US-Wirtschaft auf dem Weg in die Rezession

29. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Claus Vogt  Eine geldpolitische Wende steht nicht bevor. Die Zinsen mittel- und langfristiger US-Staatsanleihen haben im August vorigen Jahres ein Allzeittief erreicht. Seither sind sie trotz der massiven Anleihekäufe der Zentralbank gestiegen. Dieser Zinsanstieg hat sich in den vergangenen Tagen deutlich beschleunigt…

In der Presse werden die jüngsten Äußerungen von Fed-Präsident Ben Bernanke dafür verantwortlich gemacht, die allenthalben als Ankündigung einer geldpolitischen Wende interpretiert werden.

Ich teile diese Sichtweise nicht. Bernanke hat jedenfalls nichts dergleichen gesagt oder auch nur angedeutet. Seine Ausführungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Vielleicht, eventuell und unter Umständen könnte der Umfang des laufenden Quantitative Easing-Programms – also der Einsatz der Gelddruckmaschine zum Kauf von Staatsanleihen und Hypothekenanleihen – möglicherweise etwas verringert werden; vielleicht aber auch nicht. Letztlich hänge weiterhin alles von der Entwicklung der US-Wirtschaft ab.

Diese Ausführungen sind offensichtlich völlig belanglos, und sie sind alles andere als neu. Sie sind typisches Zentralbankbürokraten-Kauderwelsch, das die Public Relations- oder Propaganda-Profis stets verwenden, wenn sie reden wollen, ohne etwas sagen zu müssen. Es bedarf schon großer Phantasie, um aus diesem Gefasel die Ankündigung einer geldpolitischen Wende herzuleiten.

Steigende Zinsen findet Professor Bernanke rätselhaft

Aus charttechnischer Sicht spricht alles für eine vollzogene Trendwende an den Rentenmärkten. Der Zinschart zeigt eine wohlgeformte Bodenformation, die durch einen Ausbruch nach oben beendet wurde. Diese Konstellation signalisiert den Beginn eines Aufwärtstrends, also weiter steigende Zinsen.

Zinssatz 10-jähriger US-Staatsanleihen, 2011 bis 2013

cv-1-2906

Der Chart zeigt eine abgeschlossene Bodenformation und signalisiert damit eine Zinswende. (Quelle: www.decisionpoint.com)

Interessanterweise sind die Zinsen trotz der massiven Marktmanipulationen der Zentralbanken in den vergangenen Monaten bereits deutlich gestiegen. US-Zentralbankpräsident Bernanke nannte diesen Zinsanstieg vor wenigen Tagen rätselhaft. Die eigentlich banale Feststellung, dass sich die Marktkräfte nicht dauerhaft durch die Gelddruckmaschine außer Kraft setzen lassen, scheint den Professor offenbar zu überraschen. Ich bin sicher: Er wird sich in den kommenden Monaten und Jahren noch häufiger wundern… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , ,

2 Kommentare auf "US-Wirtschaft auf dem Weg in die Rezession"

  1. mfabian sagt:

    Zu einer Rezession wird es in den USA nicht kommen. Im Gegenteil: Ich prognostiziere ein GDP von mindestens 3% ab Juli!

    Hellseherei? Nein, Statistik:

    Ab 1. Juli wird nämlich die Berechnungsmethode des GDP in den USA angepasst. Forschung&Entwicklung, Kunst, Musik, Filme, Bücher, Theater werden neu in das GDP mit eingerechnet. Und da diese Gebiete etwa 3% des GDP ausmachen, lässt sich unschwer abschätzen, dass das GDP eben um besagte 3% steigen wird.
    Quelle:
    http://seekingalpha.com/article/1368001-u-s-government-invents-new-way-of-calculating-gdp

    Interessant – um nicht zu sagen „störend“ – finde ich, dass diese Manipula…. – ähhh – Anpassung in den Medien kaum besprochen wird.
    Schliesslich hängen viele Kennzahlen am GDP. So zum Beispiel Schulden/GDP. Die USA dürften per Juli evtl. wieder unter 100% kommen.
    etc.

  2. MARKT sagt:

    Eine Rezession ist aber trotzdem eine Rezession, auch wenn sie offiziell nicht so genannt werden darf!

    Sie haben natürlich Recht mit ihren Anmerkungen zur statistischen Berechnungsmethode. Für mich sind diese offiziellen „Anpassungen“ definitiv ein kriminelles Delikt, welches vom Staat in Auftrag gegeben und auch noch fürstlich honoriert wird.

    Zu den Medien denke ich ist bereits alles gesagt. Vielleicht ist dem ein oder anderen aufgefallen wie von offizieller SEite (Politik, Großkonzerne) die Worte Pressefreiheit, Demokratie, Wahlrecht inflationär benutzt werden. Das krampfhafte betonen dieser „enormen Errungenschaften“ sagt vieles über den tatsächlichen Zustand unseres Landes in der heutigen Zeit. (Hoffentlich war das jetzt nicht zu nationalistisch)

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.