Ukrainekrise expandiert

8. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Folker Hellmeyer

Während die Weltwirtschaft in ihrer Potenz durch die Ukrainekrise minimiert wird, expandiert die Ukrainekrise weiter. Die Kosten für die EU werden erkennbar. Tschechien hat bereits Forderungen wegen wegbrechender Osteuropageschäfte an die EU gestellt…

Deutschland darf das demnächst auch. Denn die neuen Bundesländer, na gut so neu sind sie nicht mehr, haben eine starke Ausrichtung nach Osteuropa. Die milden Worte aus dem Bundeswirtschaftsministerium bezüglich der Folgen für die deutsche Wirtschaft klingen wie das laute, aber doch ängstliche Rufen im Walde. Intern diskutieren wir die Begrifflichkeit „Verlust des Realitätssinns“.

Es ist aber nicht nur das Problem der ostdeutschen Länder. Hier im Westen im Bremer Umfeld kommt es wegen dieser Krise zu den ersten Freisetzungen von Arbeitskräften.

Aus den Gesprächen, die ich mit Unternehmen oder mit Personen, die Unternehmen mit Osteuropageschäft betreuen, führe, sind dramatische Verwerfungen in der Auftragslage erkennbar.

Chapeau, so generiert man Schaden … es gab übrigens einige wenige Leute, die öffentlich zur rechten Zeit vor genau dieser Konstellation warnten.
Der Nato-Generalsekretär, der Erfahrungen mit Vorverurteilungen in der Ukrainekrise hat, mischt sich aktuell ein.

Der Nato-Generalsekretär stellt der Ukraine Militärhilfen in Aussicht. Er appellierte an Russland, Truppen von der Grenze der Ukraine abzuziehen (während Truppenkontingente der Nato in der Ukraine sind, besonders im September, während der Flüchtlingsstrom aus der Ostukraine nach Russland mehr als 730.000 Personen laut UN umfasst …).

Nach unserem Kenntnisstand ist die Nato ein Verteidigungsbündnis für die Mitglieder und nicht ein Expansionskorps. Man lernt dazu … (Stilmittel der Süffisanz trotz des bitteren Ernstes!)

Da war doch wieder was auf dem Maidan. Laut einem Bericht der Welt kommt es wieder verstärkt zu Protesten auf dem Maidan. Die Reifen brennen wieder. Die neuen Proteste richten sich gegen die Klitschko-Administration in Kiew.

Die neuen Oligarchen wirken für einige Maidan-Veteranen und Teile der Bevölkerung wie die alten Oligarchen, nur das Ost-Hemd wurde gegen das West-Hemd getauscht.

Es geht in dieser Krise in der Tat nur um die Werte der Freiheit, der Demokratie und der Selbstbestimmung (Stilmittel Ironie).

Offensichtlich ist die Homogenität in der Bevölkerung für diese neue Ausrichtung Poroschenko, Jazenjuk, Klitschko weder in der Süd- noch in der Ostukraine und mittlerweile in Teilen der Westukraine unausgeprägt, dafür aber umso mehr die Unterstützung durch „Five Eyes“, EU und Nato.

Sollte uns das nachdenklich machen? Noch ist der rasante Zug auf dem Weg der Eskalation zu stoppen. Mit jedem weiteren Tag nimmt das Tempo zu! Sollte es in der Tat nur um Geopolitik gehen (hohe Wahrscheinlichkeit) wird das Tempo weiter zunehmen. Genau das bewerten die Finanzmärkte derzeit. Auch dort nimmt das Tempo (Fokus Aktienmärkte) zu!“Food for thought!“

© Folker Hellmeyer, Auszug aus dem Forex-Report der Bremer Landesbank



 

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2 Kommentare auf "Ukrainekrise expandiert"

  1. Skyjumper sagt:

    Dem Beitrag kann ich vollinhaltlich unterstreichen. Und es ist bisher noch gar nicht abzusehen was uns die bisherige Sanktionsspirale einmal tatsächlich gekostet haben wird. Von etwaigen weiteren Sanktionen ganz zu schweigen.

