USA: Eine Weltmacht wird degradiert…

11. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

„Heute ist es ungleich einfacher, eine Million Menschen zu töten als eine Million Menschen zu kontrollieren“. Wenn dieses Zitat von, sagen wir, Josef Stalin stammen würde, dann würde sich darüber kaum jemand wundern. Von Diktatoren und Massenmördern erwartet man nichts anderes…

Die Worte stammen jedoch von Zbigniew Brzeziński. Der Satz zeigt beispielhaft und mit seltener Eindrücklichkeit, von welcher Gesinnung ranghöchste US-amerikanische Regierungsberater sind:

Zusammen mit dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger zählt der polnisch-US-amerikanische Politikwissenschaftler Zbigniew Brzeziński zu den bedeutendsten US-amerikanischen Globalstrategen. Von 1966 bis 1968 war Brzeziński die graue Eminenz hinter US-Präsident Lyndon B. Johnson, von 1977 bis 1981 Sicherheitsberater von Jimmy Carter. In jüngster Zeit hat Brzeziński über die Firma seiner Söhne auf Barack Obama sowie auf den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner im Jahr 2008, John McCain, Einfluss genommen.

In seinem Buch Die einzige Weltmacht aus dem Jahr 1997 fordert Brzeziński, die USA müssten den eurasischen Kontinent unter ihrer Kontrolle halten und rivalisierende Bestrebungen unter allen Umständen verhindern. Ziel sei es, die Vormachtstellung der Vereinigten Staaten zu sichern.

Blickt man heute in die Ukraine, dann sieht man, was aus diesen Forderungen geworden ist – und wohin der Weg führen soll.

Doch genau hier liegt das Problem: Der Weg SOLL zwar ganz offensichtlich in eine Richtung führen, den sich Leute wie dieser Brzeziński ausgedacht haben. Ob er aber tatsächlich dorthin führen wird, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf einige aktuelle Entwicklungen in Asien:

Einiges deutet darauf hin, dass sich die internationale Staatengemeinschaft nicht mehr länger von den USA und seiner „Führungselite“ gängeln lassen möchte.

Insbesondere China fühlt sich schon seit längerer Zeit von US-dominierten Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank bevormundet und nicht ausreichend vertreten. Doch Peking belässt es nicht dabei, die Zustände nur zu kritisieren:

Die vor wenigen Wochen auf Initiative Chinas aus der Taufe gehobene Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) hat das Potential, das dollarzentrierte Weltfinanzsystem vollständig aus den Angeln zu heben. Die Dominanz des US-Dollar und der Vereinigten Staaten als Weltmacht könnte im Zuge dessen schneller zu Ende sein, als man sich das heute vorzustellen vermag:

Ziel der Bank ist es, Investitionen in die asiatische Infrastruktur, in den Straßenbau, in Telekommunikationsnetze und andere Bereiche zu leiten. Dabei soll die AIIB nach den Vorstellungen Pekings ausdrücklich als Gegenentwurf zu IWF und Weltbank verstanden werden.

Nun können sich die Chinesen natürlich viel wünschen und auch Papier ist bekanntlich geduldig. Ihre wahre Brisanz erhält die Geschichte deshalb erst durch die Tatsache, dass die Initiative mittlerweile unter anderem von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Russland, der Schweiz, Hongkong und natürlich von China selbst unterstützt wird – und zwar trotz mehrfacher scharfer Warnungen Washingtons an seine Verbündeten, sich von der Initiative unter allen Umständen fern zu halten.

Doch vielleicht hat der NSA-Skandal einige wachgerüttelt. Selbst Saudi-Arabien, traditionell einer der Erzverbündeten jeder US-Regierung, hat sich der AIIB inzwischen angeschlossen und wird künftig am Aufbau Asiens mitverdienen.

Nur Japan zögert noch. Schließt sich auch Nippon der Asian Infrastructure Investment Bank an, was schon aus geographischen Gründen nur eine Frage der Zeit sein kann, dann sprechen wir hier von einer internationalen Allianz gegen die Vormachtstellung des US-Dollar und der Verreinigten Staaten.

Dass unsere Medien diese hochbrisanten Entwicklungen verschweigen, dürfte maßgeblich daran liegen, dass der lange Arm Washingtons dort (noch) einige Wirkung zeigt. Aber auch das dürfte sich ändern.

Um die eigene Vormachtstellung und die des US-Dollar in der Welt zu sichern, haben Brzeziński und seine Freunde jetzt folgende Optionen:

Sie können versuchen, den Keil zwischen Europa und Russland weiter voranzutreiben, mit dem Ziel, den Kontinent mit einem weiteren Krieg zu verwüsten. Da sich Kriegstreiberei aus Sicht der US-Regierung historisch betrachtet bereits mehrfach „bewährt“ hat, dürfte die Versuchung groß sein, die Strategie erneut anzuwenden. Die Lage in der Ukraine zeigt das.

