Under Cover – Der ungesunde Pfandbriefboom

22. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Bemerkenswerte  Entwicklungen gab es an den Kapitalmärkten in den letzten Monaten zu Genüge. Dabei muss es nicht immer um große Geschütze à la Staatspleite gehen, sondern um anderes gut Eingemachtes. Während die Massenmedien sich in kurzen Schnipseln, die oft fälschlicherweise unter dem Begriff Wirtschaft subsummiert werden, mit dem täglichen Rauschen der Aktienmärkte auseinandersetzen, bestimmen an den Anleihemärkten andere Themen die Agenda…

Schlussendlich muss das Geld für Finanzierungen ja irgendwoher kommen…

Die Finanzierungsnöte großer und kleiner Banken sind ungebrochen. Seit Beginn der anhaltenden Krise hat sich auf diesem Gebiet wenig getan, strukturelle Probleme prägen das Landschaftsbild. Angesichts weiterhin vollkommen intransparenter Wertermittlung bei den in den Bankbilanzen gehaltenen Wertpapieren kann die Zurückhaltung der Investoren nicht überraschen. Der Nachweis der offensichtlichen Unfähigkeit oder Überforderung mit der Bewirtschaftung der eigenen Anlagen, den viele Finanzinstitute vor einigen Jahren zweifellos und weithin sichtbar erbracht haben, steckt den Geldgebern tief in den Knochen. Ohne die anhaltenden Stützungen durch öffentliche und somit steuerfinanzierte Einrichtungen wie die Europäische Zentralbank oder die verschiedenen nationalen Schatzämter könnte sich der Sektor kaum refinanzieren.

Um bei der Finanzierung noch ein paar Extrakröten zu sparen wurde ein in Deutschland schon lange beliebtes Vehikel europaweit zum Helden. Bis vor einigen Wochen – bis zur nicht so ganz rund gelaufenen und schlussendlich mit halbem Volumen platzierten Emission der spanischen Santander – konnte sich der Pfandbrief (covered bond) einer nie gekannten Beliebtheit erfreut.

In Deutschland schon zur Zeit der Preußen ein bekanntes Produkt, hat diese Art der Finanzierung in den letzten Monaten unter Europas Banken ein geradezu manisches Ausmaß erreicht. Schon jetzt reichen die im laufenden Jahr in diesem Segment emittierten Papiere in etwa an das gesamte Volumen des Vorjahres heran (rund €190 Mrd.).

Wir wollen an dieser Stelle nicht auf die teils durchaus erwähnenswerten Unterschiede zwischen den nationalen Ausprägungen, also etwa den spanischen Cedulas und den teutonischen Pfandbriefen, eingehen. Bemerkenswert ist unbesehen der Details die oft einhellige Freude zahlreicher Berichterstatter über diese Art des „günstigen Funding“.  Auch beim spanischen Rettungsfonds FROB ist die Freude oft überschwenglich. Um den Verkauf der eigenen Papiere – in diesem Falle keine Cedulas – zu fördern, lädt man gerne auf ein Gläschen ein. Also hoch die Tassen: Salut! Salud! Osasuna!

Kurz zur generellen Idee hinter den covereds. Ein Investor leiht, wie dies bei jeder normalen Anleihe (senior unsecured – unbesichert) der Fall ist, einer Bank Geld. Im Falle des covered erhält er aber eine zusätzliche Sicherheit. Im Falle einer Insolvenz der Bank, hat der Anleger Zugriff auf bestimmte dem Papier zugeordnete Assets, die sich in der Bilanz der Bank befinden. Sollten diese Sicherheiten nicht ausreichen, ist der Pfandbrief-Gläubiger anderen Gläubigern gegenüber vorrangig. Das ist für den Anleger erst einmal eine feine Sache und wird natürlich über eine geringere Rendite „bestraft“. (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Under Cover – Der ungesunde Pfandbriefboom"

  1. bvrulez sagt:

    großartig, was das bankhaus uns hier immer präsentiert.

  2. braindead sagt:

    Danke spitzen Artikel wie immer!

    “das sicherste Wertpapier am Kapitalmarkt”
    klingt wie die kühlste Kohle in der Glut…

  3. MH sagt:

    Wer darf denn heutzutage überhaupt Pfandbriefe ausgeben? Ich dachte immer, dass das nur öffentlich-rechtliche und Spezialinstitute machen und somit der Anteil dieser Papiere am Gesamtvolumen eher gering ist. Früher gab es dafür jedenfalls ziemlich strenge Vorschriften, die Deckung wurde von einem Treuhänder überprüft und die Beträge mussten ins Deckungsregister eingetragen werden. Gibt’s wohl heute alles nicht mehr? Wer Lust hat, macht einen auf Pfandbrief, oder wie?

  4. EXE sagt:

    Sehr schöner Artikel Danke.

    Mir stellt sich die frage warum immer mehr von solchen Schreckens Artikel hier erscheinen?
    Nur Horror Daten, Zahlen und Fakten. Da mag man schon gar nicht mehr zu ende lesen.
    Die Marktwirtschaft ist für mich schon lange begraben.
    Sozial ist heute nur ein Problem der Gesamtheit zu geben.

  5. […] Rott & Meyer: Under Cover – Der ungesunde Pfandbriefboom […]

  6. Frank2 sagt:

    Ich gebe gern zu, daß diese Ecke der Investmentwelt nicht meine ist.
    Es ist aber schon schockierend, wie Qualitätsbegriffe (die für Sicherheit stehen) entwertet werden.
    Im Medicus (Noah Gordon) läßt der Protagonist auf den Grabstein des Baaders schreiben: „Ich habe Dunst verkauft“.
    Mehr fällt mir hierzu auch nicht ein.

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