Und was passiert dann…?

12. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Wegen der eskalierenden Entwicklung in Sachen Griechenland, die über das kommende Wochenende hinaus anzuhalten droht, beschränke ich mich zu diesem Thema heute auf ein treffendes Zitat, das ich im Degussa Marktreport gefunden habe:

„Sie (die Griechen) können die Bedingungen für ihren Verbleib im Euroraum quasi diktieren. Bleibt Griechenland im Euroraum, wird es für alle Beteiligten teuer. Allen voran natürlich für die Gläubiger. Allein für die Deutschen könnten Kreditforderungen in Höhe von bis zu 100 Mrd. Euro ausfallen.“

Ich frage mich, warum in den endlos scheinenden Sondersendungen und Talkshows zu Tsipras, Merkel, Juncker & Co. so gut wie gar nicht auf diese Milliarden und ihre Bewältigung eingegangen wird. In welchem Sonderhaushalt werden sie verschwinden? Auf welche Weise werden deutsche Steuerzahler für sie aufkommen? Welche politischen Konsequenzen sind zu erwarten? Wird in Deutschland Die Linke vom Unmut in der Bevölkerung profitieren, oder entsteht rechts von CDU und CSU eine neue Protestpartei als Sammelbecken aller, die von der nach links gerückten Großen Koalition bitter enttäuscht sind?

So viel steht fest: Das im ganzen Euroraum bereits jetzt stark aufgeheizte politische Klima wird sich bis zur nächsten Bundestagswahl nicht abkühlen. Folglich sind dann Überraschungen zu erwarten.

Wie wirkt sich das alles auf den Wert des Geldes aus? Droht Inflation? Was geschieht, wenn die deutsche Konjunktur einbricht, weil die für uns wichtige chinesische schlapp zu machen droht? Ich will Ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben:

Wir sind im Euro gefangen, dessen Kaufkraft und damit Wert mehr von ausgabefreudigen Franzosen, Italienern usw. als von Deutschland bestimmt wird; die von der EZB angepeilte Inflation von etwas unter 2 Prozent wird sich über kurz oder lang einstellen, aber dann nicht einfach halt machen, sondern weiter steigen; und die chinesische Konjunktur wird die deutsche natürlich ein Stück nach unten ziehen, wenn auch nicht so sehr, wie die jüngsten Schlagzeilen uns das vorgespiegelt haben.

Warum stürzen die deutschen Aktienkurse nicht ab? Darauf gibt es zwei Antworten:

Erstens, weil sie durch die überreichliche Liquidität getrieben werden, die von der EZB stammt. Zweitens, weil Fondsmanager – Ausnahme: Verwalter von Indexfonds in ETF-Form – gezwungen sind, dem Herdentrott zu folgen. Soll heißen: Wer von ihnen sich antizyklisch gegen den Trend stemmt und damit schief liegt, wird von Anlegern durch Geldentzug abgestraft. Also zieht die Mehrheit von ihnen vor, prozyklisch zu agieren. Besonders ausgeprägt ist ein solches Verhalten in der Versicherungsbranche, wobei es dort allerdings nicht um Aktien, sondern um Schuldtitel aller Art geht, wie Bundesanleihen und Pfandbriefe.

Peter Lynch war in den 80er Jahren ein besonders erfolgreicher amerikanischer Fondsmanager. Warum ich das erwähne? Weil er ein sehr distanziertes Verhältnis zu seiner Berufsgruppe hatte. Das ergibt sich nicht zuletzt aus seinen Memoiren („Der Börse einen Schritt voraus“), in denen er mit den folgenden spitzen Sätzen an private Anleger appelliert:

„Sie sind weder gezwungen, 1400 verschiedene Aktienwerte zu besitzen, noch schreibt Ihnen jemand vor, Ihr Geld auf 100 Gesellschaften aufzuteilen. Es steht in Ihrem Ermessen, einen, vier oder zehn Aktienwerte zu besitzen. Wenn Sie aus fundamentalen Erwägungen heraus gar kein Unternehmen für attraktiv halten, dann können Sie Aktien ganz meiden und auf bessere Einstiegsgelegenheiten warten. Diesen Luxus können sich Aktienfondsmanager nicht leisten.“

Lynch schwor zwar durch und durch auf fundamentale Daten, outete sich aber auch als Chartist, als Fan von Kursgrafiken. Es hilft ungemein, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen, also fundamentale wie auch charttechnische Methoden anzuwenden. Aber wie?

Die Schwierigkeit für Normalanleger besteht darin, dass sie nicht genug Zeit haben, unzählige Geschäftsberichte zu wälzen, Betriebe zu besichtigen und Hauptversammlungen zu besuchen – um nur drei fundamentale Methoden zu nennen. Doch sie können die Suche nach attraktiven Aktien abkürzen, indem sie mittels Internet, zum Beispiel auf den Seiten von Direktbanken, Charts verfolgen und bei interessant erscheinenden Formationen mit fundamentalen Methoden nachhaken. Das spart viel Zeit und führt letzten Endes doch zum Ziel.

Manfred Gburek – Homepage



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