Umgang mit Strom für Volltrottel

14. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Sind es nicht herrlich – verrückte Zeiten. Täglich streikt das Zwerchfell. Mein Stromanbieter hat sich neulich per Email gemeldet und mir einen neuen und natürlich höheren Abschlagsbetrag mitgeteilt. Dazu lieferte er kostenlose Stromspartipps. Das ist weiter nicht schlimm. Schlimm ist nur, dass er mich für einen Hirni hält. Vielleicht bin ich das ja auch…

Wie dem auch sei. Wenn man Dir etwas schenkt, sei vorsichtig, sagt meine Großmutter. Und wenn jemand mit Vertrauen daher kommt oder sich für nicht entgegen gebrachtes Vertrauen bedankt, dann erst recht. Und hüte Dich vor Aufforderungen, den Nachbarn und die Freunde übers Ohr zu hauen, nur weil Dir jemand dafür ein i-Dings oder ne Kaffeemaschine verspricht.

Es bleibt dabei. Die Kilowattstunde kostet künftig rund 50 Pfennige. Von wegen Inflation. Vielleicht sollte ich früher ins Bett gehen. Auch wenn das mit den Pfennigen politisch unkorrekt war, aufgeschreckt aber wurde ich erst von Stromio`s Strom-Spartipps. Das ist so, als warnte mich der Bäcker vor zu vielen seiner Brötchen oder die Tankstelle vor zu vielem Tanken.

Es sind „hoheitlich veranlasste Belastungen“, schreibt mein Stromversorger als Grund für weiter steigende Strompreise. Im nächsten Jahr sind es steigende Preise für das, aus dem die Versorger den Strom machen, und ein Jahr später eine Mischung aus beidem. Wenn man sich auf etwas verlassen kann, dann auf steigende Strompreise. Und wenn der Staat erst mitmischt, dann ist das fast schon das Gesetz der steigenden Preise.

Doch bevor ich mich zu sehr errege, genieße ich die heiteren Seiten postalischer Vergnügung: Wenn die Briefe der Versorger raus sind, dann kommen die Fernsehsender mit den Experten und deren Energiespartipps. Da lassen sich locker mal 100 Euro sparen. Ho ho ho! Alles Jahre wieder.

Strom ist übrigens inzwischen so teuer geworden, dass in 500.000 deutschen Haushalten abends wieder die Kerzen brennen. Das hält zumindest vom TV-Programm ab – und das Auge sauber. Es schützt auch vor elektronischer Post wie der meines Stromversorgers. Mehr Vorteile konnte ich nicht entdecken.

Doch eines möchte ich nicht vorenthalten: Die Stromspartipps: Offenbar haben die Stromversorger nur Idioten oder Dummköpfe als Kunden, also mich, die stundenlang bei 35 Grad in der Wohnung das heiße Wasser unter Vollbeleuchtung laufen lassen und testen, wie lange es der Elektroherd macht. Oder sie haben gute Werbetexter mit einem gewissen Hang zum Zynismus.

Als Ihr Energieversorger unterstützen wir Sie im nachhaltigen und kostenbewussten Umgang mit Energie.

Soweit ich weiß, habe ich nie um Unterstützung gebeten. Ich will bloß Strom! Gernot Hassknecht (ZDF, heute-show) würde spontan in den Schreimodus übergehen.

Trotz aller staatlichen Einflüsse auf Ihren Strompreis bleibt es dabei: Sie erhalten eine verlässliche Energieversorgung zu günstigen Preisen und einen ausgezeichneten Service. Nicht zuletzt, weil wir bei unseren Kunden hohen Wert auf Service und Transparenz legen.

Die Frage ist doch: Wie verkauft man einer toten Kuh ein Ersatzeuter und dazu einen Grasbeutel? Stromversorger können das. Die Politik auch. Geschickt! Fehlt nur noch Strom, der nach den preislichen Komponenten zu gehen, bestimmt schon duftet und/oder über die Nachttischlampe Gute-Nacht-Geschichten erzählt. Das hätte doch was.

