Und plötzlich ist die Angst zurück

9. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Die Wechsel zwischen Hoffung und Euphorie einerseits und blanker Angst andererseits  kommen immer schneller. Und damit wird die Chance, einen neuen, kräftigen Trendimpuls zu sehen, täglich größer. Aber: Noch ist die Richtung offen. Noch ist unklar, welche Emotion kurzfristig siegen wird…

Dass ich mittelfristig für einen stabilen Aufwärtstrend keine Chance sehe, weil die Gemengelage bestenfalls einen kurzfristigen Placebo-Effekt, resultierend aus einer aus Hoffnung geborenen Wiederbelebung des Konsums und der Investitionen, nach sich ziehen könnte, ist ein anderes Thema. Denn es ist natürlich ein Unterschied, ob die Wiederaufnahme des Abwärtstrends im Dax bei 6.800 startet oder auf aktuellem Niveau. Daher ist weiterhin Vorsicht geboten und vor allem der Blick auf entscheidende Chartmarken wichtig. Ein zu forsches Vorgreifen auf ein mittelfristiges Szenario ist, ob man nun Bulle oder Bär ist, immer gefährlich, aber in einer Phase wie dieser fast ein Garant für Verluste.

An diesem Mittwoch indes siegte die Angst. Und das, nachdem sich die Aktienmärkte unmittelbar zuvor gleich dreimal in Folge aus zeitweiligen Verlusten wieder nach oben kämpfen konnten und damit eigentlich ziemlich bullish und robust wirkten. Das dumme ist in Phasen großer Emotionalität und eines allgemein verlustig gehenden Überblicks, dass die Kursbewegungen nicht zwingend ausdrücken, was die Mehrheit des Kapitals denkt. Und ich hatte zumindest den Eindruck, dass am heutigen Morgen, unmittelbar zu Beginn des europäischen Handels, große Adressen mit entsprechend hohem Volumen ausstiegen, während die Aufholbewegungen der drei Handelstage zuvor eher von Tradern dominiert wurden. Irrtum natürlich in einer solchen Phase eines permanenten emotionalen Hin und Her vorbehalten. Aber Gründe, nach der Freude über den avisierten Rücktritt Berlusconis am Dienstag plötzlich wieder höchst nervös zu werden, gab es an diesem Morgen in jedem Fall genug:

Die neue IWF-Chefin Lagarde sagte in einer Rede in Peking, dass auch die Weltwirtschaft insgesamt durch die Schuldenkrise in massive Schwierigkeiten geraten könne. Konkret war zu hören, dass, ‚wenn nicht mutig und gemeinsam gehandelt werde, die Weltwirtschaft Gefahr laufe, in eine Abwärtsspirale der Unsicherheit, finanziellen Instabilität und des potenziellen Zusammenbruchs der globalen Nachfrage zu geraten.’

Nicht, dass man das nicht selbst wissen könnte. Aber es ist halt so, dass die bei den meisten Marktteilnehmern – ebenso wie bei den Konsumenten – dominierende Hoffnung, dass alles so bleiben wird wie es war und die Kurse an den Börsen brav wieder steigen, momentan nur dann entstehen können, wenn man die Realität rosa einfärbt, sprich die zahllosen Alarmsignale einfach ausblendet. Wenn einer wie ich warnt, ist es auch kein Problem, auf Durchzug zu schalten. Aber wenn führende Persönlichkeiten dergleichen Warnungen von sich geben, bekommt das in den Augen vieler den Charakter einer amtlichen Verlautbarung. Und so etwas dringt dann sehr wohl in ein verbissen optimistisches Bewusstsein. Vor allem, wenn es geballt kommt. Und dem war am Mittwoch so, denn die Lagarde-Äußerung war ja längst nicht alles.

