Unser Kursziel für die Amazon-Aktie

13. Juni 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Heute schauen wir uns hier im Tagebuch eine von unseren Lieblingsaktien an. Also, es geht um den „Fluß ohne Wiederkehr („River of No Returns“), Amazon.com.

Jüngst war es ja soweit. Die Aktie erreichte die magische Schwelle von 1.000 Dollar. Die unmittelbare Ursache dieses bemerkenswerten Kursanstiegs war wohl der letzte Quartalsbericht. Amazon hat im ersten Quartal sage und schreibe $ 1,48 pro Aktie verdient.

Wie viel sollte so eine Aktie wert sein? Wir haben im Laufe der Jahre eine Reihe von Unternehmen, Aktien gekauft. Es ist ja fast schon zur Routine geworden. Wir haben eine Formel, die wir für neue Geschäftsakquisitionen sowie für alle anderen möglichen Käufe anwenden.

KGV von vier ist unser Limit

Also, grundsätzlich schauen wir uns die Gewinne der letzten drei Jahre an. Dann rechnen wir uns daraus den Durchschnitt aus und multiplizieren den mit vier. Ja, Sie lesen richtig: VIER!

Ein Partner, der zum Beispiel in den Ruhestand gehen will, kann seine Beteiligung am Unternehmen zum vierfachen Jahresergebnis ans Unternehmen zurückverkaufen. „Sie kaufen Unternehmen mit einem ultra-niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von nur vier?“ So oder so ähnlich werden Sie über uns fluchen.

Amazon-Aktien werden derzeit mit dem 185-fachen Gewinn bewertet. Im Durchschnitt werden die großen, etablierten Unternehmen, die im S & P 500 notiert sind, mit einem KGV von 26 bewertet.

Wie kommt es dazu, dass wir Unternehmen mit einem KGV von nur vier kaufen können? Und was ist ein Unternehmen wirklich wert … wenn die Kurs-Gewinn-Verhältnisse von vier bis 185 variieren?

Mit ein Grund für diese große Spanne ist der Unterschied zwischen großen börsennotierten Unternehmen und kleinen privaten Firmen. Die großen Firmen werden an öffentlichen Märkten gehandelt; es ist einfach, Aktien zu kaufen und zu verkaufen. Sie sind gut recherchierbar und gelten als sicherer als kleine Startups. Folglich können auch Pensionskassen und Großinvestoren sie kaufen.

Börsennotierte Unternehmen sind auch Teil des öffentlichen Spektakels. Sie sind Teil der Investmentwelt. Sie sind in den Nachrichten. Sie sind Mainstream.

Es ist immer besser, konventionell dumm zu sein als unkonventionell schlau. Du wirst sicher kein Außenseiter sein, wenn Du Dich über Trumps Budgetvorschläge empörst … oder Amazon-Aktien kaufst. Und wenn Sie ein professioneller Geld-Manager sind, wird der Kauf von Amazon-Aktien ihrer Karriere nicht schaden. Jeder weiß, dass es das Richtige ist. Und jetzt, wo Amazon’s Aktien so extrem gestiegen sind, weiß jeder, dass sie noch weiter steigen werden.

Neue Kursziele für Amazon

Jefferies-Analyst Brian Fitzgerald erhöhte sein Kursziel für Amazon-Aktien auf 1.150 von 975 und bestätigte seine Kaufempfehlung. „Aus unserer Sicht bleibt Amazon eine Kernposition im E-Commerce. Die Aktie ist eine der besten Large-Cap-Ideen, die wir kennen, und bietet nach wie vor viele Wachstumschancen“, schrieb Fitzgerald.

RBC Capital Markets Analyst Mark Mahaney hob sein Preisziel für Amazon von 900 auf 1100 Dollar an und bekräftigte seine Kaufempfehlung.

