Unmoralische Angebote

16. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Was halten Sie von einer Investition in Google, Apple, Facebook und den anderen „Spionage-Aktien“? Alle Daten landen offen(bar) alle beim US-Geheimdienst auf Servern in Utah. Das Geschäftsfeld boomt und auch der private Datenhandel. Da geht doch was!

An Spionage im heimischen Wohnzimmer und dem Datenaustausch führt künftig kein Weg vorbei. Laut Financial Times kostet eine Basisinformation über eine Person 0,0005 US-Dollar. Ein gigantisches Potential, sollte der Preis auf nur einen US-Cent steigen. Sind das nicht herrliche Möglichkeiten, dort Geld anzulegen? Ich höre schon den Jubel, wenn der „Spionage-Index“ die Schallmauer durchbricht. Seinen Sie dabei!

Ach, Sie haben moralische Bedenken? Was wollen Sie dann an der Börse? Keine Sorge! Die Leute werden nur vor sich selbst geschützt und liefern doch ganz freiwillig alles Private. Oder wie wäre es mit Papieren von Produzenten von Überwachungstechnik, oder wenn Sie es noch etwas „heißer“ mögen, von Waffenunternehmen? Waffenhandel ist doch ein lukrativer Industriezweig. Schauen Sie auf die Aktien an der Börse. Wer will bei einer Verdreifachung des Index in vier Jahren schon nein sagen? Friedensprojekte sind dagegen nicht börsennotiert. Man findet keine Investoren. Auch US-Knast-Aktien liefen bombastisch. Kein Wunder, wenn einer von 100 Amerikanern einsitzt und sich staatliche Ausgaben für private Knastbauer seit den 80er Jahren verfünffacht haben. Geschäfte mit dem Staat sind immer noch die besten.

Investieren Sie auch etwas in Datenschutz. Wachsende Begehrlichkeiten führen zu größeren Schutzmaßnahmen. Bei der Suche nach entsprechenden Daten habe ich mich jetzt auch verdächtig gemacht. Wundern Sie sich also nicht, wenn ich kommenden Sonntag keine Kolumne veröffentlichen kann. Das ist auch nicht nötig. Das US-Überwachungs-Programm PRISM weiß heute schon, was ich schreiben werde. Bei Bedarf einfach dorthin wenden!

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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2 Kommentare auf "Unmoralische Angebote"

  1. mfabian sagt:

    Hmm, ob Facebook-daten der NSA was bringt?
    Joe Sixpack: „Heute abend gibt’s Sparerips … Njam njam!“

    Twittern oder Facebooken Terroristen? Haben sie ein GPS-fähiges Handy dabei, wenn sie zu konspirativen Treffen gehen?
    Ich wage das zu bezweifeln.

  2. Lickneeson sagt:

    Ach ja, der Datenklau….allseits beliebtes Panikthema.Dabei ist das Leben von 95 % der Menschen so spannend wie „Maggifix für Salzkartoffeln“ oder ein Interview mit Berti Vogts.

    Den USA empfehle ich stattdessen mal die Waffen in ihrem Land einzusammeln.Das dürfte die Sicherheit um den Faktor 1000 erhöhen.

    Den „armen“ Gesichtsbuch- und Zwitschersüchtigen empfehle ich ein Entzugsjahr in Bhutan, um in Ruhe über den Sinn des Lebens nachzudenken.

    MfG

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