So teilte der Deutsche Bank-Chef Ackermann der Financial Times mit, dass ein freiwilliger Forderungsverzicht, sprich das Akzeptieren eines Schuldenschnitts bei griechischen Anleihen, eine einmalige Angelegenheit bleiben müsse. Zitat: „Wenn man die Büchse der Pandora öffnet, wer wird dann noch in solche Papiere investieren?“ Tjaja, wie wahr. Aber zugleich hörte man seitens des IIF, des internationalen Bankenverbands, dass man selbst hinsichtlich dieses Schuldenschnitts noch Wochen von einer Einigung entfernt sei. Das alleine ist übel. Aber: (Seite 2)


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14 Kommentare auf "Und plötzlich ist die Angst zurück"

  1. […] Ronald Gehrt: Und plötzlich ist die Angst zurück […]

  2. crunchy sagt:

    Es ist doch ganz einfach, was Lagarde, Heli-Ben, Draghi etc. wollen: Geld drucken, alternativlos!Das das ein Höllenritt für Aktien/Bonds werden wird, sieht man. Wieso übersehen noch soviele Leute, womit man ruhig schlafen kann? Weil es noch zu neu als Investment ist? Nun, es gibt da noch ein paar Alte, die wissen, was sie von Gold haben: Zeit, Ruhe, Gelassenheit und einen zufriedenen Ruhestand!
    Und, wenn es mal ein bisschen spannend werden soll:
    Silber.

  3. mfabian sagt:

    … und wenn alles schief geht – und das wird es – werden von der Regierung einfach die Gesetze gebrochen, ausgesetzt oder nach Gutdünken geradegebogen.

    Was ich da schreibe ist per Definition eine Verschwörungstheorie, denn den Begriff „Verschwörungstheorie“ kann man definieren als „jede Aussage, die der offiziellen von Regierungsseite getätigten Aussage widerspricht.“ Und welche Regierung würde schon offiziell zugeben, dass sie Gesetze bricht, bis sie es dann tut?

    Beispiele gibt es genügend:
    * Die EU-Maastricht-Verträge zum Non-bailout von Mitgliedsstaaten sind Makkulatur. Wurde dazu eine Abstimmung in der EU durchgeführt?
    * Ebenso die Banken-bailouts
    * Aufweichung des Bankkundengeheimnisses in der Schweiz ohne Volksabstimmung.

    Ja, am 9.11.2001 wurden sogar die Gesetze der Physik auf staatliche Anordnung kurz ausser Kraft gesetzt. (Aber das ist ein anderes Thema 🙂 )

    Wie hatte es De Gaulle auch wieder formuliert: „Gold ist eine Wette gegen die Regierungen. Wer gegen Gold wettet, wettet gegen 6000 Jahre Geschichtsschreibung.“

    Also bei dem ganzen aktuellen Affentheater ist ein Put gegen Politiker wohl die sicherste aller Investitionen!

    • Avantgarde sagt:

      Charles de Gaulle hatte die sehr vernünftige Vorstellung vom Europa der Vaterländer.

      Aber wenn wir so weitermachen werden wir irgendwann mal noch einen anderen Franzosen erneut zitieren müssen.

      L’État, c’est moi….

      🙁

  4. FDominicus sagt:

    Geht es wirklich um Angst? Oder ist es nicht so, daß die die meinen alles halb so wild schlicht und einfach als Könige in neuen Kleidern erkannt werden?

    Ich hatte immer mal „gehofft“, die Politiker kriegen es auf die Reihe. Aber seit drei Jahren ist die Richtung nur noch „schlimmer geht immer“. Aus Milliarden wurden Billionen aber was ist denn der Gewinn statt 100 Mrd Schulden auf einmal 1 Billion an Schulden zu haben. Bisher wurde doch immer und überall alles mit noch mehr Schulden versucht zu lösen. Wie kann aber etwas von dem es schon viel zuviel gibt durch noch mehr desselben behoben werden.

    Man schaue sich doch die Schuldenberge auch von Deutschland an, gibt es weniger Schulden? Nein. Es gibt mehr und das trotz Zigmillliarden mehr an Steuern. Deutschland ist ebenfalls kein Faß mit Boden. Es bleibt nur eine Konstante, stetig steigende Schulden und damit kann ich nicht sehen, wo es da Hoffnung auf Besserung geben könnten.

    Wir müssten selbst hier in Deutschland radikaler Sparen. Das ist solange ich zurückdenken kann noch nie passiert. Es wird dann immer vom „kaputtsparen“ geredet als ob Schuldenberge ein Fundament des Wohlstands wären….

