Unbegreiflich?

21. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Würden die Menschen die Macht über ihr eigenes Geld besitzen, und nicht private Geschäftsbanken, sähe unsere Welt heute völlig anders aus…

Auf unserer Welt geschehen seit Urzeiten Dinge, die oftmals erst im Rückblick verstanden werden können:

Was mögen die Menschen in den USA und in Europa wohl gedacht haben, als es im Jahr 1816 einfach nicht Sommer werden wollte? Bei frostigen 15 Grad unter null und einem Blick aus dem Fenster fällt die Vorstellung von Sonne und Badestrand zwar auch heute schwer, doch insgesamt sind wir alle uns wohl einig, dass es spätestens ab März oder April wieder wärmer werden wird.

1816, im Jahr ohne Sommer, war das anders: Etwa ein Viertel der Bevölkerung Süddeutschlands verließ damals die Heimat in Richtung Osten. In der Hoffnung auf bessere Ernten als im winterkalten und vom Hunger geplagten Mitteleuropa.

Erst mehr als 100 Jahre später fanden amerikanische Klimaforscher eine Erklärung für Kälte und Frost mitten im Sommer: Im April 1815 hatte ein Vulkanausbruch im heutigen Indonesien die Atmosphäre verdunkelt – wovon die Menschen in Europa allerdings nichts wussten. Für sie war der „Wintersommer“ schlicht „unbegreiflich“, weshalb man an eine Art Gottesgericht glaubte.

Um der eigenen Vorstellungskraft auf die Sprünge zu helfen: Die Eruption des Tambora im heutigen Indonesien war einer der stärksten Vulkanausbrüche der vergangenen 25.000 Jahre und hatte die oberen 1.500 Meter des damals 4.300 Meter hohen Berges einfach weggesprengt. Das wäre in etwa so, als würde heute ein Gebirge von der Höhe der bayrischen Voralpen in die Luft fliegen.

Und wir meinen tatsächlich, wir könnten die Naturgesetze außer Kraft setzen? Niedliche Vorstellung.

Wachstum

Unbegreifliche Dinge mit gewaltiger Sprengkraft geschehen allerdings auch heute. Anders als die Menschen im 18. und 19. Jahrhundert könnten wir jedoch schon jetzt die richtigen Fragen stellen – und müssen nicht 100 Jahre warten:

 

Jefferson Ereignis

Die unbegreiflichsten Dinge geschehen allerdings in unserem Geldsystem:

Es ist so offensichtlich fehlerhaft und zerstörerisch, dass wir uns gute Argumente überlegen sollten, wie wir unseren Enkeln diesen Blödsinn einmal erklären wollen.

Warum etwa wird heute nicht über den Sinn und Unsinn von Zentralbanken diskutiert, wo schon die legendären US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und John F. Kennedy der Ansicht waren, nicht die Banken, sondern die Menschen müssten über das Geld herrschen. Andernfalls würden jene Banken die Völker betrügen, ausrauben und enteignen. Was sehen wir denn da vor unseren Augen? Etwa Friede, Freude Eierkuchen? Oder sehen wir genau das, was diese Männer angekündigt haben?

Und warum überlässt der Staat die Geldschöpfung privaten Geschäftsbanken? Genauso gut könnte der Gesetzgeber festlegen, dass nicht mehr private, intransparente und oftmals kriminelle Finanzhäuser Giralgeld schöpfen, sondern der Staat selbst, und zwar im öffentlichen Interesse und nach transparenten Regeln.

Jefferson Geld

Warum waren denn in den USA im 18. Jahrhundert zwei Zentralbankexperimente grandios gescheitert? Und warum versuchte man diesen Quatsch im Jahr 1913 erneut? Sind wir wirklich alle völlig verblödet oder nur zu faul zum Suchen? Oder etwa zu bequem, um aus dem Sessel zu kommen und unsere Stimme zu erheben?

Wer genau hinsieht, der erkennt, dass unser völlig fehlkonstruiertes Geldsystem eine der Hauptursachen ist für fast alle Fehlentwicklungen auf unserem Planeten.

An einem Beispiel, das auf den ersten Blick gar nichts mit dem Geldsystem zu tun hat, lässt sich das verdeutlichen:

Wie kürzlich zu lesen war, geben immer mehr Eltern ihren Kindern Schlafmittel. Der Grund: Sie wollen selbst auch einmal durchschlafen.

Der erste Impuls ist vielleicht, sich über solche Entwicklungen aufzuregen. Was für Rabeneltern! Die Reaktion ist verständlich, doch bei weiterem Nachdenken kommt man darauf, wo die eigentliche Ursache des Problems liegt:

Wir alle werden systematisch gezwungen, nahezu die Hälfte unserer Arbeitszeit dem „Zinsdienst“ zu opfern. Weil der Zinsanteil bei allen Gütern des täglichen Bedarfs systembedingt immer weiter steigt, wird diese Belastung immer größer. Jeder, der für seinen Lebensunterhalt Geld verdienen muss, bekommt das zu spüren – nicht zuletzt die nachwachsende Generation, der man seit einigen Jahren mit dem zwölfstufigen Gymnasium (G8) zu Leibe rückt. Der Grund ist auch hier das Geldsystem: Wer seine Ausbildung früher beendet, der hat länger Zeit, sich am allgemeinen „Schuldendienst“ zu beteiligen.

Eltern mit kleinen Kindern bekommen das Phänomen besonders zu spüren, denn sie müssen neben ihrer täglichen Arbeit zur Bestreitung des Lebensunterhalts auch noch Kraft und Nerven für die Betreuung der Kleinsten aufbringen.

Mit einer Abschaffung des Zinsgeldmonopols der Banken wäre das Problem schnell beseitigt: Die gesamte Volkswirtschaft würde einen zweistelligen Milliardenbetrag an Zinszahlungen einsparen, der heute den Finanzhäusern in den Rachen geworfen wird. Eltern, und auch alle anderen, müssten bei gleichem Lebensstandard nur noch halb so viel arbeiten. Endlich wäre genügend Zeit für die Kleinsten, für Kranke und Pflegebedürftige. Und niemand müsste seinen Kindern „K.O.-Tropfen“ verabreichen.

Wie gesagt, das sind keine utopischen Spinnereien, sondern Gedanken, die auch die US-Präsidenten Abraham Lincoln und John F. Kennedy beschäftigt haben: Würden die Menschen die Macht über ihr eigenes Geld besitzen, und nicht private Geschäftsbanken, sähe unsere Welt heute völlig anders aus.

In ganz ähnlichen Denkschritten lassen sich das aktuelle Flüchtlingsproblem, die weltweiten Staatsschulden, die Kriege weltweit, die Rüstungsexporte, der Hunger in der Welt, die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die Zerstörung der Umwelt, und viele andere Probleme auf unser Geldsystem zurückführen.

Es ist schlicht und ergreifend vollkommen verrückt, zerstörerisch und dringend reformbedürftig. Es wird höchste Zeit, dass wir das endlich erkennen, die Ärmel hochkrempeln und die Sache anpacken. Andernfalls wird es bei Schlafproblemen nicht bleiben.

Schon eher dürfte uns dann ein gewaltiger „Vulkanausbruch“ überraschen. Wir hätten es wissen können…

Andreas Hoose – Antizyklischen Börsenbrief

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