclingpapier – der Umwelt zuliebe! Danke, rot-grün…

Besonders hoch waren die Gehalte an aromatischen Mineralölen in den Kalendern von Arko, der Confiserie Heilemann und Rausch. Daher der Name Rausch. Oder Heile Heile Schokodreck. Nein, der Spruch ging anders.

Wenn Nahrungsmittel durch Verpackungen verseucht werden, wie sieht es dann mit dem restlichen verpackten Essen aus? Soweit ich im Kühlschrank erkennen konnte, ist heute alles verpackt. Ist mein Kühlschrank jetzt eine Ölquelle?

Verpackte Wurst, eingeschweißter Käse, Joghurt in Plastikbechern und was ich nicht alles heute vorsorglich beim Sondermüll angemeldet habe. Wasser aus PET-Flaschen. Sogar Bier gibt es in Plastikflaschen. Lasst da mal die Sonne drauf scheinen. Das ist lecker, da weich-gemachte Stoffe auch die Birne weich machen solleb. Aber die Öle, so konnte man lesen, sollen ja nur aus dem Karton stammen. Dieser wird nämlich mit mineralölhaltigen Farben bedruckt. Warum das so ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich öko und billig.

Da es noch keine Grenzwerte gibt, sollte man sich jetzt nicht so aufregen. Keine Grenzwerte implizieren doch Unbedenklichkeit oder großen Einfluss noch größerer Lobbyisten auf die Geschehnisse. Au Backe! In den „Schlümpfen“ fanden Tester mehr als 10 Milligramm DingsdaBöse pro Kilogramm Schokolade. Nach zehn Kilogramm Schokolade implodiert man. Darum sind die Schlümpfe auch blau.


Die Wissenschaftler suchen noch. Sie können nicht eindeutig abschätzen, wie stark Mineralöle den Menschen gefährden. Hätten sie es probieren sollen? Ich meine, ja.

Substanzen, die unter Krebsverdacht stehen, haben nach Einschätzung von Stiftung Warentest nichts in Lebensmitteln zu suchen. Ach was! Kinder sollten Schokolade, die mit aromatischen Mineralölen belastet ist, nicht essen. Und die ersten Hersteller reagieren. Arko nimmt Kalender aus dem Sortiment. Für Heilemann sind die Schokoladen ungefährlich bzw. unbedenklich und man geht davon aus, dass die Rückstände (nur) aus schlechtem Verpackungsmaterial stammen. Ein Lieferant habe diese entgegen der Absprachen aus Altpapier hergestellt. Seltsamerweise beliefert der Lieferant die komplette Republik, den das Problem gibt es ja bundesweit. Komisch.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier. Dann klopfst Du an der Himmelstür. Da kann es inmitten dieser Katastrophe nur eine Lösung geben: Nehmt den Warentestern endlich die Messgeräte weg! Das ist harmlos! Ich fahre schon seit zwei Jahren mit Weihachskalendern. Einer reicht für 50 Kilometer. Und mal ehrlich: Ist schonmal jemand an Adventskalendervergiftung gestorben? Nein? Na also! Und sollten Sie künftig nichts mehr von mir lesen, bin ich einer Adventskalendervergiftung erlegen – oder an Rattengift in Osterhasen.



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