USA: Gescheiterte Experimente

20. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

In gut gefüllten Lebensmittelgeschäften der Bundes-republik gibt es vielerlei Interessantes zu beobachten. Nicht umsonst meinte vor geraumer Zeit ein geschätzter Kabarettist, er hätte es aufgebeben, sich etwas einfallen zu lassen. Er würde mittlerweile einfach warten, bis ihm etwas auffällt…

Eine gute Gelegenheit zur Bestandsaufnahme ist der Einkauf. An den Kassen der Supermärkte gibt es des so manche Unsitte zu beobachten. Sie kennen das sicherlich. Verbreitet ist es beispielsweise, bei einer Wartezeit von mehr als drei Minuten vor der Zahlstelle, das Kassenpersonal unfreundlich anzuraunzen und sich dabei auf tumbe Art solidaritätsheischend umzuschauen. Ein paar Minuten warten auf einen Berg Lebensmittel ist scheinbar nicht mehr tragbar. In der gleichen Republik – natürlich auch in anderen Ländern – warten Menschen mit leichter Camping-Ausrüstung geduldig vor dem Elektrohöker auf Version 27 des neuesten Plastikmoduls eines Telefonherstellers. Ein Land, viele Realitäten.

Auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es mehr als eine Lebenswirklichkeit. Mehr als 14% aller US-Bürger beziehen mittlerweile Marken über das SNAP Programm. Von einer Erholung oder gar einem Erfolg der zahlreichen Stützungsmaßnahmen oder den Anleihekäufen der Zentralbank ist hier nichts zu sehen.

Die Bedeutung einer solchen Entwicklung, die lediglich ein weiteres Merkmal eines Zerfalls der Mittelschicht in den USA ist, kann gar nicht überschätzt werden. Die in den Zentren der großen nicht nur westlichen Städte gelegenen „Glas und Stahl“ Türme mögen einen Besucher, der nur den Flughafen, im Taxi nur sein Telefon und in der Stadt nur das schmucke Hotel mit den dicken Teppichen zu sehen bekommt, täuschen. Wer sich ein wenig von dieser komplett fremdfinanzierten Scheinwelt entfernt, der bekommt in zahlreichen Großstädten rasch ein anderes Bild. Aber was soll’s! Wer will sich schon, so Auge in Auge mit dem Garnelenspieß, durch solch trübe Gedanken die Stimmung versalzen. Aus den Augen aus dem Sinn!

Außerhalb des Blickfeldes vollzieht sich aber eine ganze Menge. Rufe nach mehr Geld im Allgemeinen, weiteren Transferleistungen für die einen und staatlichen Subventionen für die anderen im Speziellen, sorgen für Beschäftigung. Währen alle voll und ganz mit ihren eigenen Wünschen beschäftigt sind, fällt aller Offensichtlichkeit zum Trotz nur wenigen auf, wie weit sich bereits jetzt die aktuellen Ausgaben von den Einnahmen entfernt haben. Das mag man für normal halten, aber wer dies tut, darf im Umkehrschluss auch Staatspleiten nicht ausschließen. Wer immer mehr ausgibt, als er einnimmt, ist irgendwann pleite. Der Gedanke, Staaten könnten ja immer die Steuern erhöhen, und damit wäre schon alles in Ordnung, ist aberwitzig und bedarf keines weiteren Kommentars.

Geld kann man nur einmal ausgeben. Eine Regierung nimmt Geld an einer Stelle weg, verbrennt selbst einen Teil davon und verteilt den Rest neu. Das ist alles. Sätze wie „die Regierung erhöht die XY Steuer, um mit den Einnahmen die Konjunktur anzukurbeln“ sollten mit Stockhieben – natürlich rein symbolisch – bestraft werden“. Nun kann ein Staat durchaus Umverteilungen vornehmen. Per Saldo ändert das aber nichts, wobei in der Realität noch die Reibungsverluste diverser Arbeitskreise hinzugerechnet werden müssen. Leider hält sich der Glaube an derartige Geschichten ebenso hartnäckig wie die abenteuerliche Theorie, etwas kaputtzuschlagen wäre „gut für das Wachstum“. Angenommen wir zertrümmern nun – ganz wachstumsbewusste– daheim die Wohnzimmerscheibe. Für €100 kaufen wir umgehend Ersatz, um den Regen auch zukünftig rauszuhalten. Das Geld ist nun futsch. Mit diesen bereits ausgegebenen €100 kann ich leider weder Schuhe noch Schmorgurken kaufen… (Seite 2)

 

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17 Kommentare auf "USA: Gescheiterte Experimente"

  1. Karl Napp sagt:

    Sollte jemand herausfinden, wie wir das Geld mehrmals ausgeben können, bitten wir um eine kurze Benachrichtigung. Nutzen Sie dazu einfach und unbürokratisch die Kommentarfunktion…

    Das ist recht einfach: Ich leihe mir 100 EURO von meinem Kumpel Frank. Damit zahle ich meine Schulden beim Bäcker, der zahlt damit wiederum seine Schulden beim Vermieter, welcher wiederum damit seine Schulden beim Finanzamt begleicht, welches mir die 100 EURO zurücküberweist, weil meine Steuervorauszahlung zu hoch ausgefallen ist. Dann gebe ich die 100 EURO meinem Kumpel Frank wieder zurück und alle sind ihre Schulden los.

