US-Schneeballsystem: Goldene Konsequenzen für Anleger

15. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Die USA sind überschuldet und kommen nicht mehr aus der Schuldenfalle heraus. Das ist die – kaum noch überraschende, sich schon lange aufdrängende – Erkenntnis aus der jüngsten US-Haushaltsdebatte. Bill Gross, mit der Vermögensverwaltung Pimco Herrscher über mehr als 1,1 Billionen Dollar und weltweit größter Investor in Anleihen, zog daraus bereits im Winter die Konsequenzen, indem er seinen Total Return-Fonds komplett von amerikanischen Staatsanleihen befreite.

Dazu machte er Anfang März eine für seinen Staat wenig schmeichelhafte Aussage: „Das US-Finanzministerium begibt Anleihen, und die Notenbank kauft sie. Das ist so durchschaubar wie ein Schneeballsystem, wie das Madoff-System, bis es zerfällt.“

Darin steckt eine knallharte Prognose, die man durchaus so formulieren kann: Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen tendieren in nicht allzu ferner Zukunft gegen Null. Gross ließ dazu einen Monat später das Bonmot folgen: „We’re out-Greeking the Greeks“, was so viel bedeuten sollte wie: Die Schulden der USA sind viel schlimmer als die Griechenlands.

Berechtigte Frage: Warum reagieren die Märkte nicht entsprechend, indem sie Anleihen, wenn schon nicht gegen Null, so doch wenigstens stärker abwärts schicken als in den vergangenen Wochen geschehen? Antwort Nummer eins: Weil die US-Notenbank Fed weiter Anleihen kauft. Antwort Nummer zwei: Weil gut begründete Prognosen, wie im vorliegenden Fall die von Gross, fast nie von heute auf morgen eintreffen, solange Gegenkräfte am Werk sind, hier also die Fed.

Ein gutes Beispiel dafür lieferte die amerikanische Häuserblase, vor deren Platzen Pimco schon 2006 gewarnt hatte. Sie platzte schließlich zwei Jahre später und leitete damit die größte Finanzkrise der Nachkriegszeit ein. Die Gegenkräfte bestanden damals in der allzu großzügigen Kreditvergabe der Banken an zum Teil mittellose Amerikaner und in deren unerschütterlichem Glauben an den nachhaltigen Anstieg der Häuserpreise.

Die hier genannten Fälle erinnern mich an weitere Volltrefferprognosen aus den vergangenen Jahrzehnten, aber auch aus der jüngeren Vergangenheit. Beispielsweise warnte der Japan-Kenner Helmut Becker, der lange in Tokio lebte, Ende der 80er Jahre in mehreren Medien und las Referent in Kongressen vor der japanischen Aktien- und Immobilienblase. Dafür lachten ihn viele Japan-Gläubige aus Wissenschaft und Praxis sogar aus. Wie recht er schließlich bekam, wird am besten daran deutlich, dass der japanische Nikkei-Aktienindex zwischen 1990 und 2009 sage und schreibe 82 Prozent an Wert verlor. Übrigens ist Becker zwischenzeitlich zum Japan-Optimisten geworden.

Ein weiteres markantes Beispiel: Michael Keppler, der von New York aus Fonds berät und Analysen erstellt, in denen er auf die Unterbewertung von Ländern und Regionen hinweist. Vor vielen Jahren hatte er rechtzeitig die Unterbewertung österreichischer, aber auch brasilianischer Aktien erkannt. In beiden Fällen bekam er nach einiger Zeit recht. Zuletzt favorisierte er Aktien aus Russland, Ungarn, Thailand und Ägypten, unter anderem nachzulesen in der April-Ausgabe der Zeitschrift €uro. Geben Sie doch einfach mal bei google.de die Namen Helmut Becker und Michael Keppler ein, dann erfahren Sie mehr. ——>

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3 Kommentare auf "US-Schneeballsystem: Goldene Konsequenzen für Anleger"

  1. Jfo sagt:

    Der wichtigste Satz steht als Letzter im Beitrag:
    „Edelmetallbarren und -münzen sollten Sie allerdings behalten.“

    Wer die inzwischen jahrelange hervorragende Begleitung von Frank Meyer beim Silberinvestment kennt, jetzt ergänzt und vertieft durch den Düsseldorfer im Podcast und auch Einzelbeiträgen, der kann, so er nicht ein (wirklicher) Professional ist, nur einem Satz folgen: „Investiere bei Gold und Silber nur in die physische Ware und mit ihr reite den 2001 gestarteten Primärzyklus aus!“
    Alles andere sind Instrumente der Fiat-Money-Welt, der man ja gerade durch den physischen Besitz der Edelmetalle entkommen will.
    Wer immer noch zu viel Geld für den (Hebel-) Zertifikate-Schwindel zur Verfügung hat, sollte das Geld dem Deutschen Roten Kreuz oder vergleichbaren Institutionen geben, um das Elend dieser Welt etwas lindern zu helfen. Es ist jedenfalls da besser aufgehoben als bei den Emittenten im Derivate-Kino, die sich ob der Dämlichkeit der Käufer dieser Produkte jeden Tag nur scheckig lachen.

    Jfo mit großem Dankeschön für alle Denkhilfen von Frank Meyer und Michael, dem Düsseldorfer.

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