Uns geht`s gut! Zu gut?

21. Juni 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wie viele wissen, lebe ich im „Gemüseland“, rund 50 Kilometer südlich von Frankfurt/Main. Hier wachsen nicht nur Erdbeeren und Spargel im Überfluss. Und zwar so viel, dass man einen Teil davon vernichten muss, um die Preise oben zu halten. Eine Geschichte vom Wegesrand…

Nein, es ist wirklich kein gutes Jahr. Zuviel Regen, zu wenig Sonne. Dem Spargel ist`s egal. Der wächst und wächst im Überfluss. Ich habe mich mit der Psychologie eines Spargels wenig beschäftigt, zumindest gibt es zu viel davon. Er wird dennoch froh sein, auf dem Teller zu landen. Vielen seiner Artgenossen ist das inzwischen nicht mehr gegönnt.

Weg damit! Und so fuhr ich am Montagnachmittag mit dem Rad durchs Ried, dort vorbei, wo einst nur die Spargelreste der Bauern verkippt werden. Die Leute mögen ja geschälten Spargel. Ich beobachtete einen großen Container, der von einem Traktor an diese Stelle gezogen wurde. Zwei fleißige Hände machten dann der Spargel-Schwemme ein schnelles Ende.

Kistenweise flogen die weißen Stangen aus dem Container auf einen Haufen. Vielleicht hat das eine oder andere Stängelchen einen braunen Fleck. Manches ist zu klein oder zu groß. Etliche sind auch etwas schief gewachsen. Nein, das kann man den Leuten gar nicht anbieten, jedenfalls nicht für sieben Euro das Kilo. Und das bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Also weg damit.

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Ja, es waren einige Tonnen des bleichen Gemüses. Zynischerweise wurde auf dem Nachbarfeld gerade neuer Spargel gestochen. Von Hand! Oh ja, das gibt es noch. Aber nicht mehr lange!

Richtig! Das Zeug kommt einem jetzt, wenige Tage vor dem Ende der Saison zum Johannistag zu den Ohren raus, selbst wenn man wochenlang für eine Portion Spargeld im Restaurant seine 15 Euro bezahlt hat. So edel! Immer nur Spargel! Kein Wunder, dass zum Ende der Saison die Preise fallen und die Leute genug davon haben. Mit der Spargel-Vernichtung hält man zumindest die Preise oben. Ob sich das lohnt? Wir wissen es nicht. Aber so ist es in Zeiten des Überflusses in Überflussgesellschaften, wo der Mindestlohn zumindest dafür sorgt, dass die Spargel-Helfer sich auch mal selbst Spargel leisten können.

Apropos Mindestlohn… Was macht der Bauer, um noch kostengünstiger zu produzieren? Richtig, die Produktion maschinisieren und die Felder vergrößern. Das ist ganz einfach: Statt 20 Leute die Stangen stechen zu lassen, das macht immerhin 170 Euro pro Stunde aus, setzt man nur vier davon auf einen Voll-Ernter, der das Spargelbeet in sich komplett aufnimmt, die Erde durchsiebt und den Spargel auf einem Kettenband zu den fleißigen Händen transportiert, die dann die guten Stangen aussortieren und die komischen Stangen zurück aufs Feld werfen. Bio! Und DIN-gerecht. Innovation!

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Der Kunde merkt es nicht, ob gestochen oder ausgegraben und durchgeschüttelt. Wenn der Spargel nach drei oder vier Tagen nachgewachsen ist, dann siebt man das komplette Beet wieder durch, bis es Johannistag wird. Die Folie des Nachbarbeetes wird ganz automatisch auf die durchgeackerten Beete übergestülpt, die kurz darauf wieder nach weißen Stangen durch gehortet werden. Wow!

Was kostet so eine Maschine? Egal. Aber günstiger als Menschenhand.

Ach ja, gerade läuft ja auch noch die Erdbeer-Saison. 2,50 Euro die Schale. Gott, ist das teuer dieses Jahr! Die Leute aus der Stadt wissen gar nicht, wie oft die „Amazone“ ihr dreckiges Gift über die leuchtenden Beeren verspritzt hat. Da wächst nichts mehr, außer der Vorstellung, dass das nicht unbedingt gesund sein muss. Aber die Beeren sehen doch sooooo lecker aus. Die Leute mögen das.

Das Dumme ist nur, es gibt auch dieses Jahr wieder zu viele Erdbeeren. Ach sie landen tonnenweise auf dem Kompost – oder dem Ort, den man früher so genannt hat. Es erinnert an ein Blutbad im Erdbeerland. Vollmechanische Erntemaschinen gibt es noch nicht, aber warten wir mal ab. Und im nächsten Jahr gibt es noch größere Felder, noch schnellere Maschinen, noch mehr Gift und noch mehr Überfluss. Hoch lebe er! Und: Lassen Sie es sich schmecken!

 

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Ein Kommentar auf "Uns geht`s gut! Zu gut?"

  1. bluestar sagt:

    Immer mehr ist die Devise.
    Mehr Spargel, mehr Erdbeeren, mehr Falschgeld, mehr Propaganda, mehr Konsum, mehr Arbeiten, mehr Steuern, mehr Schulden, mehr EU-Bürokratie, mehr Planwirtschaft, mehr Überwachung, mehr Waffen.
    Blöd nur, dass man Waffen nicht so einfach entsorgen kann wie Spargel.
    Deshalb gibt es Krieg gegen den Terror, für westliche Werte, für mehr Menschlichkeit und mehr Flüchtlinge. Und bald natürlich auch gegen Russland.
    Und wer gegen all diesen Wahnsinn ist: Verschwörungstheoretiker, Rechtspopulist, Europafeind usw.

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