Ver-rücktes

26. Juli 2010 | Kategorie: Kommentare

Man könnte sich den ganzen Tag aufregen über Dinge und Leute, so dass man Schaum vor dem Mund bekommt. Die lustigste Bank der Welt, die KfW überweist mal schnell 300 Millionen + xxx in die Leichenhalle, in der Lehman Brothers ruht. Ein technischer Fehler, bedauerlich natürlich, sei hier passiert. Für diese 300 Mio. EUR würde eine Politesse 20 Mio. Strafzettel für Falschparken a 15 EUR schreiben müssen. Schafft sie pro Tag 100 Stück, und das wäre Abkassieren im Akkord, hätte sie für 200.000 Tage einen sicheren Arbeitsplatz, und das 547 Jahre lang, natürlich wenn sie durcharbeitet.

Herr Steinbrück tobt und meint, es gäbe keine Rezession, weil die Arbeitslosenzahlen ja so toll aussehen (und bestimmt noch besser werden). In Amerika rollt eine Verstaatlichungswelle über die Finanzmärkte und der US-Bürger schultert nun fröhlich und optimistisch die Billionen an auftauchenden Risiken von Fannie, Freddy und AIG (Amerika Ist Gaga).

Die Zwangsehe ist zurückgekehrt. Unter den wankenden Banken gibt sich jetzt täglich ein Pärchen das Ja-Wort und kriecht gegenseitig unter die Bettdecke, bis das der Zins sie scheidet. Bei Morgan Stanley gibt es vielleicht kein Morgan, und die so goldenen Zeiten bei Goldman Sachs scheinen auch vorbei zu sein. Man misstraut sich untereinander und man heiratet über Nacht. Zum Glück vermehrt man sich nicht.

Die Notenbanken schicken jetzt täglich frisches Geld aus dem Computer in die Finanzmärkte. Heute waren es 180 Mrd. USD, oder Euro? Ist eh schnuppe. Sie sind die Feuerwehr und spritzen mit ihren Geldschläuchen jeden pitschpatsch nass. Und an der Ecke steht der nächste, der Durst schreit. Es erinnert irgendwie wie an eine zünftige Frankfurter Trinkhalle gegen Mitternacht, in der das Bier zur Neige geht.

Selbst auf Beruhigungspillen ist kaum noch Verlass. Auf meinem Schreibtisch liegen ganze Berge davon. Wer hat mir die eigentlich dahin gepackt? Das einzige Verlässliche scheint gerade Gold zu sein. Es springt mit Riesensätzen erst über 800 USD, jetzt über 900 USD und das binnen 24 Stunden. Leider bekommt man keines mehr. Wohin ist es? Wo steckt es? Wer hat es? Etliche Händler haben gar nichts mehr. Fragen Sie mal bei den Banken nach. „Ich habe nur ein paar Krümel Katzengold“ scherzte eine nette Dame bei einer Frankfurter Bank und sagte, dass sie einen solchen Ansturm noch nicht erlebt habe.

Ich nehme jetzt doch vorsorglich eine Beruhigungspille, bevor ich zum Höhepunkt des Tages komme. „Großinvestoren gefährden den Goldmarkt“, heißt es in „Die Presse“ . Man liest, dass selbst die ganz großen Adressen im Goldmarkt auf der Kaufseite sind, gefolgt von der warnenden Stimme eines Marco Cabras von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz:

Vor allem die „Unsitte“, Gold als Geldersatz zu verwenden, sei gefährlich. Wenn Gold nämlich gekauft wird, um es schnell wieder verkaufen zu können, lässt das den Preis stark schwanken. So könnte die Rolle als Sicherheitsgeber bald verspielt sein, warnt Marco Carbas von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz.

Herrn Carbas monetäre Analyse, bestechend in seiner Schärfe, beeindruckend in ihrer Tiefgründigkeit lässt mich erzittern. Gold ein Geldersatz… Der war gut! Doch es geht weiter:

Privatanleger sollten momentan daher am besten komplett die Finger vom Goldkauf lassen, rät Cabras. Wer unbedingt Gold kaufen möchte, sollte auf niedrigere Preise warten. Wer aber Gold übrig hat, kann z.B. seine Münzen jetzt relativ teuer verkaufen.

Liest man diese Empfehlung von Herrn Carbas, könnten irritierte Geister auf den dummen Gedanken kommen, der gute Mann hat irgendeinen Zug verpasst und muss sich jetzt noch Material besorgen, dass ihm die Ge-Ratschlagten verkaufen sollen. Abgesehen davon wäre Herr Carbas in Kürze arbeitslos, wenn die noch verbleibenden wenigen deutschen Aktienbesitzer auf Gold umsteigen würden und er dann niemanden mehr „schützen“ könnte.

Die arme UBS. Sie veröffentlichte heute eine Studie unter dem Titel „Stoppt den Wahnsinn“. Sie meint den Ausverkauf bei Investmentbanken. Ich finde, das hätte sie schon vor ein paar Jahren rufen sollen, als der Wahnsinn auf Hochtouren lief. Hat sie nicht gut daran verdient? Gemeint ist das Geschäft mit dem Buchstabensalat ABS, MBS und wie das Zeug heißt, dass unverkäuflich die Banken von innen auffrisst?

Oh weh! Jetzt wird gerade gemeldet, dass dass der KfW durch Geschäfte mit Lehman Brothers ein Schaden von 536 Mio EUR entstanden ist. Es sind nur 6,70 EUR für jeden deutschen Steuerzahler. Eine kleine Summe für die Menschheit, eine große Summe für eine Politesse. Sie hätte jetzt für fast 1000 Jahre einen sicheren Job.

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