US-Arbeitslosenquote jetzt offiziell bei 16,2 Prozent

28. April 2009 | Kategorie: Kommentare

Der Begriff „arbeitslos“ ist dehnbar wie ein Gummiband. Im März stieg die offizielle US-Arbeitslosenquote (U3) von 8,1 Prozent auf 8,5 Prozent. Wer keine Arbeit hat, muss nicht zwangsläufig arbeitslos sein. Dazu bedient man sich einiger hochwissenschaftlicher Stellschrauben. Deshalb werden in den USA sechs verschiedene Arbeitslosenquoten herausgegeben, wobei immer die U3-Zahl in den Zeitungen steht bzw. die Börsen bewegt, obwohl es noch fünf weitere Arbeitslosenquoten gibt. Aufschlussreich gilt die U6-Zahl…

Doch zuerst zum offiziellen Teil: Im März wurden 663.000 Jobs gestrichen. Da man im Amerika die Arbeitslosen nicht zählt, sondern schätzt, werden die Vormonate immer „revidiert“. Die heutigen Zahlen berichten vom höchsten Stand seit 1983 Jahren. Inoffiziell ist es ein Desaster wenn nicht noch mehr.

U3 ist immer die freundlichste Zahl. aus der Datenreihe des Bureau of Labour Statistics (Quelle). Nach dem etwas interessanteren U6-Bogen muss man schon etwas genauer suchen. (Quelle). Dieser beinhaltet nämlich auch alle Personen, die U3 ausblendet und informiert etwas genauer über die realen Zustände am US-Arbeitsmarkt. U6 dagegen kommt der Wirklichkeit dabei am nächsten..

Total unemployed, plus all marginally attached workers, plus total employed part time for economic reasons, as a percent of the civilian labor force plus all marginally attached workers.

U6 vermeldet heute eine offizielle Quote von 16,2% Prozent, nach 16,0% im Februar 2009. Interessant auch die Datenreihe der Leute, die länger als 15 Wochen ohne Beschäftigung sind (U1). Da sprang die Rate von 3,7% auf 4,1%. Warum nimmt man diese Zahl nicht als offizielle Referenz?

Egal, welche U-Bahn man jetzt nimmt, ob Linie U1 oder Linie U6, ich wette, mit keiner dieser Bahnen kommt man ans Ziel. Nach der statistischen Methode aus dem Jahr 1980, auffindbar auf der viel beachteten Internetseite Shadow Stats (Quelle), liegt die Arbeitslosenquote jetzt bei nahe 20 Prozent.

Armut wird in den USA zur Normalität. Trotz Staatsausgaben in Billionenhöhe gab es noch nie soviele Snappys wie im Januar 2009. (SNAP = Supplemental Nutrition Assistance Program) Snappys sind diejenigen, denen monatlich eine Beihilfe zum Kauf von Lebensmitteln in Höhe von 112,82 USD gezahlt wird. Bezugsscheine erhalten nur diejenigen, die zwischen 16 und 60 Jahre alt sind und nachweisen können, dass sie auf Arbeitssuche sind bzw. bereit, an Beschäftigungs- und Ausbildungsprogrammen teilzunehmen. Im Januar waren das 32,2 Mio. US-Bürger, oder 11% der Bevölkerung „snappy“, mehr als offiziell arbeitslos sind.

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