Sorry! Jetzt gehe ich in den Schreimodus über…

ICH HABE KEIN VERTRAUEN, FÜR DAS SIE SICH BEDANKEN MÜSSEN. ICH BIN BLOSS STROMVERBRAUCHER. DIESES VERTRAUEN KANN NICHT ANHALTEND SEIN, WEIL ICH NIE VERTRAUEN IN STROMANBEITER HATTE UND NIE HABEN WERDE! IHR STROM MAG SAUBER UND SICHER SEIN, ABER FÜR EINE HALBE MILLION LEUTE IST ER NICHT MEHR BEZAHLBAR! OB GRÜN, SAUBER, LUSTIG, NACHHALTIG ODER TRANSPARENT. UND FEUERN SIE IHRE MAILSCHREIBER. SOFORT!

Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung sorgt kurzfristig für Änderungen bei den Verbraucherstrompreisen – doch die Investitionen werden sich langfristig für alle auszahlen

AHHHHHHHHHH! SAUBER – SICHER – BEZAHLBAR. DANKE, DASS IHR STROM NICHT IM KÜHLSCHRANK EXPLODIERT – WEGEN DER SICHERHEIT. UND DANKE, DASS ER MEINE WOHNUNG NICHT VERSCHMUTZT WIRD WEGEN DER SAUBERKEIT. IST JA NUR KURZFRISTIG… Sorry, Gernot!

Ja, die Investition wird sich langfristig für alle auszahlen. So lange lebe ich gar nicht. Nicht mal eine Schildkröte und ein Strommast aus Grauguss.

Was? Noch eine Umlage? Die Strom-NEV-Umlage… Nie etwas davon gehört. Sie sorgt für Entlastung oder Befreiung besonders stromintensiver Abnehmer aus der Industrie. Sie zahlen nicht für Netzentgelte für die Durchleitung von Strom. Deren Rechnung zahlen wir alle mit. Deshalb bin ich so glücklich, nachdem ich mich ausgelacht habe und die Fenster der Nachbarn jetzt spätestens gesplittert sind. Hassknecht hat erst den Grundkurs im Brüllen abgelegt. Bei mir aber sind gerade die Autoscheiben auf der Straße geborsten und sämtliche Weingläser auch.

Na mal sehen. Jetzt kommen die Tipps:

Energiesparlampen reduzieren den Verbrauch gegenüber herkömmlichen Glühlampen um rund 80 Prozent.

…erhöhen aber die Arztrechnung später um ein Vielfaches, wenn ich mir nur genügend Quecksilber in die Birne geschnüffelt – und der Lichtlobby entsprechend hohe Beträge bezahlt habe. Wie konnten wir nur mit  den jetzt so bösartigen Glühbirnen damals überleben. Dazu kommen die Kosten für meinen Psychologen, denn Licht aus Energiesparlampen macht mich latent aggressiv, ja gar bösartig.

In nicht genutzten Räumen sollten Sie stets darauf achten, dass das Licht ausgeschaltet ist.

Jetzt fühle ich mich beleidigt.

Lampen und Leuchten sollten regelmäßig unter Beachtung von Vorsichtsmaßnahmen (Trennung vom Netz) gereinigt werden.

Gut, dass ich darauf hingewiesen werde. Ich hätte jetzt spontan und aus Leidenschaft in die Fassungen gegriffen – und das mehrfach wegen des Spaßes. Sie liefern doch Strom mit Spaß und Heiterkeit. Nein? Auch in  Sachen Warmwasseraufbereitung gibt mir mein Versorger geldwerte Tipps. Was halten Sie davon?

Vermeiden Sie unnötigen Verbrauch von warmem Wasser.

Ich bin schon wieder beleidigt.

Beim Duschen kann das Wasser während des Einseifens abgestellt werden, auch am Waschbecken sollten Sie das Wasser nicht ununterbrochen laufen lassen.

AHHHHHHHHHHHH! Einseifen. Gutes Stichwort. Das geht auch mit Gedrucktem.

