vermeintliche Silberpreisexplosion (Leserzuschrift)

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Während Ihr sicherlich alle am Wochenende im schönen München gewesen seid, habe ich mit meinen beiden Söhnen den Geburtstag meiner Frau gefeiert. Als ich bei meiner morgendlichen Nachrichtenabfrage auf den sensationellen kitco-Preis von 737,1 Dollar pro Unze Silber gestoßen bin (Verwechslung mit Gold war 2 Tage im Netz), habe ich beiläufig und humorlos am Frühstückstisch erwähnt, dass wir jetzt reich seien. Meine Kinder stürzten daraufhin zu meinem PC und sahen mit eigenen Augen die Bestätigung meiner Aussage.

Mein ältester Sohn (13 Jahre, notorisch pleite, konsumfreudig, Taschengeld-im-Voraus-Empfänger, also Schuldner) stellte mit Hilfe eines Taschenrechners fest, dass sein jüngerer Bruder (10 Jahre, fleißiger Sparer und 60 Unzen-Silber-Besitzer, schuldenfrei) auf einmal ziemlich vermögend ist, während er selber kaum von der Preisexplosion profitierte. Selber schuld, kam es von der Mutter, Papa hat Euch doch beide mit 30 Unzen Silber bedacht. Nun hat aber der Eine seinem Bruder den halben Play-Station-Anteil gegen Silber abgekauft und seinen Konsumrausch immer mal wieder gegen sein Tafelsilber eingewechselt. Heute hat der Eine zwei Unzen Silber, ein modernes Handy mit entladenem Guthaben und der Andere 60 Unzen Silber, kein Handy und keine Playstation, ist aber genauso glücklich.

Um die Fantasie meiner Familie weiter anzufachen, habe ich verlauten lassen, dass ich zum Ausgleich etwaig bestehender Vermögensungleichgewichte einfach jedem 500 Unzen aus meinem üppigen persönlichen Bestand schenken werde, denn das wäre ja sonst ungerecht (warum eigentlich?)!

Jetzt entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, die ich damit eröffnete, dass ich von dem vielen Geld eine Turnhalle bauen würde, in der Kinder und Erwachsene sich jederzeit austoben könnten. Meine Frau dazu: „Du spinnst.“

Einer der Söhne hatte gleich aus einer Zeitungsbeilage Flachbild- Fernseher, Grafik- Karten usw. herausgesucht. Der Andere aber machte folgenden (ernstgemeinten!) Vorschlag: „Papa. weil Du uns ja so oft von der Finanzkrise erzählst, möchte ich uns gerne ein paar Hühner, Schweine und Kühe kaufen, am besten mit einem Stück Land drum herum. Dadurch werden wir nie Hunger leiden müssen. Außerdem möchte ich die Tiere frei herumlaufen lassen, damit es Ihnen gut geht.“

Damit dieser Text nicht zu lang wird, möchte ich zum Schluss kommen. Wenn Ihr wollt, dürft Ihr noch raten, welcher meiner Söhne wohl den Bauernhof vorgeschlagen hat und welcher den Media- Markt stürmen wollte.

Auf jeden Fall aber war es sehr interessant, im Familienkreis darüber zu diskutieren, wie man seinen (künftigen) Reichtum verwalten könne. Meine Erkenntnis daraus: Ist der erste Kaufrausch einmal ausgelebt, kommen danach die wirklichen Sehnsüchte aus dem Inneren zum Vorschein. Macht Euch doch auch schon mal Gedanken, welche Projekte Ihr als Multimillionär anschieben werdet, denn so eine Preisexplosion kommt vielleicht genauso schnell, wie sie in der Vergangenheit immer auf sich warten ließ. Ihr seht, auch als reicher Mann/reiche Frau (siehe Susanne Klatten) hat man durchaus Probleme.

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