USA: Bank-Burn-Rate update

25. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Der aktuelle Quartalsbericht der US Einlagensicherung FDIC zeigt sich von der unterhaltsamen Seite. Höhere Risiken, Bilanztricks und sinkende Reserven sind der Stoff, aus dem die Bankenträume sind. Trotzdem hat es in 2011 erneut viele Banken den USA in die Arme der Konkursrichter getrieben…

Auch für langjährige Beobachter der Branche sind die vielfältigen Möglichkeiten, Gewinne aus dem Hut zu zaubern, immer wieder ein Grund zum Schmunzeln. Unser Favorit ist die vor allem seit 2007 beliebte Möglichkeit, seine eigenen Schulden herunterzuschreiben.

Stellen Sie sich vor, sie haben einen Hauskredit von sagen wir €500.000. Nun erfahren Sie, dass sie vermutlich ihren Job verlieren und auf einen großen Teil ihres Einkommens verzichten müssen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die den Kredit zurückzahlen können. Das nehmen sie zum Anlass, die Kreditsumme in ihrer persönlichen Bilanz auf die Hälfte zu verringern. Die gestrichenen €250.000 weisen sie selbstverständlich als Gewinn aus. Als Bank ist das, wenn sie die Voraussetzungen dafür geschaffen haben und sich dem passenden Bilanzierungsstandard ausgesucht haben, völlig legal. So kamen die meisten „Gewinne“ der großen US-Institute im vergangenen Jahr zustande. Operativ waren die Zahlen der meisten Firmen lausig.

Der zweite wichtige Einflussfaktor der ausgewiesenen Gewinne war die anhaltende Senkung der Risikovorsorge. Da die Ausfallrisiken sich leider nicht wesentlich gemindert haben, ist diese Politik nicht nachhaltig und nur dem Zwang nach (vermeintlich) guten Zahlen geschuldet. Für CNN und die deutsche Börsenberichterstattung hat es vermutlich auch diesmal gereicht doch immerhin fielen die Wunderwege der Bilanzierung diesmal mehr Menschen auf als in den Jahren 2008 und 2009.

Den Pleitetrend in der Branche konnten diese Tricks nicht stoppen. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Insolvenzen bis zum Ende des vergangenen Jahres im Vergleich zu den Vorjahren.

Das Jahr 2011 zeigt eine stabile Insolvenzrate pro Quartal. Die Beschleunigung, wie im Jahr 2009 und die deutlich höhere Zahl an Pleiten wie in beiden Vorjahren blieben dem Sektor erspart. Der Vergleich mit dem Beginn der aktuellen Krise bietet jedoch keinen Anlass zur Sorglosigkeit. Im Jahr 2011 waren 1,28% des Sektors von einer Pleite betroffen. In den Vorjahren waren es 0,29% (2008), 1,69% (2009) sowie 1,96% (2010).

Ein wichtiger Punkt zur Einschätzung zukünftiger Schwierigkeiten ist die problem list der Einlagensicherungsbehörde. Die FDIC wies im letzten Quartalsbericht erfreut auf die sinkende Zahl der Banken auf dieser Liste hin. Dort geführte Institute gelten als finanziell angeschlagen und kämpfen mit der Insolvenz. Die Namen werden aus nachvollziehbaren Gründen nicht veröffentlicht… (Seite 2, noch mehr Pleiten…)

 

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5 Kommentare auf "USA: Bank-Burn-Rate update"

  1. khaproperty sagt:

    Die Tricks sind weder neu noch besonders aufregend und sie gelten grundsätzlich für alle Unternehmen, die bilanzieren, nebst noch einer erheblichen Vielzahl anderer Möglichkeiten. Fragen Sie mal einen erfahrenen WP, der bereit wäre, Ihnen Auskunft zu erteilen.
    Dann etwa erführen Sie vielleicht etwas wirklich Sensationelles bis beinahe(?) Kriminelles.

    Daher auch ist das kaum ein Aufreger. Der wäre vielleicht angesagt, wenn das Bilanzrecht hüben wie drüben endlich mal ordentlich aufgeräumt werden würde.

    Warum es das nicht wird und weshalb es weiter geht mit Ausnahmen und Ausnahmen von den Ausnahmen, wäre mal eine dankenswerte (Kurz-)Analyse wert.

  2. Bankhaus Rott sagt:

    @khaproperty
    Der erfahrene Wirtschaftsprüfer würde vermutlich auch darauf hinweisen, dass eine fair value option für Verbindlichkeiten bei einem Hebel von 20-50 durchaus eine andere Bedeutung hat, als bei einem Industrieunternehmen. Sensationell wäre das natürlich ebenfalls nicht.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  3. crunchy sagt:

    Was heute nicht mehr möglich ist, weil es nicht sein darf: Bilanzierung nach HGB: Haste Gute Berichte? Ein gelernter Kaufmann im Bankgewerbe hat halt noch das Werkzeug im Hinterkopf. Da können Einsicht in die Not, wie sie vom Kollegen Hellmeyer norddeutsch geübt wird nur noch zugelassen werden, weil Not Gebot bricht.
    Keine Kritik an dem aktiven Kollegen: Er redet unser Buch!
    Viel zu lesen darin gibt es freilich nicht mehr: schaut man auf die zunehmenden Steigungwinkel der Tangenten an der Goldkurve…!
    Daraus ableitbar: Kursziel USD 2.400, Äquivalent Silber: USD 90,-.
    Danach: Wie gehabt, grosse Korrektur, anschliessend möglicherweise Überschiessen mit Währungsreform. Aber, schaun mer mal.

  4. Bankhaus Rott sagt:

    @crunchy

    Ja, mit dem allgemeinen Vorsichtsprinzip haben die meisten nicht mehr viel am Hut 🙂

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

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