Expertise gefragt

Die Investition in private Unternehmen erfordert hingegen Privatwissen. Sie können nicht das tun, was alle anderen machen. Und Sie können nicht das denken, was alle anderen denken. Es gibt weder öffentlich verfügbares „research“ noch irgendeine öffentliche Meinung. Niemand hat da eine fundierte Meinung. Fazit aus all dem:

Sie müssen es selber herausfinden.

Nehmen Sie nur unsere kleine Nische der Finanzpublikationen. Da gibt es nur wenige Menschen, die bereit oder in der Lage sind, sich die Arbeit zu machen, um sich in die Branche einzukaufen. Ein potentieller Verkäufer hat da nur sehr wenige Optionen.

Detailwissen nötig

Die Verkäufer wollen in der Regel aussteigen, weil sie in Schwierigkeiten geraten sind. Es fehlt an Zeit oder Geld. Oft sind Gesundheitsprobleme oder eine Scheidung im Raum. Nur ein kenntnisreicher Käufer kann in der Lage sein, diese Probleme zu lösen und das Geschäft erfolgreicher zu machen. Ein Verkäufer hofft oft, dass der Käufer in der Lage sein wird, das mehr aus dem Geschäft zu machen … und die Gewinne mit ihm zu teilen.

Ein Verkäufer behält auch oft einen Anteil und wird Partner. Oder er bittet um Zahlungen, die über eine Reihe von Jahren gestaffelt sind … auf der Grundlage der gleichen Formel von oben. So kann er letztlich vom Geschick und Glück des Käufers vielleicht doch profitieren.

Auf der anderen Seite weisen kleine Unternehmen oft zusätzliche Risiken auf – vor allem bei problembehafteten Unternehmen in unruhiger See. Hier fehlt es oft an ordentlicher Buchhaltung. Deren Marktanalyse ist oft falsch. Und es hapert am Management.

Manchmal funktioniert das Geschäftsmodell einfach nicht. Und ein Käufer, der denkt, er kann diese Probleme lösen, irrt sich.

Viele Mißerfolge

Von allen Firmen, die wir in den letzten 38 Jahren gekauft haben, ist wahrscheinlich die Hälfte bankrott gegangen. Insofern können wir durchaus sagen, dass wir unter dem Strich dann doch ein KGV von acht bezahlt haben. Amazon ist seit mehr als 20 Jahren am Markt. Das Management ist wohl tüchtig. Es gibt offenbar keine Geheimnisse in den Büchern. Amazon ist rentabel. Die Firma wird wahrscheinlich auch nicht bankrott gehen.

Also, was ist Amazon wert?

Lassen Sie uns einfach unsere Formel anwenden.

Unser Kursziel für Amazon lautet folglich:

Sechs Dollar Gewinn pro Aktie x 8 =

48 Dollar

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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Ein Kommentar auf "Unser Kursziel für die Amazon-Aktie"

  1. Insasse sagt:

    „Es ist immer besser, konventionell dumm zu sein als unkonventionell schlau.“ – Nicht schlecht der Spruch, aber es gibt ja auch noch diesen hier mit langer Historie: Wer zuletzt lacht, lacht am längsten. Ob das die konventionell Dummen sind?…

    Zur Amazon-Bewertung: Selbst bei einem KGV von 26 käme man nur auf 156 US-Dollar und selbst wenn man dann wegen des super-duper-Geschäftsmodells noch mal verdoppelt, käme man nur auf 312 US-Dollar. Also da ist noch gewaltig Platz…nach unten wohlgemerkt… aber erst beim nächsten Crash. Und dann wird die Übertreibung, die jetzt nach oben stattfindet, wohl eher nach unten stattfinden. Ob wir dann die 48 US-Dollar sehen?

    Seit Anfang 2015 ist die Aktie von 300 auf 1.000 US-Dollar gestiegen. Im Langfristchart erkenne ich einen wunderschönen Tannenbaum – allerdings einstweilen nur die linke Hälfte. Die rechte Hälfte sollten die Aktionäre von Amazon zumindest schonmal andenken.

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