Verkaufe Socken, kaufe Gold!

30. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Pssst! Der Bund-Future hat nicht nur die Schallmauer von 160 Prozent durchbrochen, er ist jetzt sogar auf dem Weg in die Stratosphäre. 161…162… 163…  Und bald 300… 400… 500… 600? Wow, ist das verrückt! Foto: Flickr

Von allein kommt sowas nicht in einem „Markt“. Aber inzwischen haben genügend Verrückte diesen „Markt“ betreten wie ein Schlägertrupp eine Altherrenrunde. 

Während es die Aktienmärkte „etwas schwer“ haben, laufen die Rentenmärkte steil nach oben, als gäbe es kein Morgen. Ob es für die Rentenmärkte ein Morgen gibt, das wissen wir natürlich nicht, haben aber unsere Bedenken. Wir wissen bloß, dass der Bund-Future von einem Allzeithoch zum Nächsten rennt, ohne dass davon jemand Notiz nimmt…

Der Bund…was? Das ist ein Index an der Börse, der mit den Kursen der Anleihen und spiegelverkehrt den Renditen zu tun hat. Das, was er darstellt, gibt es aber so nicht. Er ist so etwas wie ein Produkt aus einem Finanz-Labor. In dem Falle handelt es sich um eine (künstliche) Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Kupon von 6 %. Das bedeutet, theoretisch, dass man heute eine zehnjährige Staatsanleihe kauft und später dafür garantiert weniger zurückbekommt. 

Wenn man eine Anleihe zu 100 % kauft und diese zehn Jahre liegen lässt, bekommt man (6×10) 60 Prozent Kupon. Macht maximal 160 Prozent. Am Ende der Laufzeit bekommt man sein Geld zurück und hat sich über die Laufzeit 60 Prozent Rendite eingesteckt.(Quelle: Comdirect)

bund-future5

Wenn man aber heute so eine zehnjährige deutsche Anleihe kauft, zahlt man dafür 163 %. Das ist ein garantiertes Verlustgeschäft. Selbst Pleitestaaten (Quelle: Pigbonds) bekommen inzwischen Geld dafür, wenn sie Schulden machen. Die Nagativ-Renditen haben Einzug gehalten wie auch die Negativ-Zinsen – jetzt auch in Japan.

pleitiers mit minuszinsen

Nun haben wir gesehen, dass die Zinssätze weiterhin ins Bodenlose fallen, also die Kurse von Staatsanleihen weiter steigen. Zum einen ist das geschuldet der enormen Nachfrage nach dem „ sicheren Hafen“ in schwierigen Börsenzeiten. Deutsche Staatsanleihen sind (momentan) besonders „ sicher“. Ja klar! So steigen die Steuereinnahmen (oder Steuerabgaben?) um 4,6 Prozent auf 620 Milliarden Euro. Man könnte auch behaupten, der Steuerraub des Finanzministeriums erwies sich für 2015 als noch ergiebiger als im Jahr zuvor. Schäuble kann immer zahlen! Und wohin sonst sollten die Investoren mit ihren zig- Milliarden auch gehen, wenn sie die Chips vom Tisch an der Börse genommen haben? Welcher Markt ist so aufnahmefähig? Und „sicher“? 

Zum anderen sorgt die EZB dafür, das europäische Staatsanleihen mit einer Quote von derzeit 60 Milliarden Euro im Monat aus den Bankbüchern in die Hände der Zentralbank wandern. Irgendwann werden diese Anleihen knapp, was bei rumpelnden Börsen zu noch größerer Nachfrage und höheren Kursen führt. Zudem geht man davon aus, dass die EZB ab März noch einen Zahn zulegen wird, was die Nachfrage erhöht und die Kurse noch weiter gen Himmel schießen lässt.

Es kann natürlich auch sein, dass die Zahl der Anleihen künftig auch zunimmt, denn wie verführerisch ist es doch für einen Finanzminister, bei diesen Konditionen neue Schulden zu machen, wenn Idioten sogar Geld dafür bezahlen, dass sie dem Staat Geld borgen. Die (gottgegebene) Zinspolitik der EZB führt allein schon aus diesem Grund zu solchem Fehlverhalten. Und wenn man es genau betrachtet, wurde in keinem Land irgendetwas gespart trotz mantrahafter Ankündigungen. Im Gegenteil. Die Schuldenberge wurden immer größer und das Schuldenmachen immer billiger, bis es sogar zusätzliche Einnahmen brachte. Irre!