    • Fnord23 sagt:

      Wenn aber nun der Bäcker seinen Kredit mit 5 % verzinst haben wollte? Was ja eher der Realität entspricht.
      Seine Forderung beläuft sich somit auf 105 Euro. Woher nehm ich die fehlenden 5 Euro? Also bekommt er 100 Euro als Tilgung. Und ich steht weiter mit 5 Euro in der Kreide. Das setzt sich nun so fort. Plötzlich sind alle verschuldet und da gibt es kein entrinnen.

      Da unser Geld als Schuld entsteht, wird im Moment der Schöpfung die Zinsforderung aus der Vergangenheit geschaffen. Darum ist es so wichtig, dass ständig neue Schuldner erzeugt werden, die Ihren Konsum durch Kredit befriedigen. Dadurch sind die Schuldner in der Lage sich die Tilgung plus Zinsen zu verdienen, um die Kredite zu bezahlen.

      NIX NACHSCHULDNER = WIRTSCHAFTSINFARKT.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo zusammen,

      @Karl Napp

      nun, eigentlich meinten wir ja, dass man einen Euro nur einmal ausgeben kann.

      Das Beispiel ist beliebt, trägt unserer Meinung nach aber nicht, da die Kreditaufnahme bei Ihrem Kumpel Frank per Saldo nicht vonnöten ist.

      Sie schulden X etwas, X wiederum schuldet Y etwas, Y steht bei Z in der Kreide und Z, das Finanzamt, bei Ihnen. Das ist nun ein schöner Kreislauf und ein geschlossenes System. Die Kreditsumme in diesem geschlossenen System beträgt per Saldo Null Euro, da jeder Teilnehmer 100 Euro Guthaben und 100 Euro Schulden in den Akten hat.

      Eine Injektion von 100 Euro bleibt somit nach Saldierung aller Schulden übrig und kann das System schadlos wieder verlassen.

      Beste Grüße an alle
      Bankhaus Rott

  2. sachse sagt:

    Hi, die Umverteilung klappt nicht, weil die Herren in der Politik immer nur die eine Seite von J-M Keynes gelesen haben. In der Zeit der Prosperität ist eine Reserve anzulegen (!), diese ist dann beim Konjunktureinbruch einzusetzen, also nicht deficit spending.
    Wer in der Schule aufgepaßt hat weiß, daß Schumpeter für 1919/20 in der ersten Republik Österreich Finanzminister war. Er wollte damals einen Staatskonkurs herbeiführen! Warum hat das eigentlich nicht geklappt, wer war dagegen und warum? Weiß das jemand?

  3. quest sagt:

    Wie man dasselbe Geld mehrfach ausgeben kann? Weiß nicht. Erscheint mir auch recht kompliziert. Viel einfacher ist doch das Verfahren einer Bank, nicht vorhandenes Geld in möglichst großen Mengen auszugeben und dafür Tilgung und Zinsen zu fordern.

  4. EXE sagt:

    Jaja Geld mehrmals ausgeben wäre schon schön.
    Leider bleibt dies Privatleuten verwehrt.
    Eine Bank kann dies ja ohne weiteres machen.
    Leider ist diese Wahrheit sehr schwer für Politiker zu verkraften.

  5. matt06 sagt:

    Da unser Geld-Experiment gescheitert ist und die Möglichkeit ein 2.mal sein Geld auszugeben nicht besteht gibts ja vieleicht die Möglichkeit Edelmetallbanken zu Gründen.Die Einzahlungen würden zu einem sehr hohen %-Satz in Edelmetalle umgewandelt,Zinsen gibt es keine aber der Darlehensnehmer zahlt auch keine.Je mehr Banken entstehen,umso mehr steigen auch die Edelmetallpreise…oder kommt dann wieder der Schneeball?

  6. stonefights sagt:

    – joke an –
    @Bankrott
    Ich hätte da ne Geschäftsidee, die auf die derzeitig vorherschende Moral der – sagen wir mal – „ehrlichen Unwahrheit“ beruht.

