EFSF? Unverkäuflich!

1. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

In abendfüllenden Tischgesprächen beschlossen die versammelten Regierungschefs der Eurozone unlängst zahlreiche Maßnahmen. Die Ergebnisse des Treffens sind ein Musterbeispiel der Intransparenz. Schade, denn da man immerhin die Notwendigkeit einer Insolvenz einiger Staaten scheinbar nach drei Jahren verstanden hat, wäre es Zeit für einen großen Schritt gewesen. Mit 34 Beinen allerdings, wer geriete da nicht ins Stolpern.

Beschlossen wurden verschiedene Aktionen. Besonders der Schuldenschnitt Griechenlands stand im Fokus der Berichterstattung nach dem Gipfel. Manche Medien sprachen gar von einem Schnitt der griechischen Verbindlichkeiten im Umfang von 50%. Leider liegt das Resultat einer Zählung bei Tageslicht näher an einem Wert von 30%. Das dürfte ungefähr der Betrag sein, der allein in der Zeit seit dem ersten Rettungsplausch an neuen Schulden aufgelaufen ist. Nicht einmal diese Summe steht fest, denn durch die unsägliche Konstruktion als „freiwilligen Schuldenerlass“ kann niemand sagen, welcher Betrag schlussendlich aus dem Schuldenregister gestrichen werden kann.

Mittlerweile diskutiert man in Banken übrigens erneut, ob man nicht für Kurse unter 50% die kurzlaufenden Papiere Griechenlands kaufen sollte. Natürlich nicht, um sie sofort für schlappe 50% abzugeben, sondern in der Hoffnung auf eine Rückzahlung zu Beginn des nächsten Jahres. Zu pari, was einer Verdoppelung plus Zinseinkünften entspräche. Man probiert offenbar gerne die gleichen Ideen selbst dann ein zweites Mal aus, wenn der erste Versuch kolossal gescheitert ist. Das kommt bei  zusammengeschusterten Lösungsversuchen heraus. Benötigt werden nicht markige Worte vom sonnigen Europa und der grenzüberschreitenden Solidarität. Gefordert sind klare Lösungen, nicht offenbar in ebenso großer Hektik wie Unkenntnis beschlossene Irrungen.

Abseits der Aktienmärkte hielt sich die Euphorie an den Märkten trotz eines durchaus bemerkenswerten Einatmens an die üblichen Grenzen des Irrsinns. Da die strukturellen Probleme ungelöst blieben, kann von einer baldigen Wiederkehr der altbekannten Schwierigkeiten ausgegangen werden. Die skurrile Note darf dabei nicht fehlen. Wer hätte jemals gedacht, dass es einmal einen Schuldenschnitt gibt, und ein Land danach eine Verschuldungsquote von etwa 100% des Bruttoinlandsproduktes aufweist. Die Eurozone macht‘s möglich. (Seite 2)

 

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12 Kommentare auf "EFSF? Unverkäuflich!"

  1. Jenny sagt:

    Ich stelle mir immer häufiger die Frage, warum sie Dinge tun, deren Scheitern sogar von 12 Jährigen vorhersehbar ist. Ich tendiere zunehmend zu der Antwort, dass es böse Absicht ist. Das Motiv? Weiß ich nicht! Aber lässt sich dieser ganze Schrott in den letzten Jahren wirklich durch Dummheit noch begründen?

  2. p.koslowski sagt:

    ich stimme dir zu Jenny. Ich glaube die wussten das es in die Hose gehen würde und verspielen derzeit das Vertrauen, welches sie in Zukunft zum regieren bräuchten. Später dann werden Vorwürfe von allerorten zu hören sein, dass sie unfähig waren die Situation zu lösen. Das wird die Regierung noch mehr lähmen und handlungsunfähig machen. Das Prinzip Belgien (Regierungslos) könnte eintreten. Nur wofür? Um nicht einzugestehen das man unrecht hatte was die Zukunftsfähigkeit des Euro betrifft oder um den großen DAX-Unternehmen sagen zu können wir haben euer Exportmodell versucht zu verteidigen? Perfide Sache, das Spiel mit und an der Macht. So sind Spiele aber scheinbar…
    Paula

  3. auroria sagt:

    @Jenny:
    1. Zeit gewinnen.
    2. Man brauchte dieses Modell um dem deutschen Bundestag vorzutäuschen, dass man hebeln kann, ohne das Haftungsrisiko zu erhöhen.
    3. Um dann wenn sich keiner findet, es als „alternativlos“ hinstellen zu können, dass die EZB doch eine Bankenlizenz für den EFSF ausstellt und Geld druckt.

    Was mir momentan mehr sorgen macht, ist die geplante Abstimmung in Griechenland.
    http://www.sueddeutsche.de/politik/volksabstimmung-in-griechenland-zu-eu-hilfen-an-papandreous-referendum-plan-verunsichert-eu-partner-1.1177691
    Es sieht derzeit danach aus, dass die verloren wird, was auf einen Austritt von Griechenland aus dem € hinausläuft.
    Wie praktisch, dass jetzt der EFSF einen Hebel hat um die Folgen abzufangen …

  4. khaproperty sagt:

    Richtige Analyse zu EFSF und Euro.
    Es wächst der Zweifel, ob die es überhaupt noch Ernst meinen mit der vielbeschworenen Rettung der Gemeinschaftswährung.
    Immerhin wäre für Deutschland jedenfalls die unbestreitbar beste Lösung der eigeninitiative Austritt aus dem Euro unter Hintanlassung all der Probleme der PIIGS nebst anderen Staaten.
    Es ist zu vernehmen, daß De La Rue in GB bereits fleißig DM-Scheine druckt. Einem großen einschlägigen Maschinenbauer werden Aufträge über Spezialmaschinen zur Wiederaufarbeitung alter Währungen nachgesagt.
    Vermutlich nur Gerüchte – oder? Wäre auch zu schön, um wahr zu sein. Abgesichts der unterdurchschnittlichen Qualität des politischen Personals im Lande wäre eine derart mutige und vernünftige Großtat auch kaum zu erwarten.

  5. marco sagt:

    „Man probiert offenbar gerne die gleichen Ideen selbst dann ein zweites Mal aus, wenn der erste Versuch kolossal gescheitert ist.“

    Das erinnert mich an eine treffende Definition des Begriffs „Irrsinn“:

    Irrsinn ist, immer wieder das Gleiche auf immer die selbe Art und Weise zu machen in der Hoffnung, ein anderes Ergebnis zu erzielen.

  6. FDominicus sagt:

    Ich bleibe dabei, kein Geld für irgendetwas wo irgendwie Staat drin steckt. Jedem selbst überlassen ob er mit Griechenland spekulieren will, ich werde persönlich nur über diesen „netten“ deutschen Staat mitmachen. Aber nicht einen Cent freiwillig an irgendeinen Staat weiterreichen…

  7. Bankhaus Rott sagt:

    Der Sprecher des EFSF gab heute bekannt, dass die geplante Anleihe-Emission verschoben wird. Offenbar kann sich der als Stützungsvehikel geplante Fonds bereits jetzt nur bei schönem Wetter refinanzieren.

  8. Personenschaden sagt:

    Die Gläubiger glauben nicht mehr, und die Kirche „Euro“ verliert ihre Anhängerschaft, nachdem den Hohen Priestern keiner mehr das Dogma abnimmt, dass es ohne Euro Krieg in Europa gibt.

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