    • mfabian sagt:

      Ich sehe einfach ein grosses Missverhältnis zwischen dem „Warengeld“ (das Du und ich mit harter arbeit verdienen müssen) und dem „Monopolygeld“, das auf Mausklick in Milliardenhöhe von Bänkstern oder Zentralbänkstern gedruckt werden kann.

      Ein Beispiel: Ich weiss nicht, ob die Zahl stimmt aber ich habe vor einigen Jahren mal gelesen, dass die Sanierung des Berliner Trinkwasserleitungs-Systems €40 Mrd. kosten würde.
      Da in Berlin noch viele Wasserleitungen aus Blei sind und entsprechend gesundheitliche Schäden vorprogrammiert sind (die notabene auch Geld kosten), wäre eine Sanierung sicherlich angebracht.

      Aber nee, dafür fehlt die Kohle.
      Die wird andererseits aber innert kürzester Entscheidungsfristen für den bailout von Griechenland (eigentlich für die Deutsche Bank) gegen den Volkswillen beschlossen.

      Da stelle ich mir zwangsläufig die Frage, warum die deutsche Regierung kein Geld für die Gesundheit der Berliner übrig hat aber ein Vielfaches davon für die Deutsche Bank sofort locker macht!

      Ok, ich bin kein Deutscher. Aber versteht das einer?

  5. DonTrader sagt:

    Für Elliottwaver sind wir im DAX in der „b der b“, es gibt nicht schlimmeres. Auf jede Nachricht wird überproportional reagiert. Mal sehen die Bullen schon das nächste Jahreshoch, mal sehen die Bären schon das nächste Jahrestief, ein ständiges hin und her. Jeder darf mal seinen Senf hinzugeben. Jeder hat mal Recht. Es kann noch Wochen so weiter gehen – wie schrecklich, ich werde noch verrückt! Ich hasse die „b der b“!!! 🙁 Ich hatte so gehofft, auf die „c der b“, noch vor Weihnachten, mit einem Dax über 7000. Bitte, bitte lieber Weihnachtsmann …

  6. bizzer sagt:

    Mich würde mal Folgendes interessieren:

    1) Welche markttechnischen Zenarien sind wahrscheinlich, wenn USA und das von Gott auserwählte Volk nun wirklich auf Iran draufhaut?
    Euphorie an den Märkten? Investition in Grundwerte – welche sind das?

    2) In den letzten Tagen, waren beim Gold starke Abwärtsbewegungen – z.B. Kursverlust von 15$ – innerhalb weniger Minuten feststellbar. Hierfür sollte es doch Erklärungen geben. Waren dies Drückungsaktionen der Mächtigen oder Liquiditäts-Beschaffungsaktionen von Ersaufenden?

    Wäre nett, wenn hier jemand ne Antwort / Vermutung beisteuern könnte.

    PS:
    Kleine Anekdote am Rande – heute im Schweizer Radio DRS3 aufgeschnappt.
    Die UBS hat Verhaltenskodexe auf rund 50 Seiten herausgegeben. Top Bankster müssen sich schliesslich auch zu Benehmen wissen!
    Ein Angestellter der UBS darf z.B. – laut Reglement – keine karierten Socken tragen, diese müssen Schwarz wie die Nacht sein. Sicherlich haben Psychologen rausgefunden, dass sich ein Zockerverlust von 3 Mia. mit schwarzen Socken leichter ertragen lässt.
    Bloss zu schade, dass es keinen Nobelpreis für Arbeitgeber gibt. Die UBS hätte diesen in diesem Jahr, sowas von locker vom Hocker gewonnen 😉

    • crunchy sagt:

      Es geht erstmal um Liquiditässicherung. Der Broker Knock-Out hat ja schon zu Marginerleichterungen geführt. Dann geht´s um das Verstecken der Probleme. Wenn der Markt: Aktien/Renten/Rohstoffe mitbekäme, was wirklich abläuft, würde er nicht mehr handelbar sein.
      Wer mit seinen Dispositionen noch bis zum Freitag wartet, wird am Montag feststellen: Das hat ja KEINER ahnen können. – Vielleicht, aber manche wussten es: J.P.M., G.S., M.S., die Politiker, fast alle wurden informiert, nur der arme Zocker nicht. Wer hat´s ihnen gesagt? Nicht die Schweizer warn´s: Die Griechen!
      Ich hab´nen heiden Spass!