    @All
    Eure Vorschläge sind einfach zu (sorry) primitiv, aus euch kann nie ein wirklich grosses Bankrott-Haus werden .-)

    Lt. http://www.bundesbank.de/bargeld/bargeld_beschaedigt.php :

    „Die Bundesbank leistet für beschädigte Euro- und DM-Banknoten Ersatz, wenn … nachgewiesen wird, dass die fehlenden Teile von Geldscheinen, von denen die Hälfte oder weniger vorgelegt wird, vernichtet wurden.“

    Geschrieben=getan.

    Wir zerteilen (aus Versehen, versteht sich !) unsere SCHEIN(e) zu 1/3 und 2/3. Die „2/3“-Scheine geben wir mit einem „1.Rettungspaket“, Entschuldigung, ich meinte „1.Erstattungsantrag…“ mit etwas unwahren „Versicherungen“ unserer Bundesbank.
    Als Nachweis fiele mir spontan die Versicherung an Eides statt ein,
    die kleineren „1/3“-Scheine wären an der Leiche von Osama geklebt, sie mögen uns doch helfen, die „1/3“ zu bergen oder uns glauben.

    Nach einer Wartezeit (ala, die Musik spielt und alle tanzen fröhlich weiter) bekommen wir neue Scheine.
    Da wir uns ja (zumindest dieses eine mal) an Recht und Ordnung halten wollen, geben wir die neuen (aus den 2/3-Scheinen entstandenen) Scheine Griechenland als Kredit, sozusagen als unsere Materialgebühr für ihren Verbrennungsofen.
    Nun warten wir, bis der (ach ich liebe dieses Wort) „default“ eintritt, unserer, versteht sich. Sobald Griechenland ein „D“ (Körbchen ?) bekommt, rennen wir zur Bundesbank mit unseren „1/3“-Scheinen und versichern an Eides statt, dass der grössere (ursprüngliche) Anteil der nun vorgelegten (alten) Scheine „verbrannt“ ist.
    Wir bekommen ein zweites mal einen neuen Schein…
    – joke aus –
    So, jetzt stelle ich aber den Rotwein weg, die Sonne brennt auch so komisch…

    Und für die Zuleser dieser neuen Ausgabe der Sendung mit den Schlaus, „liebe Kinder, bitte NICHT nachmachen, das Verbrennen von Geld oder lügen ausserhalb von Eliten, äh Eltern kann extrem schmerzhafte Folgen für euch haben !“.

    Ach, schön find ich auch den Satz „Verwenden Sie bitte den „Erstattungsantrag für beschädigte DM/Euro-Note(n)/-Münze(n)“ für die Einreichung des beschädigten Geldes und machen Sie genaue Angaben … zum Verbleib fehlender Notenteile.“
    Ob mir Schäuble oder Junker hierbei helfen könnten, wenn ich den Antrag ohne physischen Geldschein einreiche, sozusagen als giraler Fiat-Antrag ?
    Shit, ich wollt doch das Trinken aufhören…
    lg, stonefights

  7. samy sagt:

    Ein und den selben Schein mehrmals verprassen?
    Nun man nehme einen ordentlichen Farbkopierer und …. 🙂

    „Ein paar Minuten warten auf einen Berg Lebensmittel ist scheinbar nicht mehr tragbar. In der gleichen Republik – natürlich auch in anderen Ländern – warten Menschen mit leichter Camping-Ausrüstung geduldig vor dem Elektrohöker auf Version 27 des neuesten Plastikmoduls eines Telefonherstellers.“
    Ja, wirklich verrückte Einsichten, man dankt.
    Wenn ca. 50% aller Amis weniger als 10 000 $ angespart haben und seit Lehmann der Konsum weit weniger auf Pump läuft, dann ist das ein echtes Problem für die in Jahrzenten gewachsene Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft der USA.

    VG

  8. samy sagt:

    @stonefight

    „Wir bekommen ein zweites mal einen neuen Schein…“ Excellent, ja wie geil! Wieso nicht halbieren und die Mitten anbrennen?
    Trink weiter, schreib weiter-ich höre zu 🙂
    Wir bekommen alle langsam alle noch „Morbus Fedus“, der Wahn Geld aus Nichts zu machen 🙁

  9. Frank2 sagt:

    Liebes Bankhaus Rott,
    auch ich bin sicher, daß Bernanke und nicht nur er, scheitern wird. Ich möchte mich heute eines eigenen Kommentars enthalten, denn Ihr Text ist zu facettenreich. Ich zitiere deswegen den ersten Absatz des Vorworts, das Margit von Mises im Juni 1977 schrieb (aus Erinnerungen, L. v. Mises):