    Wie der einmal zeigt sich die Naivität unser Regierungsvertreter in ihrer ganzen epischen Breite. Denn die im Vorfeld gelaufenen Diskussionen und abgegebenen Statements zeigen relativ deutlich auf, dass man nicht damit gerechnet hat das Russland seinerseits dazu in der Lage wäre sich nadelstichartige Gegensanktionen zu überlegen. Und diese Nadelstiche treffen zielsicher. Das sowieso schon problembelastete Griechenland, das nur vordergründig stabile Polen, das bereits zuvor im Abkippen befindliche Finnland.

    „Die milden Worte aus dem Bundeswirtschaftsministerium bezüglich der Folgen für die deutsche Wirtschaft klingen wie das laute, aber doch ängstliche Rufen im Walde.“

    Ängstliche Rufe? Beim Verfolgen seiner gestrigen und heutigen Reden habe ich eher den Eindruck gewonnen der Erzengel würde die bisher ausgerechnete Schadenshöhe von 12-13 Mrd. € mit seinen Diätbemühungen verwechseln. 12-13 Kalorien weniger gefuttert machen sich auf der Waage eh nicht bemerkbar. Bei Gabriel mag das stimmen, da machen seine Bemerkungen schon eher bemerkbar wie ungeeignet er für seine Aufgabe ist.

    Unterstellen wir mal, dass der Wert der Güter, welche dank der russischen Gegensanktionen, nun nicht mehr exportiert werden können tatsächlich nur 12-13 Mrd.€ ausmachen. Deutschlands Anteil von (bisher benannt) 1,5 Mrd.€ wäre tatsächlich noch verschmerzbar. In anderen Ländern sieht das jedoch schon ganz anders aus. Und was ist mit den Folgeschäden?
    Der polnische Obstbauer der dieses Jahr Pleite geht braucht nächstes Jahr keinen neuen Trecker von Fendt. Und der finnische Rentierzüchter der sein Fleisch an der russischen Grenze nicht mehr loswird wird auch irgendwo sparen müssen. Kurzum, diese 12-13 Mrd.€ sind nicht das Ende der Fahnenstange. Die fressen sich weiter durch die bereits vorher recht morsche Wirtschaftsstruktur der EU.

    Alternative Absatzmärkte? Vielleicht. Ganz vielleicht! In unserem kapitalistischen Gefüge gibt es keine unbedienten Ansatzmärkte. Ohne abwärtsgerichtete Preisspirale tut sich im globalen Verdrängungswettbewerb sicher nichts.

    Und glaubt jemand daran dass das nur kurzfristig sei? Warum sollte das so sein? Wenn brasilianisches Schweinefleisch erst einmal erfolgreich den Platz eingenommen hat den bisher ein EU-Lieferant innehatte wird sich da so schnell nicht wieder was dran ändern. Nein! Wir haben es „erfolgreich“ geschafft einen vor unser Haustür befindlichen Markt von 145 Millionen Konsumenten zu schließen. Gratulation EU.

    Aber immerhin haben wir es dafür ja geschafft unsere Puffmutter in Washington bis zum nächsten Aufruf ins Separee zufrieden zu stellen. Ist ja auch was.

  2. Skyjumper sagt:

    Nachtrag………….da geht’s schon los.

    „Ministerpräsident Arseni Jazenjuk kündigte am Freitag in Kiew weitere Sanktionen gegen Russland an. …………….. Dazu gehöre auch ein teilweises oder vollständiges Transitverbot für Güter aus Russland. Auf die Frage, ob das auch die Durchleitung von russischem Erdgas betreffen könnte, sagte Jazenjuk, das gelte für alle Transitgüter. Nach diesen Äußerungen zogen die Preise am Londoner Erdgasmarkt deutlich an.“

    Allerdings aus den DWN, die ich als nur bedingt vertrauenswürdig ansehe.

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