US-Bundesstaaten – Im Bunde mit dem Defizit

16. Dezember 2010 | Kategorie: RottMeyer

Vor lauter Erholungsparolen sind mittlerweile nicht nur die Renditen der bis dato als stabiler geltenden Staaten auf die Überholspur gewechselt. Kurz währte die Freude des Radiomoderators beim Blick auf die Renditen portugiesischer Anleihen, die den „Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen reduzieren konnten“. Schade, wenn es nichts bringt, weil gleichzeitig Bund und Buxl einen Schwächeanfall erleiden und somit wohl weitaus größerer Flurschaden droht…

Angesichts der so gut wie nicht mehr vorhandenen Liquidität im europäischen Peripheriedschungel noch über Sprünge von 50 Basispunkten bei Ramschanleihen zu berichten lohnt ohnehin nicht. Der Markt besteht nur noch aus der EZB und ein paar Spezis, die handeln müssen – in der Regel wohl zum Positionsabbau.

Auch in den USA ist nicht nur der Markt für die Papiere des Schatzamtes unter Druck. Beeindruckend ist der nachhaltige Abverkauf der Municipal Bonds (siehe Artikel „Kommunale Mangelerscheinungen“ ). Hier kommt es weiter zu deutlichen Abgaben, mittlerweile stellen auch viele Marketmaker für Muni-ETFs die Bid-Ask Spanne – wie man so schön sagt – breit aber ehrlich. Auch die Leihe derartiger Papiere für Short Sales gestaltet sich nicht einfach, nicht gerade ein Zeichen überbordender Liquidität. Hier noch einmal der aktuelle Chart des umfassenden S&P Muni-ETFs.

Ein wunderschöner, vom Volumen bestätigter Abverkauf, der kaum Wünsche offen lässt. Besonders ärgerlich für die Emittenten und Besitzer derartiger Papiere ist die Tatsache, dass diese Bewegung fundamental gut untermauert ist. Innerhalb weniger Wochen wurden die Kursgewinne von mehr als einem Jahr mit leichter Hand ausgewischt. Vor dem Hintergrund eines auf dünnem Eis tänzelnden Treasury-Marktes und den trotz QE-Zaubereien in der Breite anziehenden Renditen der Staats- und Hypothekenpapiere ist der stramme Gegenwind aus den desolaten Haushalten der Bundesstaaten das Sahnehäubchen auf dem Problemkuchen. Erste Spuren der neu aufflammenden Nervosität sind auch am Immobilienmarkt wieder zu spüren, der direkt am Tropf sehr niedriger Zinsen hängt.

Der Abverkauf folgt der wirtschaftlichen Realität, wenn auch, wie so oft, mit einiger Verzögerung. Derzeit belaufen sich die laufenden Haushaltsdefizite der US-Bundesstaaten insgesamt auf rund 20% der Gesamtbudgets, da staunt so manch Bewohner der EU Pleitiers. Man hört ja kaum etwas davon. Derzeit liegen die Schätzungen für den Fehlbetrag im aktullen Fiskaljahr bei etwa $130, für die folgende Periode wird von einer Lücke in Höhe von mindestens $140 Mrd. ausgegangen. Immerhin, zusammen mit dem Loch aus dem vergangenen Jahr beläuft sich das Zahlenwerk auf gut $380 Mrd. Zur Einordnung, das entspricht umgerechnet in etwa 40% des so genannten Euro-„Rettungsschirms“ und das allein auf bundesstaatlicher Ebene. Dabei werden die staatlichen Haushalte schon massiv durch Transfers des Staates unterstützt. Klar, hier darf ja zur Staatsfinanzierung gedruckt werden, das erleichtert das Auftreiben der fehlenden Mittel erheblich.

Zur aktuellen Situtation bemerkt das Center on Budget and Policy Priorities (CBPP):

In fact, 2012 could well be states’ most difficult budget year since the start of the recession. Even though state revenues have leveled off after collapsing in the recession, federal assistance to states — mostly from the 2009 Recovery Act — will largely have been used up by the start of fiscal year 2012. That assistance has prevented state cuts in public services — which have been both deep and broad — from being even more severe. We project that the gap that states will have to fill on their own, once the federal assistance has disappeared, will be larger in 2012 than in any of the past three fiscal years.

Gut zu sehen sind die ebenfalls quasi aus der Luft finanzierten Beiträge des Staates über den so genannten Recovery Act. Dessen Ziele seien hier noch einmal kurz in Erinnerung gerufen:

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