Unübersehbare Signale: Nach dem Bruch wichtiger Unterstützungen

16. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Für viele Marktteilnehmer waren die jüngsten Konjunkturzahlen einigermaßen schockierend. Mit einem Minus von 10,5 Punkten ist der Index der Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf -3,6 Punkte und damit wieder ins Minus gerutscht. Auch bei der Einschätzung der aktuellen Lage ging es kräftig nach unten.

Um satte 22,2 Punkte gab der Index nach und lag mit 3,2 Punkten nur noch knapp über der Nulllinie. Beide Werte kamen deutlich schlechter herein als dies im Vorfeld erwartet worden war. Daher verfehlten die Schockzahlen auch ihre Wirkung auf den DAX nicht, der kräftig nachgab. Am Mittwoch vermiesen die schlechten US-Einzelhandelszahlen zusätzlich die Stimmung in Deutschland.

Überraschung für Realitätsverweigerer

Ganz so überraschend ist der Konjunktureinbruch allerdings nicht. Vielleicht hatten sich die Marktteilnehmer zu lange von einem hohen Kursniveau einlullen lassen. Auch dürfte das Publikum allzu bereitwillig die Mär von der besten aller deutschen Konjunkturwelten geglaubt haben. Nach Jahren der Krise war der optimistische Blick nach vorne fast zur Bürgerpflicht geworden. Alles andere waren notorische Schwarzseher. Dabei war das überwältigende Gefährdungspotenzial für die deutsche Wirtschaft einem zwar weniger optimistischen, dafür aber klareren Blick durchaus zugänglich:

Zum einen war da die Sonderkonjunktur in Folge der Eurokrise. Diese war im Wesentlichen jenen Kapitalströmen aus der Euro-Peripherie zu danken, die im deutschen Hafen nach Sicherheit suchten. Neben den Maßnahmen der Finanziellen Repression leisteten sie ihren Beitrag zur Asset-Preis-Inflation am Anleihen-, Immobilien- und Aktienmarkt.

Angesichts dieser Scheinblüte konnte leicht in Vergessenheit geraten, dass die Euro-Krise weiter munter vor sich hin schwelt. Wie könnte es auch anders sein. Bislang ist noch rein gar nichts zu deren Entschärfung geleistet worden. Lediglich erfolgte die „Rettung“ über frisch gedrucktes Geld immer weniger schlagzeilenträchtig auf EU-Sondergipfeln im Zwei-Wochen-Takt, sondern im Rahmen einer sich selbst ermächtigenden EZB und eines im Verborgenen wirkenden ESM.

An der Grundsatzproblematik der Kunstwährung hat das nichts geändert. Insbesondere das Auseinanderlaufen der Produktivität zwischen Frankreich und Deutschland wirft erhebliche Fragen für die Zukunft des Euro auf. Beide Länder sind zwar nicht gerade ein „Dream-Team“, stellen aber doch das wesentliche Duo der Euro-Politik dar – freilich aus vollkommen unterschiedlichen Motiven. Das Kalkül mancher Euro-Politiker besteht ja ganz offen darin, dass eine Schwächung der deutschen Wirtschaft die Verspannungen innerhalb der „Zone“ abmildert. Wer dann allerdings die Lasten dieser Währung tragen soll, bleibt bei solch kurzsichtiger Flickschusterei offen.

Schuss ins Knie

Zu diesen bekannten Problemen hat sich im laufenden Jahr die Sanktionspolitik gegen Russland gesellt. Wenn man sich die Geschäftsberichte deutscher Unternehmen ansieht, dann wird unmittelbar klar, welche Hoffnungen man hierzulande auf diesen Markt gesetzt hat. Oft ist diese Region einer der wenigen Wachstumsträger überhaupt gewesen. Hier wurde viel Porzellan zerschlagen.

Wer glaubte, die Politik der Nadelstiche gegenüber Russland werde spurlos an der deutschen Wirtschaft vorübergehen, der musste schon besonders naiv sein – der klassische Schuss ins Knie. Dabei hat der Winter auf der Nordhalbkugel noch gar nicht begonnen und russisches Gas könnte für das energiegewendete Deutschland schneller zum Thema werden als es uns lieb sein kann. Mögliche Konsequenzen des Aufruhrs im Nahen Osten sind da noch nicht einmal angesprochen… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "Unübersehbare Signale: Nach dem Bruch wichtiger Unterstützungen"

  1. Michael sagt:

    Der DAX ist heute schnittig zurückgekommen mal von 8353. ATX war schon unter 2000, aber was konkret Wien halt zurück katapultiert bis zum Abend ist nicht ganz klar.

    War heut morgens etwas erstaunt ging schon etwas eilig nach unten. Jetzt ist Abstieg wieder eher gemütlich.

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