Unter-investiert oder unter-informiert?

14. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Den Deutschen ist die Welt der Mythen und Sagen nicht fremd. Vor allem die Investmentgemeinde in TV, Radio und Gazetten wird nicht müde, althergebrachte Geschichten unters Volk zu bringen. Eine der lustigsten ist die Mär vom unterinvestierten Investor…

Gerne wird hierzulande von der „Aktienkultur“ gesprochen. Diese fehle in Deutschland beklagt so manch wichtige Person. Was genau man darunter zu verstehen hat, wird selten erläutert. Der unbedarfte Beobachter könnte denken, man wünsche sich Aktionäre, die aktiv sind, auf Hauptversammlungen anwesend sind und die Aussagen der Angestellten Vorstände beurteilen. Was der Eigentümer eines Unternehmens halt so macht. Danach sehnen sich jedoch, wer einige Hauptversammlungen besucht hat kann das beurteilen, nur wenige der Klagenden. Vielmehr versteht man unter der herbeigesehnten „Aktienkultur“ einfach nur Anleger, die regelmäßig möglichst viel Geld in Firmen investieren, die sie nicht kennen, dann den Mund halten und die Papiere bestenfalls mit dem Dahinscheiden an die Erben übertragen. Falls dann noch etwas zum Übertragen da ist.

Um den Menschen klar zu machen, dass die Aktienquote im Depot nie hoch genug sein kann, steigert man das mediale Werbefeuer in der Regel nach mehrjährigen Aufwärtsbewegungen, da sonst niemand zuhören mag. Die Langfristanlage wird dann mit den frisch erreichten mehrstelligen Kursgewinnen einiger Aktienindizes beworben. An unterhaltsamen Äußerungen herrscht zu diesen Zeiten kein Mangel.

5Alternativlos, wie hübsch. Besonders putzig ist die Erinnerung der FAZ, die von der Empfehlung zu den höchsten Aktienquoten seit 2007 spricht. Das war seinerzeit keine besonders gute Idee. Immerhin hat man sich mittlerweile – vor Gebühren – wieder leicht ins Plus geschlichten und hinkt den Unternehmensanleihen nur noch um 26% hinterher.

11

 Das Mantra des sorglosen „buy and hold“-Ansatzes ist eine Nachwehe der bemerkenswerten Hausse von 1982 bis zur Jahrtausendwende. Wer in dieser Phase seine finanzielle Sozialisation erfahren hat und die Zeit danach nicht genutzt hat, um einen Blickin die Geschichtsbücher der Finanzmärkte zu werfen, hält vermutlich dauerhaft hohe Renditen für unvermeidlich.

Auf die Frage, was genau mit „langfristig“ gemeint ist, erhält der fragende Anleger selten eine Antwort. Man müsse die Papiere eben nur“lange genug“ halten, um geradezu zwangsläufig ins Plus zu laufen.. (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

7 Kommentare auf "Unter-investiert oder unter-informiert?"

  1. FDominicus sagt:

    Also ich habe das mit dem Kaufen mal vor einiger Zeit mit DEC „probiert“, da es „nur“ eine Aktie war, bin ich mit einem Totalverlust davon gekommen ;-(…

    So kann es eben auch gehen, aber es ist eben überall dasselbe. Man weiß eben nicht was die Zukunft bringt….

    • bluestar sagt:

      @FD
      Da sind Sie nicht allein, in meiner Bilanz gibt es auch 2 Aktienkäufe mit Totalverlust
      ( MCI Worldcom und Baan ).
      Ansonsten höre ich in meinem Umfeld fast nur Erfolgsgeschichten.
      Deshalb vielen Dank für Ihren Mut:)

  2. wolfswurt sagt:

    „Nun ist oft zu hören, „die Anleger“ seien in Aktien unterinvestiert. Das ist zunächst einmal sachlich falsch, denn jede Aktie wird zu jeder Zeit von jemandem gehalten. Will jemand seine Aktienquote hochfahren, muss ein anderer seine Quote herunterfahren.“

    Der Grund für die Rufe ist der Mangel an Deppen die zu Höchstkursen übernehmen.
    Man könnte auch die Gleichung aufstellen: Je größer der Deppen Mangel desto lauter das Geschrei.

    • Michael sagt:

      So hart würde ich das nicht ausdrücken. Inhaltlich trifft’s den Nagel auf den Kopf. In dem Punkt bin ich optimistisch.

