Vergiftete Hoffnung

20. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

In Zeiten, in denen auch eine Reihe drohender Schuldenschnitte den Puls deutscher Nachrichtensprecher nicht in die Höhe treiben können, gehen viele interessante Nachrichten aus der Finanzwelt unter. Besonders selektiv wird die Wahrnehmung gewohnterweise, wenn der Bildschirm auf nachtsichtgrün wechselt und der embeddet journalist direkt von der Front der Menschlichkeit berichtet.

Das Ausblenden seit Dekaden bekannter Menschenrechtsverletzungen in zahlreichen Ländern der Erde ist scheinbar so anstrengend, dass man – nur der Erleichterung halber – sich auf das ein oder andere Kernthema konzentriert. Derzeit ist das Thema Libyen im Fokus, in anderen Ländern täglich abgehackte Gliedmaßen spielen folglich nur eine untergeordnete Rolle.

Trotz der Konzentration auf dieses Land schaffen es auch hier zahlreiche verwunderliche Details nicht in den Äther. So nahmen einige alternative Medien vollkommen zu Recht die ersten Maßnahmen eines Komitees lybischer „Rebellen“ überrascht zu Kenntnis. Das in dem afrikanischen Land am 5.3.2011 gegründete Interim Transitional National Council hat sich zunächst einmal, dies ist der weniger erstaunliche Teil der Publikationen, zur Einhaltung aller Altverträge verpflichtet.

The Council notes that it is the only legitimate body representing the people of Libya and the Libyan state and calls on all the countries of the world to recognise it and deal with it on the basis of international legitimacy. The Council also notes that it will honour and respect all international and regional agreements signed by the former Libyan government, emphasizing its aspirations in seeing Libya play a significant role in the establishing international peace and security.

Der größte Teil – vor allem für die Länder interessant, die dieses Council legitimieren sollen – dürften die Energiekontrakte sein. So wurde der Welt bereits von höchster Stelle erläutert, wie dieser Sachverhalt zu beurteilen sei. Dazu hieß es laut Reuters:

(Reuters) – The United States on Monday gave a green light to sales of Libyan crude oil from rebel-held territory, giving a potential boost to forces battling Muammar Gaddafi. „The rebels are not part of the government of Libya. They are not subject to the sanctions,“ the official said. „There is no U.N. embargo on Libyan oil,“ a U.N. Security Council diplomat told Reuters on condition of anonymity. „The rebels can sell oil. But they can’t do it through the Libyan National Oil Corporation.“

Auf der eingerichteten Website des Councils (http://ntclibya.org/) lassen sich die Veröffentlichungen einsehen. Besonders interessant war das Ergebnis des Treffens vom 19.3.2011. Wir waren doch einigermaßen überrascht, dass die „Rebellen“ gleich mal eine neue Zentralbank ins Leben gerufen haben – zu finden unter Punkt 2 der oben genannten Veröffentlichung.

Second: The Designation of the Central Bank of Benghazi as a monetary authority competent in monetary policies in Libya and appointment of a Governor to the Central Bank of Libya, with a temporary headquarters in Benghazi.

Der dritte Punkt geht dann gleich auf ein anderes wichtiges Thema ein.

Third: The establishment of Libyan Oil Company as supervisory Authority on oil production and policies in the country, based temporarily in Benghazi and appointment of an interim Director-General for the Libyan Oil Company.

Das ist ebenfalls nicht ganz unwichtig, denn der Handel mit dem Energieträger ist den “Rebellen” ja erlaubt, wie bereits oben erwähnt… (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Vergiftete Hoffnung"

  1. wolfswurt sagt:

    Das „Geld“ welches heute die Rolle des Fürsten, des Königs und sogar „Gott“ ersetzt mit absolutem Führungsanspruch verlangt die totale Unterordung.

    Libyen ist hier nur das aktuellste Beispiel andere werden folgen bis zu jenem Punkt an dem der Geld-Gott gestürzt wird durch das Blut -sprich Revolution mit allen Konsequenzen.

    Täubchenliebhaber mit Löwenzahn im Haar und sich berufend auf die Menschenrechte und UN-Charta werden in der kommenden Auseinandersetzung ihrem Lehrmeister begegnen – der Biologie…

  2. holger sagt:

    @ Vorstand

    —>>>Gerade in Zeiten der fast beliebigen Papiergeldvermehrung im Lande des Greenbacks könnte ein Schwenk im internationalen Energiehandel böse und schwer einzudämmende Folgen haben.“

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass es in dem Fall Gods own country als erstes treffen wird (Teuerungsrate…nicht Inflation). Ich beobachte schon länger das Verhältnis: ÖL/—EUR;USD—/GOLD

    Russland und China haben den USD gegenseitig schon in das Exil geschickt. Die BRIC sind bestimmt schon am überlegen, was zu tun ist, wenn der green back nicht mehr back ist.

