Unterbezahlte Verlustbringer

25. Februar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Ach, die Commerzbank. Eigentlich möchte man schon gar nicht mehr über den fast volkseigenen Betrieb schreiben. Regelmäßig aber wird der Beobachter durch den Schlachtruf der gelben Finanzbrigade aufgeschreckt. Ja, wir wollen Euch schon bald Euer Geld zurückzahlen! Wie schön. „Dann zahlt doch einfach und redet nicht!“, möchte man entgegnen. Dabei ist die Bank der Rekapitalisierung wohl so fern, wie das Finanzsystem einer strukturellen Gesundung…

Der allgemeine und von zahlreichen Gazetten immer wieder aufs Neue geradezu dankbar aufgenommene Wunsch zur Rückzahlung wird von fröhlichen Botschaften begleitet. Denn sehet, es entsprang dem Konzerne ein Gewinn! Die Zahl von rund 1,3 Mrd. Euro machte schnell die Runde. In Gesprächszirkeln wird das börsennotierte Papier des staatlich gestützten Unternehmens gar schon mit einem niedrigen KGV (au backe…) in Verbindung gebracht.

Nun, aus gegebenem Anlass wollen wir kurz auf das Zahlenwerk eingehen und die im vorläufigen, nicht testierten Bericht genannten Daten  ins Verhältnis setzen. Hier ein Auszug aus den veröffentlichten Unterlagen.

Der Kern der Bankpräsentation ist naturgemäß das Ergebnis vor Steuern. Das nehmen viele Medien gerne auf, es ist einfach und lässt sich schnell erfassen. Plus ist gut, minus ist schlecht. Schön auch immer wieder, was die Risikogewichtung so alles anrichtet. Von den €754 Mrd. an Assets bleiben nach der wunderbaren Risikoverbergung noch €267 Mrd. übrig – so klappt’s auch mit der Eigenkapitalquote.

Werfen wir einen kurzen Blick auf den Ursprung des Gewinns, denn so lässt sich rasch eine Aussage zur Nachhaltigkeit der Erträge machen.

Wir sehen auf den ersten Blick, woher gut die Hälfte des Ertrages stammt. Ursprung ist die Portfolio Restructuring Unit – eine Einheit, die in vielen Banken seit ein paar Jahren weit verbreitet ist. Hier werden in der Regel Abbauportfolios beim Abschmelzen beobachtet oder aktiv abbaut. Es handelt sich folglich nicht eben um ein Zukunftsgeschäft. Zudem lassen sich eingetretene Wertaufholungen nicht auf das kommende Jahr übertragen, denn eine Anleihe, die von 40 auf 90 gestiegen ist, hat naturgemäß nicht mehr das gleiche Potenzial.

Das traurige Ergebnis des 20.000 Mitarbeiter umfassenden Privatkundengeschäftes beläuft sich auf gut €2.400 pro Angestelltem. Nimmt man die stolz genannte Zahl von 5,7 Millionen Privatkunden, so bleibt bei jedem Kunden die erkleckliche Summe von €8,42 in der Kasse. Na, hoffentlich steigt das Porto nicht. Sollte Ihnen in diesem Jahr wieder einmal ein kostenpflichtig versandter Kontoauszug aufgezwängt werden, so haben Sie auf diesem Wege schon gut ein Achtel ihrer persönlichen Kundenpflicht erfüllt… —> weiter

 

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2 Kommentare auf "Unterbezahlte Verlustbringer"

  1. Kleine Presseschau vom 25. Februar 2011 | Die Börsenblogger sagt:

    […] Rott & Meyer: Commerzbank – Unterbezahlte Verlustbringer […]

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