Man könnte ja vermuten, das wären Vollpfosten, die solche Anleihen kaufen, obwohl diese seinen Verlust am Ende garantieren. Doch wer eine solche Anleihe ohne positive Rendite kauft, kann ja auf Kursgewinne hoffen, wenn man diese irrsinnig teuren Papiere noch teurer an einen noch größeren Vollpfosten verkaufen kann – mit Kursgewinn. 

Ich mache mir keine Sorgen darum, dass es nicht genügend solcher „Investoren“ gibt. Die Regularien schreiben vor, dass sie diese Papiere kaufen müssen, aus Gründen der „Sicherheit“. Vielleicht steigt deshalb der Bund-Future noch auf Richtung 170… 180… 190 Prozent. Die 160 Prozent sind offenbar kein großes Hindernis in einer Welt verrückter Geldpolitik. Wahrscheinlich muss die Erde erst die Form eines Quaders einnehmen, bevor man merkt, was hier läuft.

Wenn eine Anleihe ausläuft, die man vor zehn Jahren gekauft hat, bekommt man das Geld auf dem Konto gutgeschrieben. Viele alte Anleihen laufen jedes Jahr aus. Große institutionelle Anleger wie Pensionskassen oder Versicherungen müssen dieses Geld dann erneut anlegen und sind gezwungen, erneut in den Anleihemarkt zu gehen, weil sie „Qualität“ kaufen müssen. Selbst, wenn sich diese irgendwann in der Zukunft als das Gegenteil herausstellen sollte.

Doch was passiert, wenn die Zentralbank aus den bekannten Gründen ihre Anleihekäufe ausweiten muss, sie aber schon alle diese Papiere besitzt? Schließlich entsteht durch den Akt des Aufkaufs neues Geld (was anderswo wieder verpufft) welches bei denjenigen landet, die die Anleihen gehalten haben. Erinnern wir uns an den Satz von Mario Draghi, seines Zeichens Chef-Drucker der EZB: Die EZB kauft alles, außer Gold. Dann wird die EZB irgendwann auch Aktien kaufen müssen, gegen Frischgeld – wie die Schweizer Nationalbank. Vielleicht gehört dann auch der DAX komplett der EZB? 

Dann müsste sie Ausschau halten nach weiteren „Assets“ wie Problemkrediten, unverständliche Finanzkonstruktionen und auch die Müll-Anleihen aus dem früher so hoch gelobten Bereich der jetzt vor sich hinstinkenden Mittelstandsanleihen. Da liegt noch viel Mist herum, den die Zentralbank gegen frisches Geld aufkaufen kann. Und wenn alles aufgekauft ist, dann blieben noch die berühmten rostigen Fahrräder übrig, aber auch benutzten Windeln, löchrige Socken, die Inhalte von Mülleimern und Mülltonnen. 

Außer Gold… Das wird sie nicht kaufen, sagt die EZB. Zumindest hier greift sie nicht ein, so dass es noch vernünftige Preise gibt für diejenigen, die das System verstanden haben. Werfen Sie künftig ihren Müll nicht unachtsam weg. Er könnte sich als wertvoll erweisen, vor allem, wenn man die Erlöse daraus in Gold tauscht. Viel Glück!

 

Schlagworte: , , , ,

4 Kommentare auf "Verkaufe Socken, kaufe Gold!"

  1. Avantgarde sagt:

    Die “greater fool theory” funktioniert halt nicht nur bei Aktien sondern auch bei Anleihen….
    🙂

  2. Argonautiker sagt:

    Wahrscheinlich basiert unsere Gesetzgebung eben doch nicht auf dem Grungesetz, sondern liegt einem Anderen Werk zugrunde.

    2 x 3 macht 4
    Widdewiddewitt und Drei macht Neune !!
    Ich mach‘ mir die Welt,
    Widdewidde wie sie mir gefällt ….

  3. MFK sagt:

    Das leuchtet selbst einem Armleuchter wie mir ein. Was macht man also, um zum Kauf von Anleihen zu animieren? Man zwingt institutionelle Anleger, die mit OPM (anderer Leute Geld) hantieren, in Anleihen, weil die ja bekanntlich risikolos sind. Wehren können und wollen die sich nicht und diejenigen dessen Geld sie verwalten ist es wohl egal, was damit passiert. Mal sehen, was passiert, wenn sich der Wohlfahrtsstaat auflöst.

  4. Avantgarde sagt:

    Die 165 beim Bund ist nun auch geknackt und es scheint, als dürstet es weiter nach diesen als sicher geltenden Papierchen nachdem es nun am Aktienmarkt doch ganz offensichtlich nicht mehr so rund läuft.
    Die 170 werden wir vielleicht tatsächlich noch sehen – was für eine irre Kiste.
    Einfach unglaublich…hätte ich wirklich nicht für möglich gehalten.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.