Nutzen Sie wassersparende Einrichtungen (Perlatoren) an Duschköpfen und Wasserhähnen. Lassen Sie Warmwassergeräte regelmäßig und fachmännisch warten und entkalken.

Kostet ja nur den Fachmann und 100 Euro An–und Abfahrtweg. In der Kalkulation sind die noch nicht enthalten. Schließlich geht man davon aus, dass der Otto Normalbürger weder weiß, was Kalk ist, noch ahnt, wie man den selbst entfernt. Auf Schulbildung ist eben immer wieder Verlass.

BUCHEN SIE EINFACH DEN BETRAG VOM KONTO AB, ABER STECKEN SIE SICH IHRE DÄMLICHEN SCHREIBEN IN IHREN A…. (Wo ist das Testbild?)

So, ich muss jetzt an die frische Luft. Licht aus – und raus.


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7 Kommentare auf "Umgang mit Strom für Volltrottel"

  1. FDominicus sagt:

    Also ich kann da nur „business as usual“ erkennen. Ich meine werden Sie „nur“ von ihren Stromanbietern verschaukelt? Lassen Sie mal sehen
    §125 AEUV (no-bailout)

    EZB Gesetz verbietet ausdrücklich Staatsfinanzierung.

    Wurde uns nicht sogar ex cathedra verkündet der Ausstieg aus dem Atomstrom würde nur einen geringen Einluß auf den Strompreis haben?

    Lassen Sie mich anders herum fragen. Wann wurden Sie in den letzten Jahren nicht wir ein völliger Idiot behandelt?

  2. Lotus sagt:

    In den 70iger Jahren, als ich noch Kind war, hieß es aus der SED-Propanda, die Energie-Ressourcen neigen sich dem Ende. Bitte liebes DDR-Volk spart Strom/Energie, damit der 10 Jahresplan in der Konsumgüterproduktion eingehalten werden kann. Ja, das machen wir. Pionier-Ehrenwort. Kaum zu glauben, aber die Stromausfälle wurden immer mehr.

    Nein, liebes Volk, dass reicht nicht. Ihr müßt Altpapier, Flaschen und Schrott bei Sero abliefern, damit alte Ressourcen wiederverwendet werden können. Das spart Energie und führt zur Steigerung der Produktionsmittel. Komisch, aber die Produktionsmittel kamen nicht zu uns, sondern führten in fremde Länder.

    Nicht so schlimm, sagte der SED-Führer Honnecker. Wir sind auf einem guten Weg und zeigen der Welt, wie stark der Sozialismus ist. Unsere Produkte sind gefragt, daher müssen wir uns anstrengen. Das fordert unser Bruder Breschenew, der so stolz auf das DDR-Volk ist. Wir sind die viert-größte Wirtschaftsmacht in der Welt. Der Sozialismus lebe hoch, hoch, hoch.

    40 Jahre später: Spart Strom, Öl, Gas. Die Ressorcen gehen zu Ende. … Na ja, wohin das führt, habt Ihr gerade gelesen. Jeder ehemalige DDR-Bürger fragt sich, wann die Schmerzgrenze der Bundesbürger endlich erreicht ist. Hätte man diese Entwicklung gewußt, dann……
    Revolution?

    Mit sozialistischen Gruß (lach)

  3. Reiner Vogels sagt:

    Nur Idioten könnten daran glauben, dass man mit Wind- und Solarstrom ein Industrieland wie Deutschland sicher und preiswert versorgen kann. Dies geht aus unüberwindbaren physikalischen Gründen einfach nicht. Früher hat jeder, der im Physikunterricht aufgepasst hat, das gewusst. Heute tendiert die naturwissenschaftliche Bildung in Parteien und in Redaktionsstuben offensichtlich gegen Null.

