Verkaufen Zentralbanken ihre Aktien auch wieder?

9. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Etwas ungelenk schlenkert der Aktienmarkt derzeit auf der schwarzen Piste dahin. Das kann die wackeren Helden, die doch just erst die Hoffnung auf Dividenden gegen das Kuponheftchen der Anleihen getauscht haben, nicht erschüttern. Irgendwo muss die Kohle ja herkommen…

Warum man davon ausgeht, dass immer irgendwo so viel Geld herkommt, wie man gerade benötigt, hinterfragt offenbar niemand. Man muss eben nur genug Hunger haben, dann wird sich im Kühlschrank schon etwas finden.

Einige Zentralbanken wirken derzeit recht schlau. Sie kaufen mit frisch geschaffenen Buchungseinträgen echte Aktien. Das wirkt vor allem dann schlau, wenn man das Ziel der Druckerei nicht ganz aus den Augen verliert. So mancher möchte weiter seine eigene Währung schwächen, mittlerweile mehr aus Gewohnheit als auf Grund tiefgründiger Überlegungen.

Ziehen wir einmal die Bank of Japan als Beispiel heran. Man kauft munter Anleihen, mittlerweile auch Aktien und hofft den Yen nachhaltig kleinzukriegen. Man darf davon ausgehen, dass das irgendwann klappen wird. Wer sich nur genug bemüht seine Währung zu zerstören, dem wird das gelingen. Kaputt kriegt man alles, das ist dem Menschen in die Wiege gelegt.

Problematisch ist jedoch der Teil der Hoffnung, man könne einen solchen Prozess an einer beliebigen Stelle wieder anhalten. Das wird nicht klappen. Eine gerauchte Zigarette bekommt man nicht wieder zusammen. Ist das Vertrauen in eine Währung erst einmal aufgezehrt, besteht die Gefahr einer zunehmenden Abwertungsdynamik. Will nun die Notenbank diesen Prozess stoppen, muss sie unter anderem auch erworbene Wertpapiere veräußern. Raus mit den US-Aktien und mit den Dollars schnell ein paar Yen kaufen. Wie gering sich bei einer dynamisch fallenden Währung ein paar Assetverkäufe auswirken durften einige hundert Millionen Menschen in der asiatischen Währungskrise der späten 90er Jahre erfahren. Der Effekt von ein paar Milliarden lässt sich in Minuten messen, nicht in Wochen.

Historische Wertentwicklungen zeigen auch am Devisenmarkt eindrucksvoll, was im Laufe der Zeit alles passieren kann.

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Die Bestände an Wertpapieren in den Bilanzen der Zentralbanken türmen sich derzeit in nie gewesenem Ausmaße an.

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Bemerkenswert ist die recht schrullige Diskussion um die Aktienkäufe der Zentralbanken. So klagt unlängst ein bekannter Ökonom, die Käufe von echten Assets mit quasi frisch Gedrucktem würde eine neue Dimension bedeuten. Nun, natürlich wirkt die Direktheit der Käufe der Zentralbanken ziemlich ungewöhnlich. Das liegt aber genau an der Direktheit, sie hat etwas enttarnendes. Ansonsten ist es im hoch gehebelten Finanzsystem nicht unüblich, Wertpapiere oder auch Immobilien mit Geld zu erwerben, dass es bis vor kurzem noch nicht gab. Die Aktionen der Zentralbanken demaskieren diesen Prozess lediglich und führen ihn durch die Verzweiflung, die sich am Ausmaß und der Geschwindigkeit der Käufe ablesen lässt, auf den Gipfel.

Vom Gipfel aus geht es bekanntlich nicht mehr weiter nach oben. Wann genau man dort ankommt ist unerheblich. Der reale Vermögenseffekt weiterer Aktienkäufe der Zentralbanken nimmt mit jeder erworbenen Aktie ab. Je mehr Aktien die Zentralbanken halten, desto weniger andere Anteilseigner profitieren von weiteren Preissteigerungen.

Das universelle Prinzip des abnehmenden Grenznutzens zeigt sich wenig überraschend auch an dieser Stelle. Wie bei allen anderen Maßnahmen und Experimenten sollte man den Erfolg oder Misserfolg auch bei den kruden Experimenten der Zentralbanken erst dann messen, wenn diese abgeschlossen sind. Die zunehmende Instabilität und Einfallslosigkeit, wie man aus dem Spiel wieder herauskommen soll, lassen Böses vermuten.

 

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7 Kommentare auf "Verkaufen Zentralbanken ihre Aktien auch wieder?"

  1. Rogers sagt:

    Ich hätte eine Frage, Herr Rott, die IMHO niemand bisher schlüssig beantwortet hat:
    Was passiert eigentlich – außer dass sie dann eine mächtig miese Bilanz hat – , wenn z.B. die FED dem Staat schlicht und einfach die Schulden erlässt? Die Bilanz kann sie ja in 1000 Jahren schrittweise ausgleichen.

