US-Arbeitsmarkt: Welt der Wunder

2. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Der Begriff „arbeitslos“ ist nicht nur hierzulande dehnbar wie ein Gummiband. Im November fiel in den USA die offizielle Arbeitslosenquote von 9,0 Prozent auf 8,6 Prozent. Grüße aus Harry Potters Zauberbude… Wenn aber 14,7 Prozent der Leute Lebensmittelkarten erhalten, heißt das schon etwas. Statistik machts möglich. Damit ein Hoch auf die hochwissenschaftlicher Stellschrauben. In den USA sechs verschiedene Arbeitslosenquoten herausgegeben, wobei immer die U3-Zahl in den Zeitungen steht bzw. die Börsen bewegt, obwohl es noch fünf weitere Arbeitslosenquoten gibt.

Doch zuerst zum offiziellen Teil: Im November wurden 120.000 Jobs neu geschaffen. Das dürfte nicht schwer sein, wenn der Arbeitsmarkt um 595.000 Stellen kleiner wurde. Hokus Pokus Verschwindibus! Da man im Amerika wie in Bethlehem vor 2.000 Jahren die Arbeitslosen nicht zählt, sondern schätzt, werden die Vormonate immer „revidiert“.Übrigens, es ist eine Telefonumfrage unter 60.000 Haushalten. Und sollte man auf dem Klo sitzen, ist man tatsächlich beschäftigt, ruft mir gerade Volker Schnabel von Mack & Weise zu. Im wahrsten Sinne des Wortes…

Ach, wie ist das schön!

Die heutigen Zahlen lassen den Schluss zu, dass es in den USA brummt. So wurden im November 140.000 Leute in der Privatwirtschaft eingestellt, davon im Einzelhandel 50.000. Weihnachten lässt grüßen. Mehr ausgeben als man einnimmt. Wie geht das?

Und was ist das? Die Stundenlöhne fielen um 0,1 Prozent auf 23,18 US-Dollar. Gleichzeitig arbeiten die Amerikaner unverändert 34,3 Stunden pro Woche. Viel Zeit zum Shoppen mit leerer Tasche…

Die Zahlen für September wurden um 52.000 auf 210.000 neu geschaffene Stellen erhöht – und für Oktober um 20.000 auf 100.000. das sieht doch prächtig aus – zumindest offiziell. Im Folgenden die Entwicklung des Net Birth/Death – Modells. Der Name klingt gefährlich. Ist er auch…

 

U3 ist immer die freundlichste Zahl. aus der Datenreihe des Bureau of Labour Statistics. Nach dem etwas interessanteren U6-Bogen muss man schon etwas genauer suchen. Dieser beinhaltet nämlich auch alle Personen, die U3 ausblendet und informiert etwas genauer über die realen Zustände am US-Arbeitsmarkt. U6 dagegen kommt der Wirklichkeit dabei am nächsten..

Total unemployed, plus all marginally attached workers, plus total employed part time for economic reasons, as a percent of the civilian labor force plus all marginally attached workers.

U6 vermeldet heute eine offizielle Quote von 15,6 Prozent nach 16,2 Prozent im Oktober..  (Seite 2)


 

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6 Kommentare auf "US-Arbeitsmarkt: Welt der Wunder"

  1. holger sagt:

    —>>>Die heutigen Zahlen lassen den Schluss zu, dass es in den USA brummt. So wurden im November 140.000 Leute in der Privatwirtschaft eingestellt, davon im Einzelhandel 50.000. Weihnachten lässt grüßen. „

  2. matt06 sagt:

    @Holger,nichts hätte hier besser gepasst,absolut treffender Link!L.G.Matt06

  3. retracement sagt:

    Ruhig Blut. Ist schon alles in Ordnung so. In Deutschland gabs ja mal ne kurze Phase der Vollbeschäftigung in den 30ern. Das war dann auch nicht so gut. Sicher verstecken sich in der Statistik einzelne Schicksale, die besseres verdient haben und wollen. Wenn ich es so bedenke, stehen mir die 25% Arbeitslose in Spanien näher.
    Der ganze Pulver kommt eh aus Ba-Wü, Bayern und Hessen. Zum Glück gabs die Kontinentalplattenverschiebung (YES! Wieder drei Substantive)!

  4. wolfswurt sagt:

    Also jetzt mal im ernst, keiner einzigen Statistik oder Erhebung egal welcher Regierung kann man noch Glauben schenken.

    Sie lügen, betrügen und stehlen. Alle!

  5. Avantgarde sagt:

    Im Westen nichts Neues….

    …kann ich da nur sagen.

    Alles wie gehabt.
    Die Statistikmagier leisten ganze Arbeit.

    Und wenn den Amis der „Aufschwung“ zu langsam geht dann kann man die Statistik noch weiter anpassen.
    Können ja auch 50Mio Amis Lebensmittelmarken beziehen und die Arbeislosigkeit dennoch auf 7% sinken – gar kein Problem…

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