Die andere Option wäre für die Vereinigten Staaten weitaus ungemütlicher als ein Krieg im entfernten Europa: Sollten sich die USA den Entwicklungen fügen und den Weltwährungsstatus des US-Dollar aufgeben, hätte dies für das Land katastrophale Konsequenzen: Der bislang angewandte Trick, auf den Weltmärkten alle möglichen Güter gegen bedrucktes Baumwollpapier einzutauschen und sich so bei der Völkergemeinschaft immer weiter zu verschulden, würde nicht mehr funktionieren.

Mehr noch: Das Leitmotiv der amerikanischen Währungspolitik, „Der Dollar ist zwar unsere Währung, aber euer Problem“, geprägt von John Connally, Finanzminister unter US-Präsident Richard Nixon, würde sich für die USA unversehens zum Bumerang entwickeln.

Doch es gibt noch eine weitere Option: Die US-Regierung könnte mit der internationalen Staatengemeinschaft kooperieren und sich ebenfalls an der AIIB beteiligen. Da der unvermeidlich anstehende Zerfall des dollarzentrierten Weltwährungssystems ohnehin alle Staaten betreffen wird, wäre dies der mit Abstand vernünftigste Weg.

Tatsächlich scheint in der US-amerikanischen Führungsriege gerade ein Umdenken stattzufinden: Mit dem früheren Finanzminister Lawrence Summers hat in dieser Woche erstmals ein hochrangiger US-Politiker vom Ende der amerikanischen Vorherrschaft in der Welt gesprochen. Der Anlass, Sie ahnen es, ist der gescheiterte Versuch der US-Regierung, seine Verbündeten von der neuen chinesischen Entwicklungsbank AIIB fernzuhalten.

Sollte dies am Ende dazu führen, dass die Vernunft siegt, dann kann man das nur begüßen…

Andreas Hoose Antizyklischer Börsenbrief


 

Schlagworte: , , , ,

7 Kommentare auf "USA: Eine Weltmacht wird degradiert…"

  1. bluestar sagt:

    „Sollte dies am Ende dazu führen, dass die Vernunft siegt, dann kann man das nur begrüßen“
    Wenn man analysiert, welche Kräfte im Schurkenstaat sich derzeitig formieren und an Einfluss gewinnen kann man wohl diese Variante mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen. Kriminellen und moralisch völlig verfaulten Leuten kann leider keine Lernfähigkeit unterstellt werden. Im Gegenteil, sie werden noch aggressiver, brutaler und menschenverachtender wenn sie an Macht verlieren und der Untergang droht. Das kennen wir doch bestens mit dem Kampf bis zum Endsieg.
    „Sie können versuchen, den Keil zwischen Europa und Russland weiter voranzutreiben, mit dem Ziel, den Kontinent mit einem weiteren Krieg zu verwüsten. Da sich Kriegstreiberei aus Sicht der US-Regierung historisch betrachtet bereits mehrfach „bewährt“ hat, dürfte die Versuchung groß sein, die Strategie erneut anzuwenden. Die Lage in der Ukraine zeigt das.“
    Und da es hier genügend eifrige Unterstützer, gewissenlose Handlanger und lernresistente Nieten gibt, muss mit dieser Variante gerechnet werden, zumal die hirnlose Masse wie vor 80 Jahren der Katastrophe treu und brav hinterhertrottet.

    • flowerpower sagt:

      Das Axiom von Darwin:“Nicht der Stärkste überlebt,sondern der Anpassungsfähigste.
      Der Vampier ,der jetzt nicht mit dem Licht im Reich der aufgehenden Sonne zurecht kommt,
      dessen Macht wird sich in Staub auflösen.Das ist so sicher wie sechseckige Schneeflocken.
      Grüßt mir die Morgensonne

  2. Argonautiker sagt:

    Das steht zu befürchten, daß so oder so, Weltmachtbestrebungen über die Währungen im Gange sind. Die Wahl für den Menschen scheint sich also eher darauf zu beschränken, ob diese Weltmacht goldgedeckt, oder rein giral geführt sein wird. Im finalen Diktat sind sich die am „global play“ Beteiligten jedoch einig.

    Der Einzelne, das Individuum, wird dann irgendwann sein Selbst nicht mehr in Sich finden, sondern, in von Außen vorgefertigten, unterschiedlichen, kollektiven Styles aufgehen. Sei was du willst, lala, lala, lala, Du bestimmst,…. Häute, die man sich, wie ein neues cover des Mobiltelefons, je nach Bedarf überstülpen kann.

    Um dieses Diktat zu erreichen, wird die Welt mit Erfolg gerade auf diesen finalen Kampf polarisiert. Ob dieses Diktat nun über eine Gold gedeckte Währung, oder eine reine girale Währung geschehen wird, ist dabei nahezu scheißegal. Eine Scheinwahl. Wohl bekomm’s.

    Das schlimme ist, es gibt genügend, ich nenne es jetzt mal nett, humanistisches Hackfleisch, welches in sich so zerrissen, und wenig gewachsen ist, daß sich darauf freut, von den Stylisten in Form gebracht zu werden.