    Strom lässt sich großtechnisch nicht wirtschaftlich speichern. Das ist nun einmal so, und nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens wird das auch noch lange so bleiben. Kein einziger Physiker auf der Welt hat eine Idee veröffentlicht, nach der man doch Strom in großem Maßstab wirtschaftlich speichern könnte. Daran können weder idiotische Parteitagsbeschlüsse der Einheitsparteien (CDU/CSU/SPD/Grüne/FDP) noch ebenso idiotische vom Parlament verabschiedete Gesetze etwas ändern.

    Das einzige, was Wind- und Solarstrom bewirken können, ist eine ständige dynamische Preissteigerung und eine Gefährdung der Versorgungsstabilität.

    Kollateralschaden dieser Idiotenpolitik wird eine großflächige Zerstörung weiter Teile der deutschen Industrie sein. Ich rate daher jedermann, deutsche Aktien nur mit spitzen Fingern anzufassen. Insbesondere muss man darauf achten, dass die Unternehmen wenigstens einigermaßen energiewenderesistent sind. Kriterien zur Beurteilung dieser Eigenschaft sind:

    1. Fähigkeit, eine eigene, von staatlichen Idiotengesetzen unabhängige Stromversorgung aufzubauen. Beispiel: BASF in Ludwigshafen

    2. Internationale Diversifikation der Produktionsstätten, so dass die Unternehmensführung energieintensive Produktionen ins weniger idiotisch regierte Ausland verlagern kann. Beispiel SGL Carbon

    3. Eine im Verhältnis zum Energieverbrauch relativ hohe Wertschöpfung. Beispiel: Sofwareunternehmen. Gegenbeispiel: Stahl- und Kupferhütten, Gießereien, Grundchemie o.ä.

  4. jurnaljacke sagt:

    …selbst schuld!!!
    hier noch einige persönliche energiespar(erzeuge)Tips an Frank:

    1. ökologisch gerechtes entsorgen der Tomaten- und Gurkenpflanzen (der ganze Balkon steht voll!. Spart Wasser und lässt mehr Licht ins Zimmer).
    2. Ersetzen der altmodischen Pflanzen durch eine hochmoderne, effiziente chinesische Photovoltaik-Anlage (midestens 100 kW (ca. 1.000m²)auf dem Balkon.
    3. Verzicht auf Herstellung von unhygienischer, altmodischer, Marmelade u.Ä. Das können große Werke in Fernost effizienter.
    4. Installation einer Windkraftanlage auf dem PKW(der Motorisierung entsprechend). Wird durch Fartwind angetrieben.
    5. Verzicht auf die Lagerung von EM im Haushalt. Verringert die spezifische Wärmekapazität im Haushalt.
    6. Wer kommt spült. Ausnutzung der Restwärme ausgelagerter Körperwärme im Bad.

    Ich denke mit der Umsetzung der Vorschläge verbessert sich die Umweltbilanz erheblich. Einem +AAA durch die Räting AG Rothtrittkühn steht dann nichts mehr im Wege.

  5. linsensuppe sagt:

    Guten Abend liebe Gemeinde
    Ich hab auch noch einen Superspartipp.

    Wie früher, als alles noch viel besser war, und der Spritpreis um 5 hihi Pfennige am nächsten Tag angehoben werden sollte, hat man sein Automobil schön vollgetrankt und alle vorhandenen Kanister gleich mit.

    Und jetzt gilt das gleiche. Am 31.12.2012 noch mal schnell alle Handys, Schoßklapprechnerakkus, elektrische Zahnbürstenakkus aufladen und den Sonntagsbraten schon mal vorkochen.

    Zum letzten Mal in der ganzen Wohnung Festtagsbeleuchtung an, schnell noch ein Foto vom hellen Schein und dann ab ins Stromteure neue Jahr.

    Wie hieß es mal so schön: „Alles wird besser, nichts wird gut“

  6. wkn sagt:

    Bin hier so am Grinsen – genial geschrieben!

  7. pat sagt:

    Wenn man jetzt bedenkt, dass der Strom ca. 5¢ pro kWh kostet und alles andere Durchleitungskosten darstellt, dann ergibt die Strompreiserhöhung von knapp 2¢ durch das EEG knapp 40% teureren Srom…

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