US Banken. Der Stand der Dinge.

27. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Die Zahl der Bankenpleiten in den USA wächst Woche für Woche. Seit Januar 2008 rufen im Schnitt zwei Institute den Insolvenzverwalter. Von einer Erholung oder gar einer Umkehr des Trends ist nichts zu sehen. Der Blick auf die Basis der von Banken gemeldeten Zahlen macht klar, warum das so ist.

Marktbeobachter versuchen oft, die offenkundigen Probleme Eigenkapitalmangel und Liquiditätsengpässe mit den von den Banken vermeldeten Ergebnissen unter einen Hut zu bringen. Der Sektor mache doch in den Staaten laut Bankenaufsicht seit März 2010 per Saldo wieder Gewinne, da sollte doch der Druck nachlassen. Das ist nicht der Fall, der Sektor hält das Tempo hoch. Irgendwas scheint mit den Erträgen nicht zu stimmen.

Neben den aktuellen Insolvenzen liefert die Bankenaufsicht FDIC in einer ihrer Publikationen die Erklärung. Der einzige positive Ertragsfaktor im vergangenen Jahr, so die Behörde, sei der Abbau von Risikorückstellungen gewesen. Diese dienen als Vorsorge für Kreditausfälle. Ein Abbau von Rückstellungen senkt den Puffer gegen zukünftige Verluste. Insgesamt sorgten ein schwächeres Zinsergebnis sowie Verluste durch Marktwertveränderungen von Wertpapieren für ein branchenweit maues Zahlenwerk. Ohne den Abbau der Reserven wäre das Ergebnis nicht nur reduziert worden sondern ins Negative gerutscht. Operative Stärke sieht anders aus, der Sektor kämpft nicht um mehr Wachstum sondern um eine möglichst geordnete Schrumpfung.

Der Abbau der Risikovorsorge ist nicht von Natur aus schlecht. Wenn die Qualität der Kredite oder Papiere in der Bankbilanz sich nachhaltig und merklich bessert, spricht nichts gegen eine Rückführung. Dies setzt allerdings bestehende Rücklagen in ausreichender Höhe voraus, was bei den US Banken im Mittel nicht der Fall ist (bei den transatlantischen Freunden in Europa ist das nicht anders). (—>Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

9 Kommentare auf "US Banken. Der Stand der Dinge."

  1. Dreamer sagt:

    Danke für den interessanten Artikel! Sollte eine erneute, große Illiquiditätswelle die großen Player im Bankenmarkt unter Wasser schwemmen, rufen sie wieder, hilflos mit den Armen rudernd, nach Rettung durch den Staat und die Zentralbank. Das Lustige ist nur, sie werden sie sogar bekommen, wie bereits 2008 geschehen. Die Bürger sollen nicht merken, daß ihre Sparguthaben in Wahrheit schon längst verloren sind.

  2. FDominicus sagt:

    Also anders herum es wir mal wieder „gehebelt“. Diesmal ist der Hebel eben „weniger EK“ und das in einem prinzipiell schlechtem Umfeld. Nun denn, dann wird es wohl bald eine Beschleunigung geben. Nämliche noch mehr Pleiten…..

  3. KommissarSchneider sagt:

    Was Banken und Versicherung derzeit machen ist keine Bilanzkosmetik mehr sondern schon eine Bilanz-Schönheitsperation. Deshalb sind auch Zahlen aus dem Bereich kaum noch ernstzunehmen.

    Mich würden gern mal die Gedanken der unteren Angestelltenebene aus dem Finanz-Bereich interessieren. Leben die auch in dieser Traumwelt wie der Vorstand oder reden/denken die Klartext. Die mittlere Ebene im Finanzministerium, ich sage jetzt mal die „normalen“ Beamten, also die die den ganzen Kram wirklich händisch bearbeiten, was denken die?
    Irgendwo im Ministeriumsgebäude muss doch da eine Front sein wo Realisten (Fußvolk) und Phantasten (Führung) aufeinanderprallen? Was passiert an dieser Front, im Ministerium oder in einer Bank? Redet da das Fußvolk Klartext und die Führung hält die Ohren zu?

    Frage an die Redaktion: Was haltet ihr von dem Modell das man bei einer Bundestagswahl die 600 Abgeordneten einzeln in ihren lokalen Kreisen wählen kann, aber keine Parteien mehr als wählbar zulässt.

