Ukraine: Was geht da vor?

26. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Warum nur glauben viele Anleger hartnäckig an das Märchen, man müsse immer irgendwo investiert sein, denn an der Börse gebe es schließlich andauernd irgendwelche Chancen?!

Dass dies keinesfalls zutrifft und es mitunter die weitaus klügere Alternative ist, einfach nur geduldig abzuwarten, das zeigen die zurückliegenden Wochen in schöner Eindrücklichkeit…

Weil solche Phasen immer wieder auftreten, und weil sie mit Vorliebe in die Sommermonate fallen, hatten wird unseren Lesern bereits am 4. Juni geraten, eine längere Sommerpause einzukalkulieren. Der DAX notierte seinerzeit knapp unter der Marke von 10.000 Punkten und die Stimmung der Anleger deutete alles Mögliche an, nur keine bevorstehende „Pause“.

Allenthalben wurde vielmehr die Frage diskutiert, wie lange es wohl dauern würde, bis der DAX nach der 10.000er-Bastion die Marken von 15.000 und anschließend die 20.000 Punkte ins Visier nehmen würde…

WK DAX kurz JPG

Dass es danach nun gar nicht mehr aussieht, war schon Anfang Juni absehbar – auch ohne den jüngsten Ifo Geschäftsklima-Index, der sich in dieser Woche auffallend eingetrübt hat.

Zwar waren die Aktienmärkte auch vor rund sieben Wochen bereits völlig überdehnt, einige weitere Belastungsfaktoren haben sich seither allerdings merklich konkretisiert.

Die Lage in der Ukraine etwa ist seither noch weitaus unübersichtlicher geworden. Und der überraschende Rücktritt von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk in dieser Woche ist dabei zweifellos das kleinere Problem.

Besondere Brisanz erhält die Lage durch den so tragischen wie merkwürdigen Abschuss der Linienflugmaschine MH 17 über der Ostukraine. Gerade der zuletzt genannte Aspekt birgt einiges „Überraschungspotential“ und bedarf einer genaueren Betrachtung.

Tatsache ist: Bislang hat niemand (!) stichhaltige Beweise vorgelegt, wer den Abschuss des Flugzeugs zu verantworten hat. Dessen ungeachtet ergehen sich die westlichen Medien in auffallender Russland-Empörung und tun so, als wüssten sie haargenau, wie sich die Sache zugetragen hat. So schreibt etwa die einstmals für ihre Neutralität gelobte Süddeutsche Zeitung am Freitag in ihrer Online-Ausgabe:

„Im Konflikt mit Russland um die Ukraine setzt die Europäische Union am Freitag ihre Beratungen über Sanktionen gegen die russische Wirtschaft fort. Dazu kommen die Botschafter der 28 EU-Staaten in Brüssel zusammen. Sie haben bereits am Donnerstag ein Paket von Strafmaßnahmen als Reaktion auf den Abschuss des Flugs MH17 über der Ostukraine diskutiert.

Von der EU-Kommission ausgearbeitete Vorschläge sehen unter anderem die Einschränkung von Rüstungsgeschäften und des Handels mit Schlüsseltechnologie im Energiesektor vor. Außerdem könnte für russische Unternehmen der Zugang zu den europäischen Finanzmärkten blockiert werden“.

Das liest sich nicht so, als hätte da noch irgendjemand auch nur den geringsten Zweifel, wer den Linienflieger MH 17 abgeschossen und den Tod von 300 Menschen in Kauf genommen hat. Ob sich deshalb auch Kanzlerin Merkel in dieser Woche so auffallend vehement für schärfere Sanktionen gegen Russland ausgesprochen hat? Weil die Sache doch sonnenklar und Wladimir Putin der Aggressor ist, der unschuldige Menschen abschlachtet und den es jetzt mit aller Schärfe zu bekämpfen gilt?

Wir erlauben uns an dieser Stelle an zwei Dinge zu erinnern.


Erstens: Ganz davon abgesehen, dass es derzeit keinerlei (!) Beweise für die These gibt, Russland habe die Tragödie um MH 17 zu verantworten, befinden sich nicht die Vereinigten Staaten vor der europäischen Haustür, sondern Russland. Und zweitens: Neben der Schweiz, China und den USA ist das Riesenreich im Osten der mit Abstand wichtigste Handelspartner Europas. Was soll also das ganze Gerede von Wirtschaftssanktionen, die jetzt wegen des Vorfalls um MH 17 weiter verschärft werden sollen?

Dem neutralen Beobachter drängt sich da ein unheilvoller Verdacht auf: Soll hier womöglich ein Grund konstruiert werden, der es den Westmächten erlaubt, noch weitaus massiver gegen Russland vorzugehen?

Man mag es ja kaum glauben, doch ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass alle (!) großen militärischen Konflikte der vergangenen 100 Jahre anfangs von merkwürdigen Vorfällen begleitet waren, die ähnlich undurchsichtig waren, wie der Absturz von MH 17:

Die Versenkung der „Lusitania“ am 07. Mai 1915 war von der britischen Admiralität unter Winston Churchill eingefädelt worden, um die zu jenem Zeitpunkt neutralen Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg zu ziehen.

Im August 1939 war der Angriff von SS-Männern auf den Radiosender Gleiwitz der „Grund“ für den späteren Überfall des NS-Regimes auf Polen, was den Zweiten Weltkrieg auslöste.

Und mehr als 30 Jahre nach Ende des Vietnamkrieges musste die amtierende US-Regierung einräumen, dass der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im Jahr 1964 aufgrund einer bewussten Falschmeldung an US-Präsident Lyndon B. Johnson erfolgte.

Allen diesen Vorgängen ist eines gemeinsam: Immer wurde damit ein Vorwand für spätere massive Militärschläge konstruiert. Jetzt also MH 17?

Wir sollten in diesen sommerheißen Tagen nicht nur an den Börsen besser noch etwas Zurückhaltung üben. Weitaus wichtiger ist es, dass wir den Medien und unseren Volksvertretern jetzt ganz genau auf die Finger schauen…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief



 

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Ein Kommentar auf "Ukraine: Was geht da vor?"

  1. Pinsel sagt:

    Grosse historische Veränderungen fanden sehr oft in der zweiten Dekade eines Jahrhunderts statt.1517(Luther),1616(Dreißigjähriger Krieg),1713 Alte Fritz und Deutschwerdung,1815 Wiener Kongress und rothschildsche Vollendung der Europawerdung,1914 WK I, durch England und USA gefördert!Es wird wohl krachen,weil es krachen muß!Das beste Übel wäre ein Return ins rothschildsche Europa 1815.

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