      • wolfswurt sagt:

        Hart ist der Markt.
        Fischmarkt Hamburg: Je näher das Ende rückt um so lauter werden die Bananen unters Volk geschmissen.
        Anleihen, Aktien, Gold, Zertis, Orangen oder eben Bananen alles funktioniert nach der gleichen Methode.

        • Michael sagt:

          Es gibt eine kleine Unterscheidung. Richtig ist, man braucht nicht etwas kaufen das im großen Stile wird versucht unter die Leut zu bringen insbesondere wenn sich der Verdacht regt, dass die Verkäufer die Segeln gedenkt zu streichen. Das wäre dann die heiße Kartoffel weiterreichen.

          Warum verkauft derjene? In der Theorie könnte man davon ausgehen, er hätte sich eine bessere Alternative gefunden und ist mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden. D.h. der Verkäufer will seine Position in der Hoffnung auf höhere Gewinne verbessern. In dem Fall sind wir im ganz normalen Wertpapier An- und Verkauf im ausgeglichenen Umfeld.

          Das glaubt der kleine Investor, das wird dem unbedarften Kleininvestor vorgegaukelt oder noch schlimmer derjene hat nicht die Wahl, muss über Zwangsabgaben in einen Pensionsfonds einzahlen, der gibt, wie gestern berichtet, das Geld zu Blackrock. Vermutlich fördert er damit den Abbau seines eigenen Arbeitsplatzes. Das nennt sich 2te Pensionssäule. Naja so ist das Leben eben, das Geld hat kein Mascherl.

          Beim potentiellen Übergeben der (Wert)papiere an willige Opfer mit der Absicht jemanden zu finden der die Papiere hält bis die Korrektur durch ist schaut die Sache anders aus. Im Moment ist das Spiel so organisiert. Richtig aber in keinem Markt wirklich anders.

          Ich kaufe allein nach Crashes zu und soviel relativ hurtig wieder ab, dass der Einstandspreis gegen 0 geht und Spesen reduzieren. Da läppert sich auch etwas zusammen über die Jahre. Kommt alle paar Jahre mal vor.

          Woran ich mich nie beteilige – wäre bei hohem Preisniveau noch 10% machen und dann indirekt einer armen Haut das Wertpapier in die Hand zu drücken. in der Hoffnung jemand anderer schickt den Lift nach unten. Gewartet wird im Keller und wie das Lämmchen wird geblökt, ‚Ich kaufs dir eh wieder ab‘ und raufgefahren wird mit dem Lift, Solch ein Vorgehen ist meiner Ansicht nach für kein Markt oder Teilnehmer rühmlich. Das ist Gaunerei.

          Wenn Profis sich gegenseitig Aktien in dem Umfeld zuschieben ist das etwas anders gelagert.

          Es sind andere Qualitäten bei der Suche von Vorteil.

  3. Michael sagt:

    – Auch eine Aktie ist jedoch nichts anderes als ein Anteilsschein, der für den Käufer
    – das Recht auf zukünftige Cash-Flows bedeutet.
    Sie Zahlen ja ein paar Jährchen ‚Cash Flow‘ im Voraus mit.

    Wenn man sich die NASDAQ anschaut, die zieht grad weg wie vor 2000…
    http://www.macrotrends.net/1310/the-four-biggest-us-bubbles

    DOW
    Schauen wir mal
    http://www.macrotrends.net/1319/dow-jones-100-year-historical-chart

    Errinnert irgendiwe and die Formationen der späten 50er frühen 60er Jahre.

    Wenn man, zurückschaut auf 1913 und Kaufkraft mitberücksichtigt, dann sind wir irgendwobei seinen es 500 oder weniger. Mal abgesehen davon. Nicht jede Korrektur heißt es geht wieder rauf. 100 Jahre DOW zeigen ein ganz anderes Bild. Außer, dass seit 2000 praktisch nix weitergeht. Wenn ein Korrektur ähnlich 1982 kommt – so ca. Korrektur auf 4000 – 6000. Das 3 bis 4fache war der Höchststand vor Korrektur. In der günstig Phase sind wir nicht mehr. Aktienmärkte brauchen Versorgung sonst sähe man ja bereits den Abstieg vom 2000er Niveau.

    Deswegen wäre selbst ich vorsichtig. Der einzige der noch rotiert am Ende ist derjene der zuletzt kaufte, den bestraft die Geschichte. Eine maßgebliche Korrektur kommt und das war möglw. dann sogar der letzte Anstieg in unserem Währungssystem, wenn man nicht allzu optimistisch ist.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.