United States of Autophobia

9. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Bankhaus Rott) Der große Bruder jenseits des Atlantiks hat die nötigen Fragebögen ausgefüllt, um eine erste Diagnose zu erstellen. Nein, es geht nicht um die Staatspleite, es geht um die Angst vor sich selbst. Einer aktuellen Umfrage zufolge sehen die US-Amerikaner ihr Land selbst mittlerweile als größere Bedrohung an als den ehemaligen Lieblingsfeind Russland.

Umfragen fördern oft erstaunliches ans Licht. Eine umfassende Studie des PEW Research Centers enthielt unter anderem folgende Tabelle.

Der Irak ist eine größere Bedrohung als Afghanistan und Russland ist ungefährlicher als die USA für sich selbst. Bemerkenswert. Der Iran hat mittlerweile China überholt, was sicher praktisch für die Großstrategen ist, denn nach China möchte man die eigene segensreiche Botschaft vermutlich nicht importieren. Wer sich wehren kann ist, klar im Vorteil, es ist und bleibt die alte Kernbotschaft aus den Zeiten der berittenen Viehhirten.

Wenig überraschend kommt für den geplagten TV-Zuschauer der erste Platz für den Iran, ein Land, an dem man sich seit Jahrzehnten nicht nur medial abarbeitet. Überraschender, oder auch einfach nur verwirrend, sind die Äußerungen ranghoher US-Offizieller zum Thema. In Teheran plane man gemäß Aussagen des US Verteidigungsministers gar keine Entwicklung von Atomwaffen. So erklärte es unlängst der amtierende Verteidigungsminister, ein gewisser Herr Panetta:

U.S. Defense Secretary Leon Panetta let slip on Sunday the big open secret that Washington war hawks don’t want widely known: Iran is not developing nuclear weapons.

Appearing on CBS’s Face the Nation on Sunday, Panetta admitted that despite all the rhetoric, Iran is not pursuing the ability to split atoms with weapons, saying it is instead pursuing “a nuclear capability.”

That “capability” falls in line with what Iran has said for years: that it is developing nuclear energy facilities, not nuclear weapons.

Komisch, hat das Jan Hofer heute Abend nicht anders erzählt? Stimmt sicher nicht!

Doch stimmt:

Die „Süddeutsche“ erwähnt unterdessen im gewohnten Plauderton den in der deutschen Medienlandschaft seit nun mehr als 10 Jahren wiederholten „Hinweis“ auf den baldigen Bau einer solchen Bombe. Es muss sich um eine Art Selbstbausatz handeln, der sich wie von Geisterhand ohne eigene Planung eigenständig zusammenschraubt.

Washington (dpa) – Der Iran könnte nach Einschätzung der US-Regierung innerhalb von zwölf Monaten Atomwaffen entwickeln. Das sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta dem Sender CBS. Weitere ein bis zwei Jahre würde es dauern, ein Trägersystem zu herzustellen, um die Waffe einzusetzen. Panetta fügte hinzu, die USA würden es nicht zulassen, dass die iranische Regierung in den Besitz von Atomwaffen gelange. Man werde alles tun, was nötig sei, um das zu verhindern. Auch einen Militärschlag schloss er nicht aus

Tja, statt mit kriegerischer Atomspaltung hat es der Leser beim US-„Verteidigungs“-Minister eher mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun. Angesichts seiner verwirrenden Statements und der sich immer wiederholenden traurigen Folgen „prophylaktischer Maßnahmen“ kann das Ergebnis einer anderen Umfrage kaum verwundern. Es ist die Angst vor sich selbst, die die Menschen in god’s own country unruhig schlafen lässt… (weitere Angst —> auf Seite 2)

 

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6 Kommentare auf "United States of Autophobia"

  1. wolfswurt sagt:

    Angst im Volk zu erzeugen ist das Spiel aller Obrigkeiten um selbst ungestört bequem ohne Arbeit das Leben fristen zu können.

    Ob König, Kirche oder Parlament spielt keine Rolle.

    In den USA ist die Angstmaschinerie dermaßen überspannt, daß man den Eindruck gewinnt die Angstmacher glauben inzwischen an ihre herausgegebenen Parolen selbst.
    Was dann im Endstadium ein fürchten vor dem eigenen Spiegelbild bedeutet.

    Freude und Lachen ist die beste Methode um diesen Psychopathen nicht zu erliegen.

  2. vegaman sagt:

    Hallo Bankhaus Rott,

    mal wieder ein herrlich sarkastischer Artikel mit viel Info. Danke!

    Am besten gefallen hat mir der Satz
    „Der Iran hat mittlerweile China überholt, was sicher praktisch für die Großstrategen ist, denn nach China möchte man die eigene segensreiche Botschaft vermutlich nicht importieren.“

    Herrlich! Das „falsche“ Wort importieren steht genau an der richtigen Stelle, denn importieren kann man nur in sein eigenes Land. Der Satz ist zwar an meinem grammatikalischen Netz kurz hängengeblieben, der Semantik-Katalysator hat ihn dann jedoch mit einem breiten Grinsen durch das Netz durch geschoben 😉

    Grüße

    vegaman

  3. pat sagt:

    Was bei den Nuklearwaffen und dem Iran nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass Nuklearwaffen eigentlich nur zur Abschreckung nützlich sind und deshalb deren Besizter zwar unangreifbar machen, aber Angriffskriege kann man damit nicht sinnvoll gegen ein Land führen, dass selbst Nuklearwaffen hat.

    Also sind Nuklearwaffen nur zur strategischen Verteidigung gegen Atommächte brauchbar.

    Die Unterscheidung zwischen „Nuclear Capability“ und „Nuklear Weapon“ find ich sehr sonderbar, denn jeder mit der Technik für Atomkraftwerke kann sich auch das notwendige angereicherte Uran oder Plutonium herstellen.

    Nun fragt sich, warum wird hier das Ziel des Irans Nuklearwaffen zu besitzen negiert. Vermutlich weil die Iraner schon recht nahe an Nuklearwaffen dran sind. Wenn man den Umstand, dass ein Land Nuklearwaffen besitzt einfach leugnet, dann ergibt sich auch keine strategische Unangreifbarkeit. Man könnte den Besitz nur durch einen entsprechende Angriff (friedfertige Detonationen die per Seismographen validierbar sind werden einfach geleugnet) der Weltöffentlichkeit beweisen, was aber zu einer moralischen Verurteilung führt.

    Der Uniformierte hat das schön formuliert: „Wir wollen, dass der Iran glaubt, dass wir sein Atomprogramm vernichten können“. Genauso möchte der Iran, dass die USA glauben, dass sie eine Nuklearmacht sind. Dies will die USA aber nicht und würde im Zweifelsfall sogar, gegen besseres wissen, leugnen dass der Iran eine Nuklearmacht ist.

    Verworrene Welt…

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