    Das heißt das jede lokal in seinem Kreis gewählte Person direkt in den Bundestag einzieht. Gerne dürfen sich diese Personen auch zu Parteien zusammenschließen, aber diese Parteien können eben nicht mehr gewählt werden. Dadurch ist ein „anonymes“ Verstecken hinter der Partei nicht mehr möglich. Verantwortlichkeiten und Ansprechbarkeiten währen auf lokale Ebene heruntergezogen, da letzlich nur hier die Wahlentscheidung getroffen wird.

    Parteien sollten also organisatorische Vereinfachungen des Politikbetriebes sein und nicht wie heute ein Bollwerk gegen die Bürger, um Einzel-Politikern die Abwälzung ihrer Verantwortung zu ermöglichen, nach dem Motto „Ich wollte ja , aber meine Partei wollte nicht“.

    • Dreamer sagt:

      Die meisten der einfachen Bankangestellten wissen nur gerade soviel, wie für die Ausübung ihres Berufes unbedingt notwendig ist. Eine umfassende Bildung in Sachen Investition trifft man dort nur sehr selten an. Wer verstanden hat, was abläuft, versucht seine Schäfchen privat ins Trockene zu bringen, während derjenige seinen Kunden weiterhin Sparbücher, Festgelder, Fonds und andere Papierwerte schmackhaft macht. Alles klar, Herr Kommissar?

    • Fnord23 sagt:

      „Mich würden gern mal die Gedanken der unteren Angestelltenebene aus dem Finanz-Bereich interessieren.“

      Wie das eben in Gaubensgemeinschaften so ist. 90% glauben, was die Bank oder der Versicherungskonzern sagt. Was sollen Sie auch tun.

      Von den restlichen 10% haben einige eine ungefähre Ahnung was hier läuft und können das mit Ihrem Gewissen schlecht vereinbaren. Das führt diese dann sofort zur Sinnfrage. Was sollen sie tun? Kündigen?
      Das Gehalt nennen diese auch Stillhalteprämie.

      Die offizielle Bankmeinung aus Vertriebssicht ist: Alles normal!

      Auch wenn da einer aus der oberen Führungsebene mal Sätze fallen lässt: „Wenn die Ertragssituation sich nicht verbessert, dann sind wir in 8 Wochen pleite!“

      Ich sehe das so: Auch 90% der Kunden wissen nicht was hier gespielt wird. Dann passt das doch wieder. Es ist aber auch sinnlos, da einen aufwecken zu wollen. Ich hab das versucht. Lange Zeit, echt. Keine Chance. Eine Riesterrente ist eine Riesterrente und die bleibt.

      VG aus Sachsen

      • silberlocke sagt:

        Ich stimme zu. Allerdings sind nach meiner Erfahrung 10 Prozent noch viel zu optimistisch. Lediglich ein Bruchteil davon weiß wirklich was abgeht, ein weiterer Teil hat eine Ahnung. Aber die Meisten wissen außer Schema F eigentlich gar nichts und viele wollen es auch gar nicht wissen.
        Und wer von denen – die durchblicken – seine Überzeugung nur ansatzweise am Arbeitsplatz lebt, der bekommt ruck zuck einen Gratisflug oder muss in pschychologische Behandlung. Es wird Zeit, dass dieses durch und durch kranke System endlich resetet wird.

  4. Robert sagt:

    Die Bankangestellten, die ich privat kenne, die haben für solche Gedanken keine Zeit. Die sind voll mit der Planung der Urlaube nächstes Jahr ausgelastet, zum Beispiel müssen Katalogangaben mit google earth abgeglichen werden, ob die Entfernung zum Strand stimmt und ähnliches.

    Die Inhaber langjähriger Jobs sind dermaßen saturiert, für die ist die Gehaltsüberweisung am Monatsende gottgegeben.

    Einer der oben Beschriebene ist nach der 87. Umstrukturierung längst kreuzunglücklich in seinem Job. Aber woanders würde er weniger verdienen – und es sind eh nur noch 32 Jahre bis zur Rente…

    Die Angst dieser Leute vor einem Jobwechsel kann ich aber verstehen. Wer die einstellt müsste ja mindestens genauso hirntot sein.

  5. US-Bankenpleiten bisher verhalten…

    Verfolgt man die Bankenpleiten in den USA, so erkennt man, dass die Pleiten in diesem Jahr nachgelassen haben. Im Jahre 2009 und 2010, direkt nach der ersten Finanzkrise stieg die Zahl der Schließungen deutlich an. Während manch ein Beobachter eine Zun…

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.