Under Construction – Immobilienmarkt UK

10. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Bankhaus Rott) Ein unbekanntes Wesen hat einigen Großanlegern einen Floh ins Ohr gesetzt. Das Insekt hat den Anlegern eingeflüstert, dass britische Immobilien sich dem bekannten Muster aus Boom und Preissturz entziehen können. Sollte es Gründe geben, auf den Sechsbeiner zu hören?

Aufhorchen sollten Investoren spätestens dann, wenn bekannte Großauguren nicht mit Fakten aufwarten sondern mit Worthülsen für einen bestimmten Markt trommeln. Bei den britischen Immobilien waren sich einige hochrangige Vertreter des silly german money nicht einmal zu schade, das Argument des „most mature market“ in Europa als Kaufgrund anzuführen. Sei der Markt noch so gut organisiert, ohne Bezug auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ist eine solche Aussage sinnlos.

Der eine oder andere internationale Investor nimmt die Beine derweil in die Hand. So will Vincent Tchenguiz sein gesamtes britisches Immobilien-Portfolio verkaufen, immerhin ein Prozent des gesamten Marktes. Den potenziellen Käufern will man die Transaktion mit dem Hinweis auf langfristige Preisanstiege schmackhaft machen, sicher exakt der Grund, warum der Investor in großem Stile aussteigen möchte.

(Mail online) Iranian-born tycoon Vincent Tchenguiz is looking to sell the freehold for 250,000 properties, which represents one per cent of the UK’s entire housing stock. Forty per cent of the homes and apartments are in the South East of England, with 15,000 properties alone in London. Mr Tchenguiz is acting on behalf of the Tchenguiz Family Trust and has spoken to investment bank Lazard to help sell the portfolio, which comes with £2 billion worth of debts. Mr Tchenguiz told the FT the portfolio would give any buyer a safe and long-running exposure to UK house price growth.

Die Hauspreise auf der Insel liegen derzeit lediglich etwas mehr als 10% unter dem Hoch aus dem Jahr 2007. Die Handelsaktivitäten jedoch sinken bereits seit der Jahrtausendwende. In den Jahren 2007 und 2008 rutschten die Transaktionen dann auf ein nochmals niedrigeres Niveau. Die Preise ließ das bisher relativ kalt, was Marktteilnehmer auf die wachsende Diskrepanz der Einschätzungen der potenziellen Geschäftspartner schieben. Die Verkäufer wollen mit den Preisen nicht oder nur sehr langsam herunter, die Kaufinteressenten sehen keinen Grund, auf höhere Preisvorstellungen einzugehen. Beide Seiten haben sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen und warten. Mit anderen Worten: Die Geld-Brief Spanne befindet sich im Zustand „breit aber ehrlich“.

Vor dem Hintergrund der ökonomischen Probleme in Großbritannien kann das Warten für die Verkäufer ein teurer Spaß werden. Die Arbeitslosigkeit ist zäh, die Wirtschaft beginnt wieder zu schrumpfen und die aggregierte Verschuldung des Staates, der Unternehmen und der privaten Haushalte liegt mit 500% in etwa auf dem Niveau Japans. Einen Kreditimpuls, der wichtigste Treibstoff der Immobilienblasen in den USA und einigen Ländern Europas, darf man nicht erwarten. Im Gegenteil, das Deleveraging der privaten Haushalte und Unternehmen steht erst am Anfang. Für den Abschwung der Hauspreise in Großbritannien gilt dies ebenfalls.

Wer sich kalifornische Verhältnisse wünscht, meint seit einigen Jahren vermutlich eher das Wetter und die feinen Hot Dogs als die finanzielle Situation. Der amerikanische Bundesstaat, der gerne mal zu selbst geschaffenen Schuldscheinen (IOUs) greift, leidet weiterhin unter dem anhaltenden Einbruch des Immobilienmarktes. Viele der grundlegenden Ursachen der US-amerikanischen Hauspreisblase, wie etwa die hohen Beleihungsquoten bei gleichzeitig laxen Kreditvergabestandards, finden sich auch auf dem britischen Markt. (Seite 2 mit weiteren erstaunlichen Daten)

 

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3 Kommentare auf "Under Construction – Immobilienmarkt UK"

  1. […] Rott & Meyer: Under Construction – Immobilienmarkt UK […]

  2. Jenny sagt:

    Super Beitrag vielen Dank! Wirklich sehr interessant! Ich würde mich noch mehr freuen, wenn die Quellen der Zitate beigefügt wären 🙂

  3. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Jenny,

    vielen Dank!

    Die Quellen sind wie im Text vermerkt die Online-Ausgabe der Daily Mail (Mail online), der Text der Mail findet sich hier:
    dailymail.co.uk/news/article-2093053/The-great-sell-Property-tycoon-raise-3bn-selling-250-000-UK-homes.html

    Berichte zu Vincent Tchenguiz und dem Abbau des Immobilienportfolios finden Sie natürlch auch andernorts, etwa auf den üblichen Websites , bspw. Reuters oder Bloomberg.

    Die Berichte des RICS zu Großbritannien finden Sie unter:
    rics.org/uk

    Dort können Sie die auch Berichte zu anderen Regionen finden.

    Beste Grüße, viel Spaß beim Stöbern
    Bankhaus Rott

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