      • bizzer sagt:

        „heiden Spass“ 🙂
        Dacht ich mir’s doch, dass Du heidnisch bist, wenn man heute noch Spass haben kann 😉
        Verrate uns doch mal Deinen Spassfaktor (Ernst gemeint)!

        Ich mach den Anfang:
        Die Schweizer warn’s noch NIE, ergo können sie’s auch diesmal nicht gewesen sein!

        Mein Spassfaktor liegt, betreffend der aktuellen Situation darin, dass sich die Schlange selbst in den Schwanz beisst. Aua! Ein System, sich gerade die Beerdigung des Gerechten zu Recht legt und die Totenmelodie (mehrstimmig) übt. Den Totenschmaus zahlen wir – wie immer gnädig, gerne, würdevoll und mit vollem Respekt für das Eins, welches langsam zur Zwei mutiert – ein Schelm, welcher hierbei an Billionen denkt.

        AMEN, i’ve got dreams to remember

        (ausgesprochen und betont, wie Otis Redding im gleichnamigen Song)

        • crunchy sagt:

          Das mit dem Spass war gestern… .
          Heute nähere ich mich wieder dem Boden und frage mich: was ist wichtiger: Mensch oder Zeit? Mensch hat wenig Zeit; Zeit hat viel Mensch! Nächste Woche wird Mensch erkennen, dass Zeit für ihn neu beginnt, aber Zeit keinen neuen Menschen machen kann.
          Als Grosser Latriner erinnerte ich mich eben an die Zeitform:
          Plusquamperfekt (sowas wird unterrichtet!) und einen damit kommenden Witz: „Has´te mal `nen Euro?“

          Spass währt nur solange, bis die Zeit einen einholt.

  7. Fnord23 sagt:

    Hallo @all,
    schlechte Stimmung hier? Kann ich verstehen.

    Ich war heute bei einer Schulung für Versicherungsvertreter. Sorry, mußte sein. Bei denen ist alles in Ordnung. Da wird sich schon das nächste neue Leasing-Auto ausgesucht.

    Noch mal schnell zum Jahresendspurt, weil doch ab 01.01. der Garantiezins gesenkt wird. Alles in Butter.

    Jetzt weiß ich nicht: Sind die doof, oder ich? Ich mein, die sind mehr. Aber die Mehrheit liegt ja bekanntlich immer falsch.

    Ich weiß nur: Die haben glücklichere Tage!

    Bei mir hebt das die Stimmung:

    http://

    anstalt.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,4291327,00.html?dr=1

    VG aus Sachsen

    • Avantgarde sagt:

      Neues aus der Anstalt gehört inzwischen zu meinem festen Programm – ansonsten ist das auch kaum noch auszuhalten 🙂

      Ist schon erschreckend wie man sich von Krise zu Krise hangelt.
      Seit 2008 als das ganze Fiasko offensichtlich wurde ist NICHTS am Finanzsystem geändert worden.

      Die Symptome werden bekämpft und anschließend geht es weiter wie bisher 🙁

      So ist es inzwischen ein Leichtes „nach“ der Krise bereits die nächste vorauszusagen – nur kann man inzwischen schlecht sagen, ob es ich um Monate oder lediglich um Tage handelt.

      Und so wird es eben weiter gehen 🙁
      Keine Dummheit ist groß genug als dass man sie nicht(absichtlich) beibehalten könnte.

      Wenn ich mir die Nachrichten so ansehe – dann verstehe ich langsam die Biblische Geschichte um das goldene Kalb.
      „Die Märkte“ sind unser neuer Gott.

      Die Politik verschlimmert die Ungleichgewichte auch noch ständig.
      Dieser Wirtschaftskrieg kann am Ende durchaus in einem tatsächlichen enden.

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