    „„Ich wollte Reformer werden, doch ich bin nur der Geschichtsschreiber des Niedergangs geworden.““

    „Als mein Mann, Ludwig von Mises, im September 1940 die obigen Zeilen schrieb, war er tief deprimiert. Die wenigen Worte beweisen deutlich seine Stimmung. Er hatte den Zerfall der westlichen Zivilisation kommen sehen, und er fürchtete einen vollkommenden Untergang. Und doch schließen diese“Erinnerungen“ die Hoffnung nicht aus, daß seine Warnungen in einer ferneren Zukunft von der Welt gehört und befolgt werden würden.“

  10. bigpuster sagt:

    Das mit den 5 Euro ist kein Problem. Zum Glück ist der Lehrling des Bäcker gerade krank und ein großer Sack Mehl müßte in die Backstube getragen werden. Dafür gibt mir der Bäcker von den gerade erhaltenen 100 Euro 5 Euro zurück und damit bezahle ich die 5 Euro Zinsen.
    Toll nicht.

    • Fnord23 sagt:

      Hallo bigpuster,

      Deine Hilfsbereitschaft in allen Ehren. Der Sack muss rein, soviel ist mal klar. Dieses Beispiel findet aber in der Realwirtschaft etwas anders statt.

      Eher so:

      Leider hast du jedoch einen neuen 5 Euro Kredit an der Backe. Dafür fallen natürlich gegenüber Fabian dem Bäcker schon wieder Zinsen an. Es handelt sich doch um zwei verschiedene Verträge:

      1. Kreditvertrag über 5 Euro mit 5% Forderungszins
      2. Vertrag zur Erbringung einer Sack-Dienstleistung

      Eine vor fällige Ablösung des 5 Euro-Mikrokredits war zwar möglich – Tilgung der Schuld erfolgt aus der Einnahme von Vertrag 2.
      Aber der böse Bäcker bestand leider auf den Zinsen in Form einer Vorfälligkeitsentschädigung. Hmmm……Woher nehmen?
      Es hilft auch nicht dem Bäcker für die Dienstleistung die 5 Euro plus die Zinsen abzunehmen, weil er ja dann keine 100 Euro mehr hat um seine Schulden komplett beim Vermieter zu begleichen. Von seinem Schuldzinsproblem gar nicht zu reden. Damit verschiebt man das Problem im System nur weiter. In diesem System kann nur einer Gewinnen: Der, der die 100 Euro schöpfte und das erste Mal gegen Zins verlieh.

      Außerdem hast du damit den Beweis erbracht, dass Geld nicht arbeitet.

      Wenn Geld Warenersatzstoff und universelles Tauschmittel wäre, was ich für vernünftig halte, dann müsste Geld die Eigenschaften einer Ware haben. Man könnte 1 Geldeinheit eben auch nur einmal ausgeben. So wie man die Ware „Sprosse“ eben nur einmal essen kann. Gut, im Moment blödes Beispiel.

      Hallo Herr Ponzi, Hallo Frank,

      vielen Dank für diese Seite und den humoresken Umgang mit doch etwas ernsteren Themen.
      Ich hab schon einige Bankangestellte dazu gebracht, Eure Seite zu lesen. Besonders einige von der goldgelben „Staatsbank“. Dort ist man zumindest schon mal soweit, zu merken, dass es ein kleines Problem geben könnte!!!! Da man aber gerade mit dem Vertrieb von tollen Anlagevehikeln beschäftigt ist, das Geld der Kunden muss ja arbeiten,…., muss das Problem noch mal wiederkommen. Dafür hat man jetzt echt keine Zeit.

      Bei diesem ganzen Geldschöpfungszinseszinskäse bekommt ich immer so leicht Gehirnmarmelade. Darum rauch ich jetzt das, was ihr hier alle rauchen. 🙂

      VG aus Sachsen.

      Wenn du den Fnord nicht siehst, kann er dich nicht fressen.

      • Fnord23 sagt:

        Editieren hat nicht geklappt, darum Nachtrag:

        Jetzt hat es aber zwei neue Probleme:
        1.Der Bäcker hat Schulden beim Vermieter in Höhe von 100 Euro plus 5 %. Er trägt seinen Sack selbst rein und beharrt auf seiner 105 Euro Forderung dir gegenüber.
        2. Hast du Zeit den Sack zu tragen? Immerhin bezahlst du damit nur Zinsen. Irgendwann arbeitest du nur noch um Zinsen zu begleichen. Davon wird man nicht satt.

        Das Beispiel ist auch darum unvollständig, weil es eben nicht bei der Geldschöpfung beginnt, sondern zwischen drin.

        VG
        aus Sachsen

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