    —>>>Was soll man mit einer Reservewährung, deren Bestand nahezu pausenlos vermehrt wird und die nicht mehr für den Kauf von Energie notwendig ist?“

    Eine ganz wichtige Frage und entscheidend dazu. Das Energiethema zu einer Währung, spielt noch eine „untergeordnete“ Rolle. Aber für jede Volkswirtschaft eigentlich das wichtigste Thema. Da bin ich der Meinung, dass das Verhältnis: Energie zu Geld viel zu wenig beachtet wird.

    —>>>Vor allem wäre ein ernstzunehmender Schwenk in diesem gewaltigen Marktsegment ein deutliches Zeichen für andere Rohstoffmärkte.“

    Aber natürlich. Wie oben gesagt, ist alles Cash von der Energie abhängig, die wir zur Verfügung gestellt bekommen. Und wenn wir in das E-Zeitalter mit Autos und Mopeds und Velos so richtig eintauchen, dann wird es noch offensichtlicher. Der Mensch ist nicht vom Geld „abhängig“ sondern von der Energie, die dadurch bereit gestellt wird.
    Nur ist es zur Gewohnheit geworden das der Strom aus der Steckdose einfach so kommt. Und die ICE im Winter zwischen Berlin und Hannover mal eine kleine Auszeit nehmen.

    —>>>Eine Währung wird ja nicht zur „Leitwährung“ weil die Scheine so schön grün aussehen, sondern weil sie im internationalen Handel unverzichtbar ist.

    Und da bin ich der Meinung, dass daran gerade gebastelt wird, was passiert wenn Uncle Sam die „delete“ Taste drückt. Oder sie wird von anderen gedrückt. Solange die Weltwährung USD ist, solange sind die anderen über das Mittel USD (Welthandel) in Beugehaft. Und ich glaube nicht, dass sich die BRIC das Spiel noch länger mit anschauen. Warum sollten sie? Sie stellen ja fast die Hälfte der Erdbevölkerung. Jetzt nutzen sie noch die billigen Dollars um Shopping zu machen. Und wenn dann alles aufgeteilt ist, könnte man ja den USD fallen lassen. Ich bin nun wirklich kein Fan von EM, aber wenn ich sehe, dass ein US Bürger bei sinkenden Löhnen, immer länger für eine Unze AU malochen muss, dann hat das was. Das sagt etwas aus.

    Es hat sich nicht nur die Erdachse mal wieder verschoben, und Japan ein paar Meter ver-rückt, ich werde das Gefühl nicht los, dass dem USD und der Weltmacht USA… ROM´s Schicksal droht. Nicht Heute und auch nicht Morgen. Aber aus dieser Geschichte, wird es wohl sehr schwer für die US Boys sein, sich zu befreien. Geld ist in der Hinsicht Gnaden-los.

  3. holger sagt:

    Und dann noch mal kurz etwas zu Libyen:

    Ich möchte nur mal an das Projekt „Desertec“ erinnern, welches von dem Club of Rome ausgearbeitet wurde, und Europa mit Sonnenenergie versorgen soll. Das hat eine Priorität ähnlich des Suez-Kanal. Es gibt nur zwei „Landbrücken“ für die Gleichstromkabel. Gibraltar und eben Libyen Sizilien. Das mag sich nach VT anhören, aber die Planungen die jedem vorliegen können, sind keine Fälschungen. Und da braucht man eben keinen Ghadaffi (oder wie wird der eigentlich richtig geschrieben?) dazwischen. Das Ganze hat aber noch ein wenig Zeit. Aber es läuft. Ergo: Um Desertec durchziehen zu können, muss ein wenig „gesäubert“ werden. Wär ja noch schöner, wenn man außer ÖL noch viel Sonne in Petto hat. Nur mal so nebenbei.

    Frohe Ostern.

  4. Timo sagt:

    Es wäre verwunderlich, wenn sich am, ich drücke es jetzt mal sehr freundlich aus, offensiv eingefahrenen geopolitischen Charakter der USA nebst Verbündeter plötzlich etwas ändern würde. Im Prinzip wird bei diesem makaberen Schauspiel immer nur ein bisschen am Bühnenbild verändert, damit man es auch nicht gleich merkt.
    Aber hinter den Kulissen gilt die Weisheit eines führenden Autors dieser politischen Verwirrspiele unverändert:
    “ Berherrsche die Energie und Du beherrscht die Nationen.
    Beherrsche die Nahrung, und Du beherrscht die Menschen.“

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