    Danke und Grüße

    Rogers

  2. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Rogers,

    rein technisch ist ein solcher Schuldenschnitt machbar. Die derzeit durchgeführte Sammelaktion, sprich die Zentralisierung großer Anleihenbestände bei den Zentralbanken, spricht zumindest nicht gegen einen solchen Versuch.

    Das große Problem abseits der technischen Machbarkeit ist die Frage, ob das Vertrauen in ein System, dass mal eben seine Schulden verschwinden lässt, sich aufrecht erhalten lässt. Das einzige Ventil, über das der dann entstehende Druck entweichen könnte ist dann der Währungsmarkt. Der Hoffnung, mit der Nummer durchzukommen steht damit das Risiko einer Entwertung der Kaufkraft der eigenen Währung gegenüber.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • Rogers sagt:

      Herzlichen Dank, Herr Rott.

      Wenn es also eine Verabredung zwischen den großen Zentralbanken gäbe, das genau so und zugleich in einer proportionalen Größenordnung zu machen, würde also möglicherweise gar nichts (Schlimmes) passieren? Einen Abwertungswettlauf scheint es ja eh zu geben und die ständige Ausweitung der Schulden stärkt ja nun auch nicht gerade das Vertrauen. Ist nicht das einzig wirklich Gefährliche ein Bank Run? Der würde dadurch nicht provoziert, da „Die Menschen“ das zunächst einmal gar nicht merken würden.

      Ich denke halt, dass es einen Plan B gibt, bzw. geben muss. Denn das, was „Wir“ wissen, wissen doch „Die“ schon lange.

      Herzlichst Rogers

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo Rogers,

        „Wenn es also eine Verabredung zwischen den großen Zentralbanken gäbe, das genau so und zugleich in einer proportionalen Größenordnung zu machen, würde also möglicherweise gar nichts (Schlimmes) passieren?“

        Das haben wir so nicht gesagt. Wir würden den Versuch auch angesichts der derzeitigen Maßnahmen nicht ausschließen, würden uns aber wundern wenn so etwas ohne Komplikationen über die Bühne geht. Wie genau die aussehen und wie schlimm es wird oder nicht, dass können wir Ihnen nicht sagen. Die Auswirkungen von deutlichen Wechselkursveränderungen hängen von der Dynamik ab. Auf langsame Veränderungen kann man sich einstellen, auf schnelle nicht. Eine Abwertung gegenüber dem Dollar kann beispielsweise schnell zum Problem werden, da viele Unternehmen und Staaten außerhalb der USA sich in Dollar verschulden.

        Ihnen ein schönes Wochenende
        Bankhaus Rott

    • Argonautiker sagt:

      Dann schon eher Bargeldlos, da kann man das besser so nach und nach machen. Schnitte sind außer beim Aufschnitt eher unbeliebt, unter den Teppich kehren ist eher akzeptiert. Deshalb möchte man sich auch gerne mit dem Islam verbandeln, die können gute Teppiche weben. XXL brauchen wir mindestens.

  3. MFK sagt:

    Hier wird eine wichtige Schlüsselfrage gestellt, nämlich nach dem Sinn von Aktienkäufen von Zentralbanken. Zunächst einmal muss man richtigstellen, dass die Zentralbanken idR keine Aktien direkt kaufen, sondern ganz überwiegend ETFs. Hierdurch wird jedoch eine Transaktionskette ausgelöst, in der einer der Beteiligten die Aktien erwirbt um sich abzusichern – und nicht um sich unternehmerisch zu betätigen. Dieser Zustand ist natürlich für die corporate governance Struktur der Aktiengesellschaften schlecht. Aktienkäufe durch Zentralbanken wirken inflationär was Vermögenswerte angeht. Die Frage stellt sich natürlich, was die Zentralbanken mit den erworbenen ETFs machen werden. Starke Wirtschaft = starke Währung. Die Zentralbanken, gerade von starken Exportnationen, wollen ihre Währung schwächen. Sie verhindern damit jedoch notwendige Anpassungsprozesse. Diese werden irgendwann dennoch eintreten. Niemand kann nur exportieren oder vice versa importieren. Die wichtigen Industrienationen haben darüber hinaus andere gravierende Probleme, wie ihre Altersstruktur. Dann heißt es schwache Wirtschaft = schwache Währung und die Zentralbanken müssen ihre Währungen stützen. Dazu werden sie ihre eigene Währung zurückkaufen wollen und müssen dazu die heute eingesetzen Mittel verwenden. Dann müssen sie auch ihre ETFs verkaufen was einen Einbruch der Kurse auslösen könnte.

  4. FDominicus sagt:

    Es gibt kein besseres wirtschaftliches Warnsignal als die Aufblähung der Bilanzen von Zentralbanken. Man weiß genau – Markt war einmal und man weiß auch er kommt wieder. Monetarisierung von Staatsschulden, zeigt sich immer am Ende eines Zyklus. Eine Frage ist nicht mehr ob das System so zusammenbrechen wird sondern nur noch wann.

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