Und plötzlich ist alles anders – Guttenberg, Gaddafi und die Sache mit der Zahnpasta

2. März 2011 | Kategorie: Aufgelesen

vom Smart-Investor

Betrachten wir den Alltag bzw. unsere Umgebung, dann kann leicht der Eindruck entstehen, dass die Dinge in einigermaßen ruhigen Bahnen verlaufen. „Alles schon mal dagewesen“ oder „ Nichts Neues unter der Sonne“ sind altväterliche Spruchweisheiten, die diesen Eindruck verstärken. Kleinere Abweichungen lassen sich korrigieren und schon läuft alles wie gehabt. Es ist diese Vertrautheit des Alltags bzw. unserer Umgebung, die uns ein Gefühl von Sicherheit und Berechenbarkeit gibt…

Berechenbarkeit ist ein statistisches Phänomen

Nichts könnte falscher sein. Tatsächlich gibt es keine Sicherheit und Berechenbarkeit ist allenfalls ein statistisches Phänomen, von dem vor allem Versicherungen profitieren. Was für das Kollektiv unspektakulär ist, kann für den Einzelnen ein einschneidendes Ereignis sein. Streng genommen wiederholt sich auch nichts. Sicher, es gibt Ähnlichkeiten, manches wird sogar so ähnlich sein, dass es uns als identisch erscheint. Aber selbst für den extrem unwahrscheinlichen Fall, dass sich ein Ereignis in allen Facetten identisch wiederholt, ist es doch nicht dasselbe, und sei es alleine aus dem Grund, dass es nun eine Wiederholung ist: „Das erste Mal“ ist eben etwas anderes, als das 57ste Mal, selbst wenn es identisch wäre. Daraus folgt aber eine weitere Einsicht: Nichts lässt sich rückgängig oder ungeschehen machen, egal wie sehr man sich bemüht. Der Kinofilm „Butterfly Effect“ zeigte das recht anschaulich: Jeder Versuch der Korrektur vergangener Geschehnisse war unvollkommen und produzierte immer neues und größeres Chaos. Oder wie der Volksmund in Anlehnung an ein Zitat der Kabarettistin Lore Lorentz weiß: Man kann Zahnpasta nicht wieder in die Tube hineindrücken. Zwei aktuelle Beispiele mögen das illustrieren:

Diktator sein dagegen sehr

Der libysche Staatschef Gaddafi beispielsweise wurde jäh aus der scheinbaren Sicherheit seines Diktatorenalltags gerissen, als sich „aus heiterem Himmel“ Widerstand gegen seine langjährige Tätigkeit formierte. Für ihn, und nicht nur für ihn, ist plötzlich alles anders, und unumkehrbar ist es noch dazu. Neben solchen exogenen Ereignissen, die unvorbereitet eintreffen, gibt es aber auch Tatsachen, die man selbst geschaffen hat. Herr Gaddafi mag es rückblickend bedauern, dass er sich für die Diktatorenlaufbahn entschieden hat, rückgängig machen kann er es nicht. Vielleicht hätte der Mann mit dem Hang zu phantasievoller Bekleidung doch besser „irgendwas Kreatives“ gemacht, Mode oder so. „Dolce & Muammar“ hätte ein erfolgreiches Label werden können, zumindest in den Hochburgen des rheinischen Karnevals. Aber dieser Zug ist natürlich abgefahren – endgültig. (weiter)

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