Und der nächste männliche Bundeskanzler heißt …

22. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Bundestagswahl steht vor der Tür und das Wahlvolk wird vor allem mit Meldungen zum Thema Diesel beschäftigt. So kann man gleichzeitig munter Aktivität suggerieren und Forderungen herausschleudern, über die ohnehin von Gerichten entschieden werden muss. Praktischerweise erspart der schrille Lärm die nervenden Gespräche über planlose Grenzöffnungen, Kontrollverlust und Konsequenzen…

Für schwierige Themen ist ja nach der Wahl wieder Zeit genug. Derzeit plant das Berliner Theater augenscheinlich nach der nächsten Wahl keine Neubesetzung für die Rolle der Kanzlerin. Die spannenden Fragen drehen sich eher um ein mögliches Scheitern der Grünen an der 5%-Hürde oder das Abschneiden der AfD. Wie immer vor der Wahl heißt es also abwarten und Lebenszeit sparen, indem man das Geplärre der Prognostiker ignoriert.

Von inhaltlich nennenswerten Diskussionen fehlt jede Spur. Was soll man auch erwarten in einer ach so komplizierten Welt. Die Menschen haben Angst vor dem Klimawandel. In die Luft gesprengt zu werden, den Arbeitsplatz zu verlieren oder auch so profane Dinge wie Steuern geraten in den Hintergrund. Der Gedanke an einen möglicherweise in 350 Jahren höheren mittleren Temperaturpegel treibt dem Michel das weiße in die Augen. Die Panik ist deart groß, dass er erst einmal mit dem Audi Q7 (Benziner, daher umweltfreundlich) zum Brötchenkiosk fährt um sich neben aufgebackenen Brötchen ( Backlinge per LKW aus Polen, drei Mal täglich frisch) über die neuesten Schätzungen in der Regionalzeitung (essbare Druckerschwärze auf klimaneutralem Papier) informiert. Vielleicht ist doch mal ein neues Auto fällig, auch der Nachfolger eines drei Jahre alten Benziners ist ja sicher heute abgasärmer unterwegs. Auch bei den Gehwegplattenwerfern mit der Maofibel und dem Che Leibchen ist die Lage kompliziert. Wenn linke Gewalt nicht links sein kann, weil Gewalt per se nicht links ist und wenn Parteien öffentlich dazu aufrufen, die Veranstaltungen anderer demokratischer Parteien aktiv zu stören, was soll man da außer Wegschauen noch tun?

Man darf das wohl als Ausdruck der Hiflslosigkeit gegenüber dem Neuankömmling AfD verstehen, mit der man eine inhaltliche Auseinandersetzung scheut. Die Angst vor dem Gegner ist angesichts der bei einigen Parteien früher zu beobachtenden internen Streitlust verwunderlich. Wenn aber das Hirn nur noch Sätze wie „Deutschland von der Karte streichen, Polen muss bis Holland reichen“ herauströpfeln lässt, sollte man das mit dem Diskutieren besser bleiben lassen. Auch die treuen Stammwähler müssen doch irgendwie zu vertreiben sein.

Möglicherweise ist es auch schon die Panik einiger Parlamentarier, deren vermeintlich sicherer Listenplatz nicht mehr so sicher ist wie er vor Monaten noch schien. Da muss sich manch beurlaubter Lehrer wohl davor fürchten bald wieder im Lehrerzimmer aufzulaufen und die lieben Kollegen zu nerven. Mal sehen wie die guten Demokraten den Verlust der eigenen Privilegien verkraften.

Nicht jeder alternative Berufsplan kommt für jeden noch aktiven Politiker in Frage. So versuchen sich manche, einige davon immer wieder, als Buchautoren. Das geht oft in die Hose, zumindest wenn man den Rezensionen bei Amazon Glauben schenken darf. Der Konzern steht wohl kaum im Verdacht seinen Schwerpunkt auf eine bestimmte Klientel zu legen und so darf man die Bewertungen der Bücher von Herrn Maas und Frau Roth mit einem Schmunzeln zur Kenntnis nehmen.

Buch von Claudia Roth. So geht Deutschland.

Wer sich nach der Rothschen Anstiftung erst mal setzen musste, der darf sogleich wieder aus dem Sessel krabbeln, denn ein weiterer Literat betritt die Bühne.

Buch von Heiko Maas. Negative Rezensionen.

Bei Maas ducken sich vor allem die Leser weg. Neben der italienischen 5-Sterne Bewegung gibt es in Deutschland als literarisches Pendant eine 1-Sterne Bewegung. Interessanterweise scheinen diese Bewertungen der Leser in etwa die längerfristigen Beliebtheitswerte der Verfasser und ihrer Parteien widerzuspiegeln. Frau Roth wird sich davon, das zeigt die von ihr in den letzten Jahren veröffentlichte Bücherflut, kaum vom Schreiben oder schreiben lassen abhalten lassen. Ob im Justizministerium bereits Pläne geschmiedet werden, negative Bewertungen bei ausgewählten Büchern verbieten zu lassen wird, bleibt abzuwarten. Immerhin stoßen diese Bücher zwar auf geringe Akzeptanz bei den Lesern, doch die deutsche Presse hat sich darauf geeinigt, dass es inhaltlich gute beziehungsweise keine verwerflichen Bücher sind. Andere Bücher sind aber ganz schlechte Bücher, die das Volk in die Irre leiten. Diese werden möglichst rasch und ganz demokratisch von den Bestsellerlisten entfernt, wenn sie sich wider Erwarten glänzend verkaufen. Ein Beispiel ist das Buch „Finis Germania“ vom Historiker Rolf Peter Sieferle.

