……. und schließlich eine Währungsreform (Manfred Gburek)

28. Februar 2009 | Kategorie: Kommentare

Es gibt Ereignisse, die einen nicht mehr loslassen. Das Opel-Drama in mehreren Akten ist so eines: Politiker nutzen es, um sich zu profilieren, aber der arme Aufsichtsratsvorsitzende Forster (ein Guter, wie ich ihn kennen gelernt habe) muss mit seinen Mannen aus dem Vorstand die Drecksarbeit leisten…

Der Staat kann helfen, weiß aber nicht, wie – unter anderem ein Beleg dafür, dass auch – oder besser gesagt: erst recht – Politiker nicht in der Lage sind, Krisen von Unternehmen zu meistern. Die fast ein Jahrzehnt zurückliegende Holzmann-Pleite lässt grüßen – obwohl der damalige Kanzler Schröder sie zu verhindern versucht hatte.

Das hielt seine Nachfolgerin Merkel aber nicht davon ab, ein noch viel gefährlicheres, wenngleich notwendiges Experiment zu wagen, nämlich die Banken retten zu wollen. Da sagt sich der Mann auf der Straße: Wenn schon unfähige Banker glimpflich davonkommen und ihre gigantischen Fehlentscheidungen letzten Endes unter anderem zu Lasten der Steuerzahler gehen (und damit auch zu Lasten des Mannes auf der Straße), dann machen wir halt Remmidemmi auf der Straße. Dass es bei den zurzeit verhältnismäßig moderaten, von Seiten der Gewerkschaften unter Kontrolle gehaltenen Aufmärschen bleiben wird, halten nur noch Traumtänzer für möglich. Denn die aktuelle Arbeitslosenstatistik markiert den Beginn einer neuen Massenarbeitslosigkeit, die letztlich zu gewaltigen inneren Unruhen führen wird.

Im Vorfeld der Bundestagswahl werden Politiker jeglicher Couleur folglich die Gunst der Stunde nutzen, um die Massen an den Wahlurnen auf ihre Seite zu ziehen: die einen mit Ausgabenprogrammen, die anderen mit radikalen Parolen, alle zusammen mit unhaltbaren Versprechen. So ist nun mal die Logik von Wahlk(r)ämpfen. Die Folgen werden dramatisch sein, weil jetzt eines zum anderen kommt: Die internationale Finanzkrise hat längst die Realwirtschaft erreicht, Unternehmen setzen die Kostenschere an, entlassene Arbeitnehmer belasten in zunehmendem Maß die Staatskassen, und das Ganze spielt sich in rasendem Tempo überall auf der Welt ab. Wobei Europa zwei zusätzliche Probleme hat, an denen bereits hochrangig besetzte Arbeitsgruppen hinter verschlossenen Türen arbeiten: 1. EU-Euro-Anleihen, die kommen werden, nur muss Deutschland als ihr wichtigstes Opfer noch eine diplomatische Sprachregelung finden. 2. Zusammenbruch von Währungen der EU-Länder, die noch nicht zum Euro-Währungsblock gehören, wie Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die baltischen Staaten.

Das erste Problem ist besonders delikat: Italien, Griechenland, Irland und weitere zum Euro-Block gehörende Länder einerseits müssen für die von ihnen ausgegebenen Anleihen höhere Zinsen aufwenden als Deutschland andererseits. Mittels EU-Euro-Anleihen, die Zinssätze zwischen den beiden Extremen böten, könnte diese Schieflage behoben werden – natürlich zu Lasten des Zahlmeisters Deutschland. Die Alternative wäre im schlimmsten Fall das Auseinanderfallen des Euro-Blocks. Daran kann neben den betroffenen Ländern allerdings auch Deutschland nicht interessiert sein. Denn abgesehen davon, dass wir dann von diesen Ländern und den EU-Bürokraten sofort an den Pranger gestellt würden, dürften die Nachteile des Abschieds vom Euro durch Italien, Griechenland & Co. unsere stark am Export orientierte Wirtschaft hart treffen.

Wenn nicht alles täuscht, kommen prinzipiell zwei Problemlösungen infrage: Entweder die EU-Kommission emittiert Anleihen zugunsten von EU-Mitgliedsländern, die Zahlungsprobleme haben. Das darf sie in begrenztem Umfang, wobei allerdings erst einmal die nicht zum Euro-Block gehörenden Länder wegen ihrer besonders prekären Lage Vorrang haben. Oder die Europäische Zentralbank schaltet sich ein, indem sie Staatsanleihen aufkauft. Dies entspräche im Grundsatz der amerikanischen Lösung: Die Gelddruckmaschine anwerfen und dann in aller Ruhe abwarten, bis die Inflation über uns hereinbricht.

Was danach geschehen soll, können sich weder Zentralbanker noch EU-Bürokraten noch Politiker vorstellen, zumal die in den vergangenen Jahrzehnten halbwegs mit Erfolg eingesetzten Mittel, vor allem Zinserhöhungen, die Inflation nicht mehr stoppen würden. Das heißt, die Verantwortlichen verfügen allesamt über kein Mittel, um der später drohenden Inflation Herr zu werden. Der Rest bleibt der Phantasie überlassen, die von den folgenden unschönen Entwicklungen geprägt sein dürfte: Interventionen, Auf- und Abwertungen von Währungen, Protektionismus und schließlich eine Währungsreform. Wie Sie sich davor schützen können, das wissen Sie als Leser(in) meiner Beiträge ja längst. Dabei sollte Gold die Hauptrolle spielen, auch wenn dessen Preis, wie in der abgelaufenen Woche, eine Verschnaufpause einlegt. Lassen Sie sich davon jetzt und in den nächsten Jahren nie irritieren!

Manfred Gburek, 27. Februar 2009

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