    Es ging noch nie um Geld, daß war schon immer nur ein Mittel, ein Werkzeug, um Macht über das Leben, und damit Macht über die Seelen zu haben, und zu bestimmen, was jeder Einzelne tun soll. Da mittlerweile fast jeder seine Seele für Geld verkauft, sieht es so aus, als könnte der Plan aufgehen.

    Es sei denn, es gäbe eben wirklich eine Singuläre Kraft, aus der sich ebenfalls eine Bestimmung für die Welt ergeben hätte, und die im Entscheidenden Moment, wie könnte es anders sein, mit etwas Unerwartetem aufwartet.

    Ich halte Washington in der nächsten Zeit also in vielerlei Hinsicht für äußerst gefährdet.

    Schöne Grüße

    • flowerpower sagt:

      Lieber Argonautiker
      Ich habe hier etwas Seelenbalsam:
      Der Indianeropa sagt zu seinem Enkel:
      “Weisst Du lieber Enkel… es gibt zwei Wölfe in uns, die ihr ganzes leben gegeneinander Kämpfen. Da ist der Ego-Wolf. Er ist nimmersatt, möchte unendlichen Reichtum und Macht. Er ist eifersüchtig, streitsüchtig, leidenschaftlicher Kämpfer, weil er süchtig nach Leid ist. Er suchtet immer nach neuen, schmerzlichen Empfindungen und sieht alles schwarz-weiss. Er ist engstirnig und hasst.

      Oft hasst er so sehr, dass er sogar sich selbst hasst. Er spielt die Menschen gegeneinander aus (Teile und Herrsche) und polarisiert. Sein Leben ist der verbissene Kampf um eine nicht erreichbare Allmächtigkeit.

      Der zweite Wolf ist der Herzwolf.
      Er fragt nie nach Nahrung. Er ist immer mit dem zufrieden was er bekommt. Er freut sich, wenn es anderen gut geht (geteilte Freude ist doppelte Freude) und hat immer ein Ohr für das Leid anderer (geteiltes Leid ist halbes Leid). Er ist immer guter Laune und versucht auch immer gute Laune zwischen den Menschen zu erzeugen (Aufwinde, Harmonie).
      Er sieht die Welt immer farbig und schön. Er singt (wo man singt da lass dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder) und spielt gerne mit, liebt die Musik, weil sie gute Laune macht. Wenn man ihn nicht füttert wird er lautlos immer schwächer.”

      Da fragt der Enkel:
      “Opa, welcher Wolf gewinnt dann nun den Kampf?”

      Da sagt der Opa:
      “Den den Du fütterst und den, den andere bei Dir füttern.”
      Der Buddhist sagt:“Kein Ego,kein Problem“
      Grüße mir den Aufwind

  3. Mona sagt:

    Wie naiv sind wir eigentlich?
    Die Eliten haben uns doch schon vor Jahrzehnten ihren Fahrplan mitgeteilt.
    Dieser ist klar: EINE-WELT-REGIERUNG und EINE-WELT-WÄHRUNG.

    Alle loben dieses AIIB und so, und merken nicht, dass es einfach nur ein weiterer Schritt in Richtung Phoenix (Plan, Einführung Eine-Welt-Währung im 2018) ist.

    Alles läuft ganz genau nach Plan.
    Und oben hinaus arbeiten alle zusammen und total einig an diesem Plan:
    China, Russland, EU, USA etc.

    Weltweite Bargeldabschaffung und totale Überwachung sind „on track“.
    Widerstand ist ganz sicher nirgendwo bei der grossen Masse der Schlafschafe zu erwarten.
    Auch bei über 60% Arbeitslosigkeit wird sich rein gar nichts ändern.
    Auch nach einem Mega-Crash wird sich nichts ändern.
    Siehe Griechenland: Die Leute schlucken und leiden halt weiter, die, welche es betrifft.
    Sucht man halt seine Essensreste im Müll.

    Krieg gegen irgendwen ist nur ein Kindergarten-Scharmützel, das niemanden wirklich interessiert. Da geht es nur ums Geschäft / Geld (Wiederaufbau, Rüstungsindustrie) und Eliminierung von unnötigen Essern auf dem Planeten. Who cares. Die Elite sicher zuletzt.

    Hier zwei interessante Links (engl):
    Ökonomisches Endgame erklärt:
    http://www.alt-market.com/articles/2403-the-economic-end-game-explained
    Weltwährung geplant auf 2018
    https://socioecohistory.wordpress.com/2014/07/26/flashback-1988-get-ready-for-a-world-currency-by-2018″-the-economist-magazine/

    • ulfrich sagt:

      Richtig.
      Da die Weltbank „an einer Kooperation“ mit der AIIB interessiert ist, kann mittelfristig sowieso nur eine Weltwährung dabei herauskommen.
      Und die AIIB selbst würde ich auch nicht bejubeln. Infrastruktur und Investition heißt Reibach für die Global players und kaputte Natur, kranke, arbeitslose und kaputte Menschen und Völker für den Rest. Kennen wir doch viel zu lange.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.