Ein gesundes Desinteresse gepaart mit großer Schlichtheit führt offenbar dazu, dass viele, und darunter nicht nur ZEIT-Leser, dieses Buch schon auf Grund des Titels für ganz schlimm halten. Um es wirklich beurteilen zu können, sollte man es aber gelesen haben, was auf Grund der Kürze für die meisten Menschen machbar sein sollte. Die Komplexität dürfte allerdings die der gesammelten Werke zahlreicher Politiker deutlich übertreffen. Die rote Wartezimmerauslage aus Hamburg war daher offenbar schon rein inhaltlich mit dem Buch überfordert und strich den Titel von der Bestsellerliste als handele es sich um eine Anleitung zum bewaffneten Umsturz. Man will ja nicht die möglichen künftigen Subventionen aus der „staatlichen Beihilfe für systemrelevante Presseerzeugnisse“ verspielen.

(FAZ online„Finis Germania“ von Sieferle. Warum der „Spiegel“ das Skandal-Buch aus seiner Liste streicht.

Vergangene Woche tauchte das umstrittene Buch „Finis Germania“ auf der „Spiegel“-Bestsellerliste auf, diese Woche ist es verschwunden. Nun begründet das Magazin seine Entscheidung.

Statt „Finis Germania“ ist der Titel auf dem Platz dahinter einfach eine Stelle nach vorne gerückt. Um das Buch hatte es schon im Juni einigen Wirbel gegeben, nachdem der „Spiegel“-Redakteur Johannes Saltzwedel, Mitglied in der unabhängigen Jury „Sachbücher des Monats“, Sieferles Werk dafür empfohlen hatte. Nach heftiger Kritik war Saltzwedel als Jurymitglied zurückgetreten.

Sie ist schon armselig, diese selbst ernannten Medien-Elite. Aber nichts ist bekanntlich so schwierig abzuschütteln wie eine schlechte Angewohnheit. Der Beliebtheit des Buches hat dies keinen Abbruch getan.

Finis Germania. Rolf Peter Sieferle. Spiegel Bestseller oder nicht?

Zurück zur baldigen Wahl und der folgenden Legislaturperiode. Gibt man sich einem kleinen Gedankenspiel hin, so kann man folgendes erwarten. Angela Merkel wird erneut Kanzlerin. Nach zwei Jahren wird sie auf Grund ihrer „hervorragenden Leistungen für die Menschlichkeit“ oder ähnlicher Dinge auf einen hohen, vermutlich den höchsten, Posten in der EU gehievt. Auf Grund der Besetzung dieses Postens mit einer Deutschen wird der Eindruck vermittelt, jetzt steige der Einfluss Deutschlands in der EU. Das ist natürlich Unsinn, denn ein solcher Posten wäre böse formuliert nichts anderes als eine Art „Belohnung“ für den stetigen Rückbau des deutschen Einflusses bei simultan steigenden Beiträgen, die vor allem durch den Austritt Großbritanniens noch einmal deutlich zulegen dürften. All dies geschieht natürlich für den Frieden und Europa und so weiter. Wer das nicht gut findet ist ein finsterer rechter Gesell und natürlich ein gnadenloser Populist.

Der dann frei werdende Kanzlersessel wird dann von jemandem besetzt werden, der diesen Platz wohl kaum im Rahmen einer Wahl gewinnen würde. Der von vielen fast vergessene Herr von Guttenberg ist genau dieser Kandidat. Vorher macht man ihn gegebenenfalls noch zum Verteidigungsminister um die offensichtlich überforderte aktuelle Stelleninhaberin loszuwerden. Der Mann, der mit einem nicht rechtmäßig verliehen Doktortitel herumlief, wurde so lange in der Versenkung gehalten, dass der Michel das spätestens nach zwei Jahren als Nachrückkanzler vergessen haben dürfte. Zur Not hilft beim Abholen der Bevölkerung ein Funken medial verbreiteter Menschlichkeit nach, wie etwa der Besuch eines Konzertes einer AC/DC Coverband in der Provinz oder der zumindest angedeutete Verzehr eines Döners am Times Square in New York. Für den Bürger hat das ganze den Vorteil, den nächsten Kanzler nicht wählen zu müssen. Ist das nicht ganz toll demokratisch? Vielleicht schreibt er acht Jahre später dann auch ein Buch über diese irre Story. Mal sehen ob es jemand lesen mag.

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