Urlaubsgrüße aus Griechenland: Ioannis, noch nen Retsina…

22. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer

Folgende Post erreichte uns von einem Leser dieses Blogs. Soweit zu erfahren war, schrieb er uns aus Griechenland. Näheres ist nicht bekannt. Seine persönlichen Erfahrungen müssen irgendwo in praller Sonne inmitten von Skylla und Charybdis stattgefunden haben. Den als zeithistorisch zu klassifizierenden Brief möchten wir hier nicht unterschlagen. Bitte schön! 🙂

Ioannis, noch nen Retsina…

Captain Kirk würde das Logbuch bemühen, „Heute ist der 22. Juni, wir schreiben das Jahr 2011“. Mein deutscher Schweinebauch sitzt mit mir am Tresen meiner griechischen Lieblings-Strand-Bar. Wie jedes Jahr steht die Sonne im Zenit, während ich meine erste Karaffe bestelle…

„Ioannis, bitte ein Retsina“!

Wie jedes Jahr verlässt uns an diesem Punkt eine Frau  – ins Meer zum Schwimmen. Während ich den ersten Retsina hinunter stürze, sage ich zu meinem Freund wie jedes Jahr, „Ioannis, dies ist die Frau, die jeden Morgen neben mir liegt, wenn ich aufwache. Manchmal wünsche ich mir einen Ehevertrag oder Alzheimer, dann würde ich jedes Mal eine neue kennen lernen.“

Ioannis, der nur wenig Deutsch versteht, grinst mich an. Ich glaube, er hat verstanden. Während ich von der Karaffe nachschenke, frage ich ihn entnervt, „Ioannis, wie lange spielt diese Jammer-Musik noch?“. Ioannis: „Musik? Spielt ganze Tag. Strom gut. Bezahlt“!

Da war es, meine Initialzündung, das Wort, das bei jedem deutschen Schläfer sein Mabuse-Syndrom ausbrechen lässt. Ich schütte  den letzten Schluck Retsina der Karaffe in mich hinein.

„Ioannis, bitte noch einen Retsina“!

Ich kann es mir nicht verkneifen und rufe noch hinterher: „Ist schon bezahlt“! Ioannis entgegnet von hinten fragend. „Noch nix bezahlt?!“ Einen kurzen Augenblick kann ich den in mir ausbrechenden Vulkan noch zurückhalten, dann sprudelt es aus mir heraus. „Doch, doch, mein Schäuble hat dir doch erst Geld überwiesen, das wird ja wohl reichen“!

Noch bevor er den unbezahlten Retsina wegnehmen kann, versenke ich das nächste Glas in meinem Gluthals. Mir scheint, als hätte Ioannis das Wort Schäuble verstanden. Er grinst wieder. In mir gärt das Gefühl, er wolle mich ausnehmen. Ex und weg – mich erinnernd an irgendwelche Ballermann-Zellen aus längst vergangener Zeit, regt sich die Bereitschaft, mich und damit alles sinnfrei zu trinken.

Ein Spanier setzt sich neben mich. Das nächste Glas Wein lässt meine Zunge unkontrolliert auf ihn los, „Na, Urlaub oder auf Arbeitssuche“? Da er nur grinst anstatt mit mir kegeln zu gehen, nehme ich an, auch er versteht mich nicht. „Ja, ja, grinsen, mehr könnt ihr Südländer nicht! Ich Idiot muss am Ende die Zeche zahlen“. Mein neuer spanischer Freund zeigt Ioannis mit Blick auf meine Flasche, was er möchte. Anstatt einmal nur ruhig zu bleiben, rufe ich „Ioannis, das übernehme ich, muss ich ja eh irgendwann bezahlen“! Beide grinsen wieder, ich hasse grinsende Südländer.

„Ioannis, noch nen Retsina“!

Wir stoßen an, Ioannis hat sich mittlerweile auch ein Glas geholt. Um die Mittagszeit verziehen sich die meisten Gäste in den Schatten. Die Musik ist immer noch so schrecklich. Langsam nimmt meine Zunge an Gewicht zu. „Ioannis, kannst du Sirtaki“? Schlecht. Ioannis kommt um die Bar gelaufen, nimmt mich zusammen mit dem Spanier in die Mitte, und beginnt mit einer für mich und meinen Wein faszinierende Choreographie.

Wir lachen. Mich lässt das Gefühl nicht los, dass sich just in diesem Moment viele Augen von ihren Strandtüchern lösen. Die Hitze fordert ihren Tribut. Mein Schweinebauch lässt mich die Gravitation dieser wahnwitzigen Schritte spüren, während sich mein Hirn mit der Schwerelosigkeit innerhalb einer Ellipse beschäftigt. Bevor mir irgendjemand nachsagt, ich hätte die Südländer losgelassen, brüllt es aus mir heraus: „Ich halte die Südschiene fest, komme was wolle, dieser Tanz ist alternativlooooooooooos“. Ich muss lachen… (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "Urlaubsgrüße aus Griechenland: Ioannis, noch nen Retsina…"

  1. Andre sagt:

    Ja….!
    Auch eine Möglichkeit, schönen Resturlaub und gute Heimreise. Bitte nicht das ganze Fiat in Greece ausgeben, denn der Mann mit dem Rollstuhl braucht auch seinen Job!

  2. rolandus sagt:

    Es geht also nicht nur mir so, das uns Zahler der Helm brennt, wenn wir zu lange in diesen Schuldensümpfen herumschwimmen . Muß ich immer dran denken wenn eine Riesenwelle ankommt…Auweia, schon wieder 10 Mrd die gleich an dieses Land geschwemmt werden und dann macht es einmal rrrrrruuuuuuuummmmmmmmms und die Wasser/Geldausläufer versinken im schwarzen Vulkansand…auf nimmer wiedersehen.

    Ciao vom Atlantikrand
    rolandus

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