US-Aktienmärkte auf Rekordständen – Zeit zum Verkaufen?

19. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

In den vergangenen Handelstagen erreichten die US-Aktienmärkte neue Rekordstände. Zuerst markierte der marktbreitere S&P 500 neue Rekordhochs. Wenig später folge der Dow Jones Industrial Average nach. Wenn Sie Ihre US-Aktien noch nicht verkauft haben, liebe Leser, ist dies wohl eine der besten Gelegenheiten, die es je gab.

Wie wir hier schon so oft erwähnten, sind die Märkte kontrovers, bösartig und geradezu unseriös. Immer dann, wenn der Mob extrem wild nach Aktien ist, baut der Markt seine Falle auf.

Langjährige Leser, Leidensgenossen des Tagebuchs, werden nun schnell die Dinge richtigstellen. Wir haben in den letzten vier Jahren mehrere Male davor gewarnt, dass Aktien ein Hoch erreicht haben. Jedes Mal dachten wir, wir könnten die Zeichen an der Wand richtig deuten… und jedes Mal lagen wir falsch. Wir hissten unsere Crash-Warnungs-Fahne.

Aber die arme Fahne flatterte nur im Wind, während die Aktienkurse immer höher stiegen. Schließlich ist die Fahne so zerfetzt worden, dass wir Mitleid mit ihr hatten. Wir falteten sie wieder zusammen und steckten sie weg.

Der Vollständigkeit halber, und nicht zuletzt unserer Reputation wegen, sei erwähnt, dass wir im Jahr 1999 und im Jahr 2007 auch einen Bärenmarkt kommen sahen. Damals war unsere Prognose exakt richtig. Aber in letzter Zeit liegen wir entweder völlig falsch … oder sind eben verdammt früh dran.

Zombies vs. Cronies

Das zeigt wiederum klar auf, was für ein Bluffer Mr. Market sein kann. Er hat die Preise immer höher und höher nach oben getrieben … auch wenn die Weltwirtschaft sich gleichzeitig rapide verlangsamt. Und wir reden hier nicht über eine normale, unbedeutende Verlangsamung. Wir sprechen hier über eine Verlangsamung der besonderen Art – nämlich eine, die von starken Trends verursacht ist und die nicht leicht rückgängig gemacht werden kann.

Zum einen stehen die meisten großen Volkswirtschaften vor einer gigantischen demografischen Herausforderung. Sie müssen mehr alte Menschen unterstützen und es gibt wiederum weniger junge Menschen, die sie unterstützen können.

Dann gibt es das Problem, das durch den Zombie-Crony-Komplex (ZCC) erzeugt wurde. Neue Leser haben möglicherweise noch nicht vom ZCC gehört. Daher werden wird das Phänomen heute erneut hier kurz erklären.

„Zombie“ ist ein allgemeiner Begriff, den wir verwenden, um damit Menschen zu beschreiben, die auf Kosten anderer leben. Leute, die Lebensmittelmarken erhalten; oder Menschen, die nur auf das Geld der Regierung aus sind. Auch Menschen, die vielleicht auch behindert oder alt sind und staatliche Leistungen bekommen, die dramatisch weit über das Maß ihrer eingezahlten Beiträge hinaus gehen. Das alles sind Zombies.

In der heutigen Welt gibt es einen Zombie an jeder Straßenecke.

Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney wurde ja damals berühmt, als er mitgehört wurde, wie er sagte, dass aus seiner Sicht fast die Hälfte der Bevölkerung zombifiziert sei. Und als er es mitbekam, sah er es ein, dass es keinen Sinn macht, auch nur zu versuchen, gegen die Zombies eine nationale Wahl zu gewinnen: denn die Zombies haben extrem viele Wählerstimmen. Andererseits kann man auch nicht gegen die Cronies antreten; denn sie haben das Geld!

Heutzutage herrscht ja ein wenig durcheinander. Früher konnte man sich auf die Zombies verlassen, dass sie für die Demokraten stimmen. Sie lebten in Maryland, in den Vororten von Washington; die Cronies lebten in Virginia.
Heute nimmt Ihnen jemand im dichten Verkehr auf dem Washington Beltway die Vorfahrt, und Sie wissen nicht, wer Ihnen den Stinkefinger zeigt – ein Cronie oder ein Zombie.

Was treibt die Aktienkurse an?

Whoa! Der US-Aktienmarkt kann fast täglich neue Rekorde verzeichnen. Lassen Sie uns nun eine Minute innehalten. Ehrliche Investoren ziehen sich aus dem Aktienmarkt zurück. Neuesten Daten zufolge flossen netto 80 Milliarden Dollar aus US-Aktienfonds bis jetzt in diesem Jahr ab.

Wer kauft?

Dies ist ein Markt der Spekulanten. Und die Nummer 1 der Spieler mit einer unendlichen Menge an Chips für das Kasino spielt mit. Wir reden über die Zentralbanken – die Geld nach Belieben schöpfen.

Nun, alarmiert durch Brexit und die weltweite Verlangsamung, kaufen sie Vermögenswerte im schnellsten Tempo seit 2013 auf.

Ja, der Stimulus durch die Zentralbanken ist mehr als jeder andere Faktor dafür verantwortlich, dass die Aktienkurse nach oben gedrückt werden. So, lassen Sie uns das klarstellen …

Die Zentralbanken verwenden dafür gefälschtes „Geld“, dass niemand jemals verdient oder gespart hat und kaufen damit Anleihen und Aktien auf Rekordniveaus. Gleichzeitig drücken die realen Investoren am Aktienmarkt auf den Exit-Knopf.

Klingt wie ein „viel versprechendes“ Programm, oder was?

Theoretisch können die Zentralbanken weiterhin auf unbestimmte Zeit Aktien und Anleihen mit gefälschtem Geld kaufen. Und der Preis von Aktien und Anleihen kann auch weiterhin im Preis steigen, auch wenn die Wirtschaft abschmiert.

Drei-Ring-Zirkus

Wie wir hier im Tagebuch schon so oft beschrieben haben, arbeiten Cronies und Zombies – Republikaner und Demokraten – zusammen und nutzen die Regierung für ihre eigenen Zwecke. Sie sind die Insider … die Elite … das Establishment – vertreten durch Hillary Rodham Clinton in dieser bevorstehenden Wahl.

Um auch neue Leser mit der Materie vertraut zu machen, sei hier erwähnt, dass öffentliche Politik nicht wirklich von unseren gewählten Vertretern, die klug und umsichtig die jeweiligen Fragen erörtern, gemacht wird.

Der Kongress ähnelt eher einem Drei-Ring-Zirkus als einer wirklich legislativen Institution. Sie können dort jede Menge Freaks und groteske Erscheinungen vorfinden.

Die Touristen, die zu Besuch kommen, werden durch den Marmor, den Rauch und die Spiegel beeindruckt. Aber sie haben keine Idee davon, was wirklich los ist. Das haben die Mitglieder des Kongresses ja auch nicht.

Sie sind zu sehr damit beschäftigt, Geld für die Cronies zu besorgen oder die Hände ihrer Wähler zu schütteln. Da kommen sie einfach nicht dazu, sich die Gesetze, über die sie entscheiden en detail anzusehen. Sie verlassen sich auf ihr Personal, um ihnen zu sagen, wie sie abstimmen sollen und was sie sagen sollen.

Und machen sie sich keinesfalls die Mühe, mit ihrem Abgeordneten in eine tiefe Diskussion über die Nullzinspolitik der Fed oder das QE-Programm einzusteigen.

Oftmals hat er nicht einmal das dünnste, oberflächlichste und eigennützige Verständnis für die Details … und überhaupt keine Ahnung von den Theorien.

Er wird – wenn überhaupt – nur die Mythen des modernen Zentralbankwesens verstehen. Basierend auf ein paar „Stichwortfetzen“, die seine Helfer ihm zur Verfügung stellten.
Quelle: Kapitalschutz Akte
US-Aktienmärkte auf Rekordständen – Zeit zum Verkaufen?(von Bill Bonner)
Was treibt die Aktienkurse an?  (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.