Unartige Unworte

2. Januar 2011 | Kategorie: RottMeyer

„Wutbürger“ ist das Unwort des Jahres. Ich war für  „Oberleitungsschaden“. Zum Glück fragt mich keiner, obwohl die Börse mit Oberleitungsschäden in gewisser Hinsicht schon etwas zu tun hat, nämlich dann, wenn der Geldstrom ausfällt. Dafür gibt es aber die Notstromeinrichtungen, die man im Allgemeinen auch „Zentralbank!“ nennt.

Zyniker meinen, die Börse wäre eine „Bedürfnisanstalt“, weil man dort etwas loswerden kann – sein Geld. Manche machen dort ein kleines Vermögen, wenn sie ein Großes mitbringen. Doch es gibt Schlimmeres: zum Beispiel Experten und einen Autor, unter dem Sie regelmäßig leiden.

Per Definition sind Experten oft Leute mit stilsicherem Auftreten aber Null-Ahnung. Sie sind meist gut gekleidet, was die Sache aber auch nicht besser macht. Weltweit arbeiten zwei Millionen Wissenschaftler in der Finanzbranche. Es verwundert doch, dass sich die Erde unter dieser Last überhaupt noch dreht. Experten korrigieren das ganze Jahr über ihre Prognosen, vor allem, wenn es überraschende Überraschungen gibt, die an der Börse manchmal auch zu Oberleitungsschäden führen.

Davon war in diesem Jahr wenig zu sehen. Der DAX legte 16 Prozent zu. 2010 steht vor allem im Zeichen des „Quantitative Easing“, dem hübschen Begriff für Geld drucken. Das ist wie bei einem Seitensprung. Man geht nicht fremd, sondern bekannt. Wahrscheinlich wird man von dieser Droge auch im nächsten Jahr nicht lassen können. Und wenn es auch mal zu „Gewinnmitnahmen“ kommen sollte, verstehen Sie es als „Anlagenotdurft“. So einfach ist das mit dem Geld und den Aktien. Guten Rutsch! Aber rutschen Sie nicht aus!

©Frank Meyer
(Kolumne aus